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Das MoMA stellt den neuen 2-Jahresplan vor

Die verrückte Geschichte des MoMA

Thomas W. Eller

8. Februar 2008 

Extra aus New York eingeflogen waren Glenn Lowry, Klaus Biesenbach und Andres Lepik, um am 24. Januar in den Kunst-Werken Berlin, der Partnerinstitution des P.S.1, Bilanz zu ziehen über die Entwicklung des neuen MoMA und das Programm der nächsten 2 Jahre zu präsentieren. Die Zahlen, die der Direktor des einstmals wichtigsten Museums der Welt zu berichten hatte, waren so beeindruckend wie die Ausstellungssäle des Neubaus von  Yoshio Taniguchi. Das Stiftungsvermögen hat sich von 275 Millionen US-Dollar im Jahr 1997 auf inzwischen 850 Millionen US-Dollar mehr als verdreifacht. Auch die Mitgliederzahlen haben sich im selben Zeitraum auf 104.000 fast verdreifachen lassen, während die jährlichen Besucherzahlen von 1,65 Millionen auf 2,2 Millionen angestiegen sind.

Dass es in dieser Richtung weiter gehen soll, daran lässt Lowry keinen Zweifel, auch wenn er sich nicht auf konkrete Steigerungsraten festlegen will. Für ihn ist das Museum ein sozialer und ein intellektueller Ort und demonstriert das an der Architektur des Museums: Über den Skulpturenhof hinweg öffnen sich die Ausstellungsräume zum gegenüber liegenden Verwaltungsgebäude, so dass die Kuratoren und Administratoren ihre Aufgabe ständig im Blick behalten können. Wesentlich begeisterter spricht Lowry dann über seine Idee, das Museum in die Stadt hinein „explodieren zu lassen“ und meint damit die fulminante Ausstellung „Sleepwalkers“ von Doug Aitken, die die Fassade des Museums in gigantische  Projektionsflächen verwandelte wie man sie sonst nur aus dem Kinofilm Bladerunner kennt.

Auch wenn Lowry von den Sammlungsaktivitäten des Museums berichtet, wird man den Eindruck nicht los, dass das Museum am Scheideweg zwischen sozialer und intellektueller Betätigung steht. Für das deutsche Publikum aufbereitet, wie Lowry sagt, präsentiert er Arbeiten von Neo Rauch, Andreas Gursky und Joseph Beuys, die kürzlich erworben werden konnten. Aber auch Kara Walker, Richard Serra und Francis Alÿs sind nun substanziell in der Sammlung des MoMA vertreten. Es sei unmöglich,  enzyklopädisch zu sammeln, deswegen wähle das Museum wichtige Künstlerinnen und Künstler aus mit dem Ziel, die beste Sammlung dieser Positionen zusammenzutragen. Einmal ganz abgesehen von der definitorischen Marktmacht, die durch eine solche Sammlungspraxis entsteht, stellt sich immer noch die Frage nach den Auswahlkriterien.

Auf die Tatsache angesprochen, dass das MoMA nicht zuletzt deshalb zum bedeutendsten Museum aufstieg, weil Alfred H. Barr um die frühe Sammlungstätigkeit des Museums herum seine Theorien entwickelte, was Moderne Kunst eigentlich sei, versucht Lowry sich an einer postmodernen Herangehensweise. Dass es eben nicht nur eine Wahrheit gebe, illustriert er mit Mel Brooks Film Die verrückte Geschichte der Welt aus dem Jahr 1981 anhand der Geschichte von Moses, der auf dem Berg Sinai die 10 Gebote von Gott empfängt und damit zum Volk zurück geht, nur um dort mit weiteren in Umlauf befindlichen Gesetzestafeln konfrontiert zu werden. Die Perspektive sei eben mehr als eine und die Sammlungstätigkeit beziehe sich nun auf Künstlerinnen und Künstler, die die verschiedensten modernen Traditionen weiterführten oder sich kritisch mit diesen auseinandersetzen. Das klingt sehr gut und ermöglicht dem Museum maximale Offenheit, die es brauchen wird, um seine Funktion als sozialen Ort auszubauen.

Auch wenn man die Politik des exemplarischen Sammelns gut verstehen kann (zumal es tatsächlich weit und breit keine Orientierungsangebote gibt), könnte man sich wirklich hervorragend streiten, ob es nun die Aufgabe des MoMA sei, solche anzubieten. Wie schwierig aber die Sache mit dem Weiterführen von Traditionen ist, bewies Lowry an diesem Vormittag selber, denn in Mel Brooks Film erhält Moses drei Gesetzestafeln und zerbricht eine von ihnen, während er dem Volk zuruft: „Ihr alle hört mich. Der Herr Jehova hat Euch, seinem Volke, diese 15...,   ohje… 10, diese 10 Gebote gegeben, die Ihr alle befolgen sollt!“.


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