26. Juli 2007
Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue?
Positionen der Farbfeldmalerei
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
21. Juli – 30. September 2007
Edle Einfalt, stille Größe: Diese Formel hielt schon Winckelmann für das klassisch Wahre und Klare bereit – und damit allem Überladenen in der Kunst entgegen. Erhaben bis auratisch – die nötigen „Brüche“ mit inbegriffen - gibt sich derzeit auch die große Bilderschau mit Werken der Minimal Art in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden.
Was einst Rodtschenko mit seiner Bilderserie Rot, Gelb, Blau 1921 als Ende der Staffelei-Kunst deklarierte, war knapp fünfzig Jahre später mit Barnett Newmans Bilderfolge Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue? der Anfang einer neuen Malerei, die allein durch Farbe brillierte. Diese von den Museen heute nicht mehr ausleihbare Bildserie bezeichnet als unumstrittenes Schlüsselwerk den Beginn des Colour Field Painting und einer bis heute andauernden Farbfeldmalerei. So verwundert es denn auch nicht, dass ein Künstler wie Imi Knoebel diesen zum Teil hermetisch geführten Diskurs mit einer Bildinstallation unter dem augenzwinkernden Titel Ich nicht (2006) – in Anspielung auf Newmans rhetorische „Angst-Frage“ – selbstbewusst und ironisch kommentiert.
Steht Newmans Schlüsselwerk aus Sicherheitsgründen auch auf der „Schwarzen Liste“, so war hier doch zumindest der Titel ausleihbar. Karola Grässlin, seit September 2006 neue Leiterin der Kunsthalle Baden-Baden (zuvor Kunstverein Braunschweig) möchte mit ihrer Initiationsschau nicht zuletzt an der legendären Avantgarde-Tradition des Ortes anknüpfen. Immerhin hatten hier die ersten großen Überblicksausstellungen von Ellsworth Kelly, Bruce Nauman, Imi Knoebel oder Dan Flavin stattgefunden. Kuratoren und Kuratorinnen wie Klaus Gallwitz, Katharina Schmidt oder Jochen Poetter hatten hier bereits die Nase weit vorn. Gilt es also diese Tradition fortzusetzen? Dann würde dies für die derzeitige Ausstellungsthematik auch bedeuten, neue, jüngere Tendenzen mit einzubeziehen, um sie in ein aktuelles Spannungsfeld von einst und jetzt zu rücken.
Karola Grässlin bekennt sich hier eindeutig zur rein subjektiven Auswahl – und damit zum Verzicht auf allzu viel Zeitgenössisches. Die Ausstellung verfolge weder enzyklopädische noch flächendeckende Ziele. Und Karola Grässlin ist bekanntermaßen kein Neuling auf kuratorischem Gebiet. Mit zahlreichen Ausstellungen und Publikationen hat sie sich ausreichend Kenntnisse wie Netzwerke erarbeitet – und damit den Luxus des eigenen Standpunkts. Nun denn, programmatisch steht sie ab sofort in Baden-Baden wohl eher für Bodenhaftung und strebt für die Zukunft eine Mischung von thematischen und monographisch-retrospektiven Ausstellungen an, mit dem Schwerpunkt auf Konzeptuellem wie Kontextuellem. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die Kooperation mit dem nebenan gelegenen Museum Frieder Burda. Und auch dieser bekräftigte bereits, dass er sich eine enge Zusammenarbeit wünsche. Der gläserne Verbindungsgang ist wohl für die Zukunft als robustere Nahtstelle geplant.
Mit einem wohl durchdachtenParcours durch die frisch restaurierten Räume eröffnet die Ausstellung in der Tat belebende Querbezüge und stellt in sensibler Hängung technische wie malerische Nuancen einzelner Entwicklungsstränge heraus. Schon im ersten Raum wird die zeitlich-räumliche Spannbreite mit Barnett Newman, Elsworth Kelly und Imi Knoebel konsequent markiert – auch divergierende „Farb-Mentalitäten“ werden gekonnt in Szene gesetzt. Newmans filigrane Arbeit Now I von 1965 in Schwarz und Weiß behauptet zwischen den farbigen Großformaten von Kelly und Knoebel eine enorme Präsenz. Mit Arbeiten von Elsworth Kelly aus den achtziger Jahren, in reinen, ungemischten Farben, sowie den scharfkantig geschnittenen Bildern (1977) von Imi Knoebel in gemischten Tönen stehen sich hier bereits die unterschiedlichen Farbauffassungen gegenüber. Dies führt hinüber zu technischen Erweiterungsformen und damit den Vertretern derWashington Colour School wieMorris Louis und Kenneth Noland. Mit ihrer „soak stain“-Methodebrachten sie Acrylfarbe auf die ungrundierte Leinwand und erzielten durch das Aufsaugen des Stoffes einen vertieften Farbeindruck.
Nach der dunkel-metaphysischen Bild-Räumlichkeit eines Ad Reinhardts gelangt man sogleich zu Günther Förg und damit ins Wechselbad der Gefühle. Die lässig-schlierigen Farbschichten seines Werkzyklusses von 1990 sprechen schon erheblich lautstärker von der Nervosität beim Malvorgang. Förg zitiert seine klassischen Vorbilder wie ein Flaneur und belebt ihr Formenvokabular nonchalant mit flüchtigem Duktus. Wie die Ausstellungsinstallation es zuweilen gekonnt inszeniert, steht hier den metaphysisch-sublimen Belangen der Amerikaner ein oftmals pragmatischer wie auch bewusst transzendenzloser Ansatz der Europäer gegenüber.
Im lichten Glanze strahlt immer noch Dan Flavin – und sogleich erinnert man sich an die legendäre Flavin-Schau, 1987 von Jochen Poetter am selbigen Ort präsentiert. Das über Eck installierte Neonquadrat wirft seine Strahlungen an die Wand, was diese zum würdigen Farbträger macht. Die eigene Handschrift wird durch die Verwendung von Neonröhren nun völlig negiert, wie auch Blinky Palermo mit seinen Stoffbildern von 1967-69 keine gemalte Materialität mehr zulässt.
Hingegen wusste Gerhard Richter mit seiner grauen Bilderserie von 1970 zwar zunächst nicht, was er malen sollte – ließ diese destruktive Motivation jedoch in eine konstruktive Aussage umschlagen - die graue Unscheinbarkeit dieser Bilder verkörpert nun auf illusionistische Weise überzeugend das große Nichts.
Mit Künstlern wie Stephen Prina, Heimo Zobernig und eingangs schon Günther Förg wird der weiterführende konzeptuelle Ansatz dokumentiert, den Karola Grässlin für die Zukunft weiterverfolgen will. Wobei Prinas Abstraktion schon wieder subkutane Figuration unterlegt - seine Farbflächen zeigen schwach erkennbare Fotos von Architekturdetails. Glatte monochrome Farbflächen hingegen lässt er von professionellen Autolackierern spritzen.
Zwischen auratischer Präsenz, angelegter Lässigkeit und gelackter Glätte – es ist nicht zuletzt auch die radikale „Power“ von Colour Field Painting und Farbfeldmalerei (vor allem der ersten und zweiten Generation!), die dieser Parcours präsentiert. Ein Gang durch eine spannende Zeit - bis hin zu ihren konzeptuellen Bezügen.
Preisentwicklung:
Die Preisentwicklung bildender Künstler kennzeichnet sich ebenso wie der Markt auf der Börse bekanntlich durch positive und negative Schwankungen. Jeder Künstler durchläuft Höhen und Tiefen, was die Nachfrage und die Preise der Werke entsprechend zeichnet. Das artnet Magazin liefert eine kurze Preisentwicklungsanalyse zu einer Auswahl der Künstler, die auf der derzeitigen Ausstellung „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue? Positionen der Farbfeldmalerei“ in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden vertreten sind.
Dan Flavin, der mit seinen Leuchtstoffröhrenarbeiten wahre Lichtbilder kreiert, gehört zu den in den letzten vier Jahren besonders erfolgreich auf den Auktionen von Sotheby’s und Christie’s in New York und London gehandelten Künstlern - die Preise für seine Arbeiten ziehen stetig an. Auf den diesjährigen Frühjahrsauktionen von Christie’s London am 8. Februar und Sotheby’s New York am 15. Mai erreichten sie die bislang besten Resultate. In London erzielte die Arbeit Monument for V. Tatlin, aus dem Jahr 1967, 412.000,- Britische Pfund (Schätzpreis 350.000,- bis 450.000,- Britische Pfund) während die in New York angebotene Arbeit Untitled von 1969 den Spitzenwert von 1.384.000,- US-Dollar erreichte (Schätzpreis: 1.200.000,- bis 1.800.000,- US-Dollar). Damit ist das unbetitelte Werk aus dem Jahr 1969 das bislang teuerste Werk von Dan Flavin.
Günther Förg wird seit Ende der 1980er Jahre gut gehandelt. Der Markt begehrt vor allem nach seinen Arbeiten aus eben diesen Jahren. Die artnet Price Database zeigt, dass schon 1989 bei Christie’s in New York das Werk Untitled aus dem Jahr 1988 einen Verkaufspreis von 75.800,- US-Dollar erzielte und damit seinen Schätzpreis verdoppeln konnte. 1999 erlangte das Werk Lead Paintings von 1987 beinahe das Fünffache seines unteren Schätzpreises. Sotheby’s hatte in New York einen Schätzpreis von 70.000,- bis 90.000,- US Dollar angegeben der schließlich im Verkaufspreis von 321. 500,- US Dollar kulminierte. In den folgenden Jahren konnte der Höchstpreis von 1999 nicht überboten werden, doch wurden in jüngster Zeit die angegeben Schätzpreise immerhin um ein Drei- bis Vierfaches überschritten. So geschehen 2006 bei Phillips de Pury & Company am 14. Oktober, bei dem das Werk Untitled von 1990 einen Verkaufspreis von 124.528,- US Dollar erzielte (Schätzpreis 18.867,- bis 28.301,- US Dollar).


Auszug aus: artnet Market Performance Report / Yves Klein
Auszug aus: artnet Market Performance Report / Günther Förg
Ellsworth Kellys Arbeiten begannen ihren Höhenflug im 21. Jahrhundert. 2001 überschritt die Arbeit Red white blue (EK407) aus dem Jahr 1968 die die von Sotheby’s New York angegebene obere Marge des Schätzpreises (900.000,- bis 1.200.000,- US-Dollar) mit einem Verkaufspreis von 1.435.750,- US-Dollar. Auch danach wurden wenigstens die unteren Schätzpreise stets übertroffen um dann 2004 bei Sotheby’s New York einen Verkaufspreis von 2.920.000,- US-Dollar mit dem Werk Chatham XIII: Yellow red - EK 464 zu erzielen (Schätzpreis 1.200.000,- bis 1.800.000,- US-Dollar). Bisheriges Toplos sollte Black Venus (EK227) aus dem Jahr 1959 werden. Mit einem Schätzpreis von bis dato einmaligen 3.000.000,- bis 4.000.000,- US-Dollar hatte Sotheby’s in New York auf den ersten Verkaufserfolg aufbauen wollen, doch der Hammer fiel bereits bei 2. 952.000,- US-Dollar. Zwar wurde der untere Schätzpreis damit um Haaresbreite verfehlt, doch zum höchsten jemals gezahlten Preis für eine Arbeit von Ellsworth Kelly reichte es dennoch.
Yves Klein gilt seit langem als etablierter und hoch dotierter Künstler auf dem internationalen Kunstmarkt. In den vergangenen sechs Jahren stiegen die Preise für seine Werke auf den Auktionen beständig an. Seinen bislang unübertroffenen Höhepunkt markiert das Werk RE 1 von 1958, welches bei der New Yorker Herbstauktion vom 15. November 2000 bei Christie’s einen Preis von 6.716.000,- US-Dollar erzielte und damit den hoch angesetzten Schätzpreis (4.000.000,- bis 5.000.000,- US-Dollar) sogar noch übertraf. In den Folgejahren wurden ähnlich gute Gewinne erzielt, auch wenn der bestehende Bestpreis bisher nicht überboten werden konnte.


Auszug aus: artnet Market Performance Report / Yves Klein
Auszug aus: artnet Market Performance Report / Yves Klein
Barnett Newman, gewissermaßen der Vater des Colour Field Painting, ist, was den Markt betrifft, ein bestätigter Erfolgskandidat. Doch darf man sich nicht sicher sein, das bei jedem Verkauf auch ein Gewinn anfällt. Diese leidvolle Erfahrung musste ein Einlieferer machen, der bei Christie’s Herbstauktion in New York (13. November 2002) die Arbeit White fire I aus dem Jahr 1954 für den Rekordpreis von 3.859.500,- US-Dollar ersteigerte (Schätzpreis 4.000.000,- bis 6.000.000,- US-Dollar). Schon ein Jahr darauf wurde am 12. November 2003 eben dieses Werk bei Sotheby’s in New York mit einem Schätzwert von 3.000.000,- bis 4.000.000,- US-Dollar zum Verkauf angeboten. Auf der Auktion erzielte es einen Preis von 3.704.000,- US Dollar, doch der vormals erzielte Preis konnte schlussendlich nicht erreicht, geschweige denn überschritten werden.
Nicht nur in den Häusern Christie’s und Sotheby’s werden die Arbeiten Blinky Palermos erfolgreich versteigert, auch bei Phillips de Pury konnte am 11. November 2002 in New York das Stoffbild von 1969 mit einem Verkaufspreis von 669.500,- US-Dollar den Besitzer wechseln. Seit 1998 halten sich die Preise für Werke Blinky Palermos mit steigender Tendenz im Bereich von um 450.000,- US-Dollar. Den sich daraus deutlich hervorhebenden, absoluten Bestpreis erzielte Sotheby’s New York am 10. Mai 2006 für die Komposition Blau-Rot auf Weiss aus dem Jahr 1965 mit einem Ergebnis von 800.000,- US-Dollar (Schätzpreis 700.000,- bis 900.000,- US-Dollar).
Weitere Preise, Grafiken und Übersichten in der artnet Price Database und den artnet Market Performance Reports
Die Preisentwicklungen recherchierte Anna Maria Mortler.
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