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Art Cologne und Biennale ohne Hauptsponsor

Kein Geld von der Bank

Stefan Kobel

31. Oktober 2008 

Das Timing könnte ungünstiger kaum sein. In den letzten Tagen ist die Nachricht durchgesickert, dass die Deutsche Bank ihr Engagement bei der Art Cologne und dem deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig aufgibt. Mitten in der Finanzkrise drängt sich der Verdacht nach einem Zusammenhang auf. Doch die tatsächliche Lage sieht wohl etwas anders aus. „Beide Ereignisse stehen nicht im Zusammenhang miteinander und sind auch nicht das Ergebnis einer strategischen Neuorientierung unseres Kunstengagements oder niedrigerer Budgets“, betont Klaus Winker, Sprecher der Deutschen Bank. Das Gegenteil sei der Fall: „Wir lassen in unserem Kunstengagement nicht nach, im Gegenteil. Kunst gehört zu den fünf Kernfeldern unserer Corporate Social Responsibility. Das bedeutet aber nicht, dass wir hier immer alles beim Alten belassen wollen. Wir entwickeln uns auch im Kunstbereich ständig weiter fort."

Bei der Biennale di Venezia war die Deutsche Bank letztes Jahr erstmalig Hauptsponsor und hatte dem deutschen Beitrag von Isa Genzken zu einer bis dahin ungekannten medialen Präsenz verholfen. Die Kritik war jedoch wenig begeistert von der beliebig wirkenden Installation der vom Format anscheinend überforderten Künstlerin. Und die Entscheidung des Kurators Nicolaus Schafhausen, für die Ausgabe 2009 den Briten Liam Gillick zu berufen, kam ebenfalls schlecht an. Winker begründet den Ausstieg so: „Die Deutsche Bank hat einmalig 2007 als Hauptsponsor den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig unterstützt - auch aus einer langjährigen Verbundenheit zu der Künstlerin Isa Genzken heraus. Die Bank hat es sich von Beginn an offen gehalten, diese Partnerschaft auf der Biennale 2009 nicht mehr zu wiederholen und dies Anfang diesen Jahres den Verantwortlichen auch kommuniziert. Engagements dieser Art werden grundsätzlich jahresweise überprüft.“

Die Aufgabe der seit Jahren schlingernden Art Cologne trifft diese zwar hart, ist aus Sponsorenperspektive hingegen nicht völlig unverständlich. Einen zeitlichen Zusammenhang mit der Ertragslage der Bank kann nach deren Aussage ebenfalls nicht hergestellt werden: „Hinsichtlich der Art Cologne hat der Geschäftsbereich Private Wealth Management der Deutschen Bank, der innerhalb der Bank diese Kunstmesse unterstützt hat, bereits im Sommer 2008 entschieden, sein Engagement auf der Art Cologne zu beenden.“ Überdies sei die älteste Kunstmesse nicht die einzige Empfängerin der Bank, hebt Winker hervor: „Zudem ist die Deutsche Bank weiterhin auf führenden Kunstmessen (London, Maastricht) als Sponsor vertreten und wird diese Aktivitäten auch künftig weiter ausbauen. So wurde der Vertrag mit der Frieze Art Fair Anfang diesen Jahres bis einschließlich 2010 verlängert.“

Bei der Kölnmesse wiederum relativiert man den Rückzug des Hauptsponsors. Art Cologne Direktor Daniel Hug erklärt: „Wir haben die Deutsche Bank nicht komplett verloren, sie ist nur nicht mehr der größte Sponsor.“ Mit Blick auf die Zukunftsaussichten für den internationalen Kunstmessemarkt äußert er: „Es ist schwer vorherzusagen, welche Messe überleben wird. Ich weiß, dass die Art Cologne das tun wird; sie ist eine etablierte Marke, und viele Unternehmen würden die Verbindung mit uns schätzen, die wir ihnen anbieten können.“

Während die Art Cologne also im Überlebenskampf mit anderen internationalen Kunstmessen steckt, aus dem sie jetzt ohne Hilfe der größten deutschen Bank als Sieger hervorzugehen entschlossen ist, widmet sich das Geldinstitut anderen Feldern im Kulturbereich: „Im Zentrum des Kunstengagements der Deutschen Bank steht die Kunstsammlung“, erklärt Winker und präzisiert: „Diese wollen wir lebendig halten, offensiv verjüngen und weiter internationalisieren, als kulturelles Kapital immer mehr auch der Öffentlichkeit und noch stärker unseren Mitarbeitern zugänglich machen. Die Kooperation mit dem Städel Museum und das geplante Art Café in der modernisierten Konzernzentrale in Frankfurt sind hierfür nur einige Beispiele. Das Engagement im Deutsche Guggenheim Berlin ist 2007 ebenfalls von der Bank um fünf weitere Jahre verlängert worden.“


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