Äußerst ertragreich abgeschlossen hat die Villa Grisebach mit der Versteigerung von „Ausgewählten Werken“ am 25. November 2005 in Berlin. Herzstück der rund 100 Lose aus der Crème de la Crème der deutschen und französischen Moderne sowie einiger deutscher Zeitgenossen war Oskar Schlemmers 1935 gemalte Unterhaltung, die bei 680.000,- Euro (Schätzpreis 250.000,- bis 350.000,- Euro) zugeschlagen wurde; inklusive Aufgeld kostete das Bild seinen neuen Besitzer 783.500,- Euro.
Als der Hammer bei 680.000,- Euro endlich knallte, brach im Publikum erleichterter Applaus aus, als sei der große Saal im dritten Stock der Villa Grisebach ein Flugzeug, das nach heftigen Turbulenzen wieder sicher auf der Erde gelandet ist. Zwei Berliner Sammler hatten sich bis zum Schluss ein erbittertes Bietduell geliefert. Schlemmer, der 1933 sofort aus seiner Lehrtätigkeit in Berlin entlassen worden war, malte die Unterhaltung 1935 im Schutz eines Schwarzwälder Bauernhofes, auf dem er Zuflucht vor den Anfeindungen der Nazis gesucht hatte. Für das farblich ganz in blau und braunrot gehaltene Bild des ineinander vertieften Paares benutzte der Künstler einen neuen Bildträger, das Ölpapier, und arbeitete mit einer bis dahin bei ihm unbekannten Intensität und Gestaltungskraft der Farben.
Für einen weiteren Rekordpreis sorgte ein bisher unbekanntes Gemälde des Fauvisten Henri Manguin. Le Modèle, ein im Stil des Pointilismus getupftes Aktmodell im Atelier Manguins, hing zuletzt in der Kollektion eines Berliner Privatsammlers, der sich über die erzielten 381.000,- Euro freuen wird (Schätzpreis 30.000,- bis 40.000,- Euro). Ein französischer Sammler hatte sich gegen 18 Telefone und mehrere Konkurrenten im Saal durchgesetzt.
Der große Realist Wilhelm Leibl war mit dem Studienkopf eines braunbärtigen Mannes vor grünem Hintergrund vertreten – einer Vorstudie zu den Wildschützen – für die 70.500,- Euro bewilligt wurden (Schätzpreis 30.000,- bis 40.000,- Euro). Berlin ist für Max Liebermann ein gutes Pflaster. „Zu grün“, raunte eine Dame im Publikum, als sein Kohlfeld im Wannseegarten nach Westen herein getragen wurde. Dem Urteil schloss sich jedoch der Bieter, der schließlich 323.500,- Euro für das 1917 entstandene Werk anlegte, nicht an (Schätzpreis 280.000,- bis 340.000,- Euro). Das Kohlfeld in seinem Garten hatte Liebermann im harten Kriegswinter 1917 zur Selbstversorgung angelegt. Den Reiter am Strand nach links entdeckte Liebermann an der niederländischen Küste und machte daraus ein impressionistisches Meisterwerk. Der Preis für das vor stürmischer See unruhig tänzelnde Ross und seinen Reiter galoppierte weit über die Schätzpreisgrenze hinaus bis auf 107.300,- Euro (Schätzpreis 30.000,- bis 40.000,- Euro).
Paula Modersohn-Becker malte nach ihrer Rückkehr aus Paris 1901 Zwei Kinder auf einer Wiese sitzend. 185.500,- Euro wurden für das Bild bewilligt, mit dem sich die damals 25-jährige an die Spitze der deutschen Avantgarde katapultierte (Schätzpreis 100.000,- bis 150.000,- Euro). Als Antwort des 20. Jahrhunderts auf Ingres’ Große Odaliske malte Christian Schad 1929 seinen Rückenakt. Der direkte, sehr selbstbewusste Blick des liegenden Aktes, gemalt auf Pergamentpapier, kündete neue Zeiten an und war für 145.250,- Euro zu haben (Schätzpreis 80.000,- bis 120.000,- Euro).
Gute Resultate brachten auch die Zeichnungen. Um eine Bleistiftzeichnung von Adolph von Menzel mit dem recht profanen Thema Jauchefass auf Wagen stritt man sich im Saal und an den Telefonen bis auf 31.860,- Euro (Schätzpreis 8.000,- bis 10.000,- Euro). Der Krieg von Otto Dix, als komplette Folge von 50 Radierungen sehr selten, verließ seinen alten Besitzer für 248.750,- Euro (Schätzpreis 150.000,- bis 200.000,- Euro). Ein Selbstbildnis von Käthe Kollwitz „en face“, datiert um 1915, setzte sich mit 122.250,- Euro durch (Schätzpreis 60.000,- bis 80.000,- Euro). 24 Zeichnungen Marc Chagalls aus den späten 1950er Jahren, die sich mit dem Bibel-Thema beschäftigen, verkauften sich für insgesamt 723.900,- Euro nach Israel, in die USA und nach Frankreich. Die Bronze Der singende Mann von Ernst Barlach aus dem Jahr 1928 spielte 185.500,- Euro ein (Schätzpreis 100.000,- bis 150.000,- Euro).
Unter den bei den „Ausgewählten Werken“ nur vereinzelt vertretenen Zeitgenossen brillierte Gerhard Richter mit zwei Papierarbeiten. Die jeweils auf 40.000,- bis 60.000,- Euro geschätzten Arbeiten wurden für insgesamt 315.800,- Euro von der Fasanenstraße in eine griechische Privatsammlung entlassen.
Die Frühjahrsauktionen der Villa Grisebach mit Fotografie, Ausgewählten Werken, Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Auktion Third Floor, die Schätzwerte bis 3.000,- Euro umfasst, finden Ende Mai 2006 statt.
Alle angegebenen Preise verstehen sich inklusive Aufgeld, aber ohne Folgerecht und Mehrwertsteuer.

















