25. September 2007
Fine Art Fair im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 27. bis 30. September 2007
In Zeiten globaler Demokratisierung des Kunstmarktes, an dessen Spitze sich auf allen Kontinenten Messen und Kunstevents als Massenveranstaltungen etablieren, gibt es mitunter auch leise Gegenbewegungen. Wie sich diese bemerkbar machen? In Form kleiner, exlusiv-elitärer Veranstaltungen mit einem überschaubaren, jedoch äußerst qualitätvollen Angebot. Die Hamburger Messe Fine Art Fair, die alljährlich im modernen, erst 2000 fertig gestellten Schümann-Flügel des Hamburger Museums für Kunst & Gewerbe stattfindet, gehört eindeutig in dieses Kunstmarktsegment. Die Ausstellerzahl ist auf zwanzig, die Dauer der Schau auf drei Tage begrenzt, die dem ruhigen norddeutschen Kunden wohl ausreichen werden, die 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche intensiv zu begehen.
„Sieben von den zwanzig Ausstellern sind TEFAF-Teilnehmer“, erklärt Christine Gräfin Adelmann, die für die Messeorganisation der Fine Art Fair verantwortlich zeichnet. „Die Fine Art Fair ist keine Verbandsmesse, sondern aus privatem Engagement einzelner lokaler Aussteller erwachsen. Sie ist die einzige Messe in Deutschland, die in einem Museum stattfindet und wir möchten in diesem Rahmen auch nur Kunst anbieten, die in eine Museumssammlung Eingang finden könnte.“ Als Qualitätssicherung sei es außerdem von Vorteil, so Gräfin Adelmann weiter, dass die Messe hinsichtlich des Raumes klein sei und nicht gezwungen ist, Platz zu füllen. „Wir können uns die Teilnehmer aussuchen. Dabei sind erstbeste Qualität gefragt, ferner auch die Teilnahme jüngerer Aussteller, die zu den lang etablierten in zweiter Generation stehen“, erfährt man weiter.
Die Hälfte der Fine-Art-Fair-Aussteller haben Adressen in der Hansestadt, die übrigen Teilnehmer kommen aus dem Rest der Republik und sogar aus Österreich angereist, wie das Galeristenduo für Kunst der Moderne von Salis & Vertes. Hamburg ist nun einmal nicht das jecke Köln, nicht das hippe Berlin, nicht das üppige München. Hamburg tritt als Kunsthandelsstadt generell leiser auf als diese drei Mitstreiter. Zur speziellen Situation der Stadt erklärt Gräfin Adelmann, dass „viele Kunsthändler nicht wahrgenommen werden, da sie keine Ladengeschäfte haben, sondern ihre Unternehmen in privaten Show-Rooms führen.“
Zu solchen Kunsthandelsunternehmen gehört zum Beispiel das weltweit agierende Antiquariat Dr. Jörn Günther mit illuminierten Handschriften und Miniaturen des Mittelalters, der Renaissance und des frühen Buchdrucks. Zu Günthers´ Kunden zählen das Metropolitan Museum in New York, das Getty Museum in Los Angeles und die Staatsbibliotheken in Berlin und München. Auf der Fine Art Fair bietet Günther eines von nur 80 erhaltenen Exemplaren des Reiseberichtes von Christopher Columbus mit dem Titel „de insulis nuper in mari indico inventis“, der 1494 mit sechs Holzschnitten in der zweiten Edition gedruckt wurde. Das Rara beläuft sich auf einen Verkaufspreis von 1,2 Mio. Euro und ist sicher keine regionale Angelegenheit, sondern von hohem internationalem Interesse.
Hamburg hatte bislang wenig Fortune bei der Etablierung einer wirklich erfolgreichen Kunstmesse, die international hätte von sich reden machen können. Der Vorläufer der heutigen Fine Art Fair startete vor acht Jahren; dabei standen 1997 und 1999 den aktuellen 20 Ausstellern etwa 110 gegenüber, was zwar Einnahmen für die Messe bedeutete, doch leider keinen Erfolg bilanzieren konnte. Das Prinzip „Masse statt Klasse“ geht ja meist nicht auf. Von diesen Ausstellern spalteten sich knappe zehn ab, die den kleinen Kern der heutigen Fine Art Fair bilden. Hamburg veranstaltet im Frühjahr – im Februar 2008 zum fünften Mal – eine zweite Messe in den Deichtorhallen: die „Kunst Messe Hamburg“, deren verantwortliche Arbeitsgemeinschaft von Mitgliedern des BDKA, des Bundesverband des deutschen Kunst und Antiquitätenhandels herrührt. Dort stehen etwa 50 Aussteller auf dem Plan, die zwar untereinander verbandelt sein mögen, aber nicht einen Teilnehmer nennen, der sich mit dem Potential der Fine Art Fair wirklich messen kann.
Altmeisterhändler Konrad O. Bernheimer von Bernheimer Fine Arts München/London, ausgewiesen als einer der weltweiten „Top 10“ seines Faches und zudem Chairman der „Pictura“ der TEFAF Maastricht, sieht ebenfalls einen Trend zur kleinen Form, was Messegrößen betrifft. „Immer mehr Leute gehen gerne auf kleine Events. Die Fine Art Fair ist sehr nobel, der räumliche Rahmen höchst anspruchsvoll und die Veranstaltung stößt auf großes Interesse“, stellt er fest. Gemeinsam mit seiner Tochter Blanca, die im Münchener Hause die Abteilung Fotografie leitet und bereits einige Cross-Over-Ausstellungen mit Objekten aus dem Altmeisterbereich bis hin zur Zeitgenössischen Fotografie kuratierte, traf K. O. Bernheimer „eine wunderbare Auswahl“ aus dem breiten Spektrum des Hauses zum Thema „Musen - Mütter - Models: Das Bild der Frau in der Kunst“. Highlight ist hier Une Dame à sa Toilette von François Boucher in Öl auf Leinwand (Preis auf Anfrage). Einen Schwerpunkt des Bernheimer-Standes bilden Fotografien aus dem klassischen Fach, etwa von Norman Parkinson und Lucien Clergue, auch eine der langbeinigen Nudes von Helmut Newton wird zu sehen sein (alle Preise auf Anfrage). Fotografie vertritt außerdem die Hamburger Flo Peters Gallery mit Schwarzweiß-Fotografien von Jacques-Henri Lartigue, Alfred Eisenstaedt, Herbert List, Sylvia Plachy, Arnold Newman, Louis Stettner, Andreas Feininger und weiteren Protagonisten des Genres aus dem vergangenen Jahrhundert.
Arbeiten auf Papier mäandern sich durch alle Epochen der Neuzeit bei C. G. Boerner (Düsseldorf), Thomas Le Claire (Hamburg), Dr. Martin Moeller (Hamburg), Thole Rotermund (Hamburg) und Galerie Jörg Schumacher (Frankfurt a. M.). Ein Highlight bei Thomas Le Claire, der deutsche, italienische, französische, holländische und flämische Schulen handelt, ist ein Aquarell der österreichischen Kunst des 19. Jahrhunderts, Der türkische Salon in der Villa Hügel, Hietzing, Wien von Rudolf von Alt aus dem Jahr 1855 (Preis auf Anfrage), das einst zur Sammlung von Ernst August Herzog von Cumberland und Braunschweig-Lüneburg gehörte. Dr. Martin Moeller bietet für 29.000,- Euro eine mythologische Federzeichnung über schwarzer Kreide von Conrad Martin Metz, die 1820 in Rom entstand, wo der 1749 in Bonn geborene Künstler 1827 verstarb. Nachwuchshändler Thole Rotermund bringt Klassische Moderne mit aus seinem Loft in der Hamburger Weidenallee. Die Badenden des moskowiter Künstlers Wladimir von Bechtejeff von 1911 in Aquarell und Tusche auf Velin sind mit 43.000,- Euro beziffert, eine Bleistiftzeichnung von Max Beckmann aus dem Jahr 1922 mit 18.500,- Euro und ein Scheibenaquarell von Ernst Wilhelm Nay von 1957 mit 29.000,- Euro.
Zur Jugend unter den Ausstellern zählt auch der Kölner Händler Gordian Weber, der sich den Kunstwerken antiker Kulturen des Mittelmeerraumes verschrieben hat und Objekte der Griechen und Römer für die Fine Art Fair entdeckte, außerdem welche aus dem Nahen Osten und Alt-Südarabien. Für den Altsüdarabischen Kopf in Kalzitalabaster, der in das erste Jahrhundert vor bis in das erste Jahrhundert nach Christus datiert wird, werden von Weber 129.000,- Euro erwartet. Mit historischen Juwelen ist TEFAF-Aussteller Ulf Breede aus Berlin angereist, darunter der Art Déco-Ring aus den 1930er Jahren, der für 25.000,- Euro an eine neue Hand wechseln soll. Unter den Sammlermöbeln wird ein äußerst seltener mechanischer Drehsessel aus der Manufaktur von David Roentgen von 1787 großes Interesse auf sich ziehen, da Sitzmöbel im Oeuvre des großen Neuwieder Ebenisten eigentlich so gut wie nicht vorkommen. Der Hamburger Händler Frank C. Moellers Fine Arts platziert diesen nun für 360.000,- Euro auf dem Markt. Dass man nicht kleckert, sondern besser klotzt, weiß man vor allem an der Salzach. Von Salis & Vertes ziehen mit der Buste d´homme à la pipe von Pablo Picasso in Öl auf Karton auf Holz aus dem Jahr 1969 gen Norden (4,5 Mio. Euro) und dem Ölgemälde L´âne vert von Marc Chagall aus dem Jahr 1978 (1,9 Mio. Euro).
Die Fine Art Fair veranstaltet jedes Jahr eine Sonderschau, die dieses Mal dem Design gewidmet ist, womit die Messe ja gut im Trend liegt. Zwei Aussteller bestreiten das Thema, der Galerist Ulrich Fiedler aus Köln und der Hamburger Designer Peter Preller mit seinen eigenen Entwürfen aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Ulrich Fiedler, zum ersten Mal Messeteilnehmer, zählt die Designabteilung des Hamburger Museum für Kunst & Gewerbe sowieso zu seinen Kunden und sieht den Markt für seine Ware „nun da angekommen, wo die bildende Kunst preislich schon lange steht. Diese preislichen Grenzen sind nun aufgehoben, das, was ich schon seit zwanzig Jahren sage, ist eingetreten“, resümiert Fiedler. „Das Design hat einfach über lange Zeit eine viel zu geringe Wertschätzung erfahren und die heutigen Erfolge habe ich ehrlich gesagt auch erwartet. Es ist nun endlich auf diesem Markt einiges in Bewegung“.
Fiedler schippert vor allem klassische Positionen vom Rhein an die Alster, die Namen wie Peter Behrens, Marianne Brandt, Marcel Breuer, Josef Hoffmann, Le Corbusier, Michael Thonet, Henry van de Velde und Wilhelm Wagenfeld vertreten. Seine Highlights sind ein Stuhlexemplar aus dem Speisezimmer des Haus Behrens von Peter Behrens auf der Darmstädter Mathildenhöhe (Parallelexemplar, 125.000,- Euro) und ein Lattenstuhl von Marcel Breuer von 1923, den die Tischlerei des Staatlichen Bauhaus Weimar in Holz mit brauner Lederbespannung ausführte (95.000,- Euro). Ob der Hanseat seine Liebe zum Design auf der Fine Art Fair entdeckt, bleibt abzuwarten; genauso, ob sich dieses Thema infolge als ein fester Bestandteil des Messeprogramms etablieren wird.Weitere Artikel von Bettina Krogemann










