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Candice Breitz - artnet Questionnaire (DE)

Where is Candice Breitz?

Preview zur Eröffnung der Temporären Kunsthalle Berlin

28. Oktober 2008 

(1) Wer sind Sie?

Candice Breitz.

(2) Warum machen Sie Kunst?

Als Versuch, der Welt, in der ich lebe, einen Sinn abzugewinnen.

(3) Worauf bezieht sich Ihre Kunst?

Auf die Welt, in der ich lebe.

(4) Wer braucht Ihre Kunst?

Leute, die in der Welt leben, in der ich lebe.

(5) Was bezweckt Ihre Kunst?

Gespräche anzuregen; neue Weisen der Erfahrung von vertrautem Terrain zu ermöglichen; Reflexionen über die Massenmedien anzustellen – als der dominanten Kulturform unserer Zeit; darauf hin zu weisen, dass es wichtig ist, sich immerfort und aktiv mit dieser Kulturform auseinander zu setzen, auch wenn diese Medien lieber eine passive Zuhörerschaft haben wollen; heraus zu finden, was andere Leute über die Dinge denken, über die ich nachdenke; süßen Sünden zu frönen; Knöpfe zu drücken; nicht wahnsinnig zu werden.   

(6) Wer interessiert sich für Ihre Kunst?

Sie waren interessiert genug, um mich um dieses Interview zu bitten.

(7) Was verändert sich durch Ihre Kunst?

Diese Frage kommt zu früh. Fragen Sie mich in 40 Jahren noch einmal.

(8) Ist Ihre Kunst schön?

Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

(9) Welche Frage fehlt Ihnen?

Keine.


Der kommerzielle Starkult verhält sich eigentümlich widersprüchlich zu den Bedingungen, unter denen er hergestellt wird. Den Widersprüchen zwischen behaupteter und real existierender Wirklichkeit in solchen Inszenierungen nachzuspüren, ist eines der hauptsächlichen Anliegen der 1972 in Südafrika geborenen Video- und Fotokünstlerin Candice Breitz sein. Mit ihrer Zweikanal-Videoinstallation Mother + Father auf der Venedig Biennale 2005 wurde Breitz einem größeren Publikum bekannt. Zu sehen waren zwölf bekannte Hollywood-Größen, die losgelöst aus der filmischen Erzählung vor schwarzem Hintergrund jeweils die Mutter- oder Vaterrolle darstellen. In einzelne Gesten und Mimiken zerlegt, entsteht ein linguistisches Theater, das die rhetorische Abgrenzung zwischen Starikone, gesellschaftlicher Rolle und den Bedingungen ihrer Erzählung nachzeichnet. In den Arbeiten King (A Portrait of Michael Jackson) und Queen (A Portrait of Madonna) ist der Blick dann auf das Publikum gerichtet. Breitz hatte dafür Fans eingeladen, ihre Idole nachzuahmen. In immer neuen Inszenierungen wird der Starkult eingeübt, den das entstehende hybride Porträt am Ende aber subversiv kommentiert.

Mit der ironischen Zurschaustellung zeitgenössischer Begierden feiert Breitz international Erfolge, in den letzten Jahren hatte sie Einzelausstellungen u.a. im Pariser Palais de Tokyo, im Louisiana Museum of Modern Art in Kopenhagen sowie der Bawag Foundation in Wien. Arbeiten von ihr befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, wie etwa der Hamburger Kunsthalle, dem Solomon R. Guggenheim Museum oder der Sammlung Goetz in München. Seit 2007 hat Breitz, die auch einen Doktortitel in Kunstgeschichte erworben hat, eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig inne. Die neue Berliner Temporäre Kunsthalle eröffnet am 29. Oktober nun mit einer zweiteiligen Präsentation ihrer Arbeiten. Im zuerst gezeigten ersten Teil werden die Arbeiten Working Class Hero (A Portrait of John Lennon), King und Queen von 2005 und 2006 erstmalig dem Berliner Publikum dargeboten, im zweiten Teil wird die Arbeit Him (1968-2008) erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zu sehen sein wird der Schauspieler Jack Nicholson in 23 ausgewählten Rollen seiner 40jährigen Filmkarriere. Angeordnet auf sieben Monitoren lässt Breitz Nicholson in verschiedenen Rollen gleichzeitig auftreten, so dass ein konfliktuelles Selbstgespräch entsteht. Candice Breitz wird u.a. von den Galerien White Cube in London und Yvon Lambert, Paris/New York vertreten. Sie lebt und arbeitet in Berlin.


Wallfahrt zur Monotonie von Gerrit Gohlke
Alle Hoffnungen lagen auf Berlins neuer Kunsthalle. Gleich zur Eröffnung aber produziert das neue Flaggschiff der Berliner Ausstellungsszene nackte Monotonie.


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