1. Oktober 2007
Das diesjährige Art Forum Berlin zieht die Besucher in Massen an, so zumindest scheint es nach dem Messewochenende. Mit zahlreichen Galerie-Eröffnungen, Parties, Brunches und was sich heutzutage noch so gehört, manifestiert die Stadt ihren Ruf als die neue europäische Hauptstadt der Kunst. Dass allerdings nach nahezu zehn Jahren Abstinenz nun erstmals wieder eine Sotheby’s-Vorbesichtigung einiger der wichtigsten Werke des großen Londoner Evening Sales für zeitgenössische Kunst (der am 12. Oktober zeitgleich zur Frieze Art Fair in London abgehalten wird) zu sehen war, gleicht einer kleinen Sensation und darf als neuer Schritt des Unternehmens in Richtung der Hauptstadt gedeutet werden. Mit der Auflösung der Berliner Dependance von Sotheby’s und der Verabschiedung der bis dato umtriebigen Britin und Berliner Repräsentantin Lucy Dew hatte das Auktionshaus der Hauptstadt 1999 den Rücken gekehrt. Der entsprechende Markt sei nicht vorhanden, lautete damals die Begründung, Käuferschichten zu dünn, Sammler einfach nicht anwesend. Während Phillips de Pury und Christie’s ihre Filialen auf-, bzw. ausbauten, und auch die Villa Grisebach unter Daniel von Schacky mittlerweile ansehnliche Auktionen mit Zeitgenossen ausrichten, war Sotheby’s zwar lange Jahre erfolgreich mit einer freiberuflichen Berliner Repräsentantin versorgt, doch die strich zu Anfang des Jahres die Segel, um sich dankbareren Aufgaben zu widmen. Konkurrent Christie’s ist mittlerweile nicht nur mit der Repräsentanz in der Berliner Giesebrechtstraße sondern seit diesem Monat auch mit dem seit Februar zum Auktionshaus gehörenden Galeriegiganten Haunch of Venison in der Stadt vertreten. Nur bei Sotheby’s tut man sich bis zum heutigen Tag mit dem Standort Berlin eher schwer. So wird Deutschlandchef Philipp Herzog von Württemberg nicht müde zu betonen, man wolle sich in Deutschland erst einmal unabhängig von der Hauptstadt positionieren und eine dortige Dependance sei nicht geplant - doch die Unken rufen ganz anderes aus der Villa Elisabeth in Mitte hervor. Demnach könnte bereits zu Anfang des kommenden Jahres der Schritt nach Berlin gewagt werden. Eine gute Entscheidung und gar kein so besonders großes Wagnis wäre eine Dependance allemal. Denn dort, wo viele der amerikanischen Galerien mittlerweile Zweitstandbeine eröffnen oder über Eröffnungen zumindest ernsthaft nachdenken, kann es so schlecht nicht gehen mit dem Kunstverkauf. Zum Preis von sicherlich feierlichen und gelungenen Zweitagesevents mit Caterern aus Hamburg, Getränken aus Frankreich und Experten aus aller Welt gibt es in Berlin ohne Zweifel schöne repräsentative Räumlichkeiten zu mieten – und zwar für mindestens ein Jahr.
Zu sehen in der Villa Elisabeth waren und zur Versteigerung im Oktober stehen Arbeiten unter anderem von Gilbert & George, Damien Hirst, Gerhard Richter, Frank Auerbach, Tim Noble & Sue Webster, Neo Rauch, David Hockney und Zhang Xiaogang. Zum Höhepunkt der Präsentation in der denkmalgeschützten Villa gehörte Jean-Michel Basquiats großformatige Wandarbeit Untitled (Head) von 1981. Auch preislich schoss das Acryl-/Ölbild den Vogel ab: wird es in London doch zu einem Schätzpreis von 3,6 bis 5,04 Millionen Euro angeboten. Gleich zwei Arbeiten von Gerhard Richter hatte man nach Berlin gekarrt: Colette Dereal, das 1964 entstandene Porträt der französischen Sängerin und Schauspielerin ist den Experten rund 1,7 bis 2,6 Millionen Euro wert, der Berg aus dem Jahr 1981 hingegen 1,2 bis 1,7 Millionen Euro. Auch der Medienliebling Banksy war mit von der Partie und gab in einer Ecke gemeinsam mit The Rude Lord von 2006 seinen Kommentar zum Kunstmarktgeschehen ab. Wer auch so denkt, investiere bitte 225.000,- bis 300.000,- Euro.
Mehr im Dossier ART FORUM BERLIN 2007
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