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Max Hollein und das Städel Frankfurt

Museum asynchron

Kerstin Burk

14. Juni 2006 

Seit Anfang des Jahres ist man neugierig auf den neuen Städel-Direktor Max Hollein und seine Pläne für das renommierte Kunstmuseum in Frankfurt am Main. Die Eröffnung von gleich vier Ausstellungsprojekten nahm dieser zum Anlass, erstmals öffentlich seine Ideen zur Kunstpolitik des Hauses vorzustellen. Eine zentrale Aufgabe sieht Hollein darin, in der Präsentation der Gemälde-Sammlung stärker den Ansprüchen des heutigen „diversifizierten“ Publikums gerecht zu werden. Um besser auf die heterogenen Interessen der Museumsbesucher mit unterschiedlichstem Bildungshorizont einzugehen, müsse das Städel-Museum mit einem breit gefächerten Angebot aufwarten. Deshalb werde das Museum beispielsweise ab Herbst sieben verschiedene statt bisher nur einer Audio-Tour anbieten. Kunst müsse, so Hollein, in der Breite vermittelt werden.

Gleichzeitig müsse sich das Museum jedoch von der Geschwindigkeit der Straße und des Alltags abheben. Im letzten Jahr seien der Statistik nach deutlich mehr Menschen im Museum gewesen als im Kino. Es solle eine Abwechslung zum Alltag bieten, indem man mindestens eine Stunde verweilen müsse, um den Sinn und den Hintergrund einer Ausstellung zu erfassen. Daneben will der Kunst-Manager nicht nur Besucher, sondern auch Sponsoren und Partner – zu denen im Moment die Aventis Foundation, Ernst & Young, die Hardtberg Stiftung, die PWC-Stiftung Jugend-Bildung-Kultur, die Techem AG sowie die Schering Stiftung gehören – langfristig an das Städelsche Kunstinstitut binden.

Bewusst möchte Max Hollein in Konkurrenz mit anderen bedeutenden Kulturinstitutionen treten. Als einer der Hauptanziehungspunkte der Stadt Frankfurt soll das Städel für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ebenso attraktiv sein wie für das kunstinteressierte nationale und internationale Publikum. Die Sonderausstellungen sollen zudem vermehrt auf Reisen gehen, um den Bekanntheitsgrad des Städels und seiner Sammlung weiter zu steigern. Insbesondere die eigene Sammlung will das Museum in Zukunft in den Fokus rücken und auch weiterhin einen Raum der Forschung darstellen.

Die Galerie im Treppenhaus präsentiert jetzt wieder dauerhaft „Streitbilder“ aus der Anfangsphase des Städelschen Instituts im 19. Jahrhundert. Vor tiefblauem Hintergrund führen die großformatigen Gemälde der Nazarener wie das 1840 erworbene Programmbild Der Triumph der Religion in den Künsten Friedrich Overbecks das Besucherpublikum in die Sammlung ein. Die Ausstellungen zu Albrecht Dürers Frauenbildnissen im Kuppelsaal und zu Jan van Eycks Lucca-Madonna im Kabinett zum Main zeigen, wie das Städel anhand einzelner Kunstwerke Fragestellungen und Forschungsstrategien entwickelt. Auf diese Weise soll nicht nur die Ästhetik eines Kunstwerks, sondern auch sein historischer, soziologischer, religiöser und ikonografischer Kontext wahrgenommen werden. Die Bestandskataloge der Städel-Sammlung werden laut Plan in den nächsten Jahren zum Abschluss gebracht. Eine Ausstellung ist für Max Hollein Teil eines Forschungsunternehmens, das auf verschiedenen Ebenen neue Erkenntnisse vermittelt. Dementsprechend werden zukünftig gleich mehrere Kataloge – für Einsteiger, Schüler oder das Fachpublikum – angeboten.

Im Anbau werden von nun an im Wechsel Teile des Sammlungs-Bestandes aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt. Derzeit sind unter dem Titel „Konstellationen I: von Yves Klein bis A. R. Penck“ grafische Arbeiten von Gerhard Richter oder Richard Serra mit Skulpturen von Joseph Beuys und frühen Werken von Georg Baselitz kombiniert. Ziel ist es, ein lebendiges Museum zu unterhalten, dessen Sammlung sich in verschiedensten Konstellationen darbietet und das Publikum immer wieder aufs Neue lockt.



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