Als Fotograf bewegt sich Heinz Peter Knes (geb. 1969 in Gemünden am Main) zwischen Kunst, Mode, Dokumentation und Auftragsarbeit. Seine Bildstrecken sind durch Magazine wie Spex, Dutch, Butt, Purple, freier oder Doingbird bereits international bekannt geworden. Neben einigen weiteren Ausstellungen im Ausland waren sie zuletzt bei Peres Projects in Los Angeles zu sehen. Es ist der persönliche Blickwinkel einer unter dem Stichwort „Close-to-Life“ etablierten Fotografie – mit Vertretern wie Nan Goldin, Wolfgang Tillmans oder Nobuyoshi Araki –, der auch Knes’ Aufnahmen charakterisiert. Seine Motivwelt speist sich dabei vordergründig aus den Bereichen der Pop- bzw. jugendlichen (Sub)kultur, wobei die zahlreichen Porträts zum Teil durch eine Intimität und Aufrichtigkeit bestechen, der ein von Normen weitgehend freier Blick für Körperlichkeit und Schönheit zugrunde liegt. Damit verbunden ist eine Position, die der Fotografie noch Unmittelbarkeit zutraut und in der Schnappschussästhetik der Bilder ihren visuellen Ausdruck findet.
Mit „100 – 1000“ begibt sich Knes nun auf neues, allerdings nicht eben unerschlossenes Terrain. Es sind eher formale Fragen, die ihn angesichts des digitalen Zeitalters und mit Ausblick auf den zukünftigen Stellenwert der analogen Fotografie dazu veranlassen, Bilder mit Fokus auf das Sehen selbst zu machen. Was dabei herauskommt, ist eine angenehm verspielte und optisch sehr reizvolle Sache, die nicht versucht, extraordinäre Zusammenhänge zu konstruieren. Methodisch zieht Knes Parallelen zur elektronischen Musik: Sampeln und Ineinandermixen alter und neuer Motive, nicht ohne ein wenig drauf los zu experimentieren. In akribischer Handarbeit, sprich vollkommen analog, imitiert er die digitale Formensprache, indem er Einzelbilder überlagert und die Fotos in Cutter-Manier bearbeitet, bis sie sich in verschiedenen Rasterformen auflösen. Die entstandenen Collagen verweigern dem Auge eine unmittelbare, bloß oberflächliche Orientierung und verweisen trickreich auf bestimmte Wahrnehmungsmuster, lassen aber auch viel Raum zur Deutung.
Insgesamt erscheinen der aufwendige Arbeitsprozess und die vom Betrachter geforderte Aufmerksamkeit wie ein Kommentar zum flüchtigen Bildkonsum und der Entwertung des Einzelbildes im Zuge der digitalen Entwicklung. Zugleich sei das Zerschneiden wie ein letztes Aufbäumen und auch ein Loslösen von der „heiligen Kuh“ Fotografie, so Knes im Telefongespräch mit Wolfgang Tillmans, das die Galerie anstatt eigener Worte im Katalog abdrucken ließ. Bis auf eines fehlen Porträts in dieser Schau völlig, was dem Thema geschuldet ist. Nur mit der Figur „Genesis P Orridge“ ließ es sich darstellen, „weil er als Person schon selbst ein Experiment ist.“
Die kleineren Formate von ca. 60 x 50 cm kosten 4.200,- Euro, die größeren Formate von ca. 180 x 200 cm kosten 8.600,- Euro.
Galerie Crone auf artnet