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„Neumeisters Moderne“, München, 16. November 2006

Capri gefischt!

Bettina Krogemann

20. November 2006 

„Neumeisters Moderne“, Neumeister München, 16. November 2006

Unter den knapp über 900 Losen, die Katrin Stoll im Münchner Auktionshaus unter dem Titel „Neumeisters Moderne“ ihren Kunden am 16. November darbot, machten die Arbeiten aus dem Bereich der Klassischen Moderne den besten Schnitt. In diesem Auktionsbereich war der Saal bis auf den letzten Stuhl besetzt, international gefragte Arbeiten erzielten Spitzenergebnisse, auch die süddeutsche Malerei des Impressionismus und des Jugendstil sorgte für Erfolge, die sich sehen lassen können. Die Topzuschläge wurden zum größten Teil für Privatkunden notiert, der Handel hob die Ergebnisse als Unterbieter oftmals mit in die Höhe, musste dann aber häufig aussteigen. Ab einer bestimmten Preisbildung kann der Zwischenhandel des Secondary Market an den Objekten einfach nicht mehr verdienen und im Internetzeitalter ist es ein Leichtes für versierte Sammler, gut über das Auktionsangebot im In- und Ausland unterrichtet zu sein. Da kaufen sie die marktfrischen Kunststücke gleich lieber selbst.

Zum Glanzstück avancierte der Fischerhafen auf Capri aus dem Jahr 1928 des in Stavropol geborenen russischen Impressionisten Konstantin Ivanovich Gorbatov. Gorbatov verbrachte den Großteil seines Lebens in seinem Heimatland, bevor er es 1922 verließ. Das Ölgemälde war moderat auf 30.000,- bis 40.000,- Euro geschätzt worden, was in etwa den jüngsten Zuschlägen für Gorbatovs Capri-Ansichten entspricht, die meist einen Hammerpreis von um die 50.000,- Euro erzielen. Die internationalen Interessenten an den Telefonen ließen es schnell auf 130.000,- Euro klettern. Viele Unterbieter aus Russland erlagen damit einem Kunden aus New York, der aber – wie könnte es anders sein – einen russisch klingenden Namen trägt.

Ein frühes Schlüsselwerk des Münchner Künstlerfürsten Franz von Stuck kam mit dem großformatigen Gemälde Das verlorene Paradies zum Aufruf, das seine untere Taxe mehr als verdoppeln konnte. Symbolistisch beladen, zeigt es in einem schmalen Ausschnitt den Ausblick auf das farbenfrohe Paradies, das von Mauern umschlossen ist und von einer diabolischen Gestalt bewacht wird, an der kein Mensch mehr vorbeikommt. Ein Privatkunde nahm es für einen Hammerpreis von 125.000,- Euro über das Telefon zu sich (Taxe 60.000,- bis 80.000,- Euro).

Weite Partien wechselten im mehrfachen fünfstelligen Bereich in neue Hände. Der bunte Sommerstrauß, den Gabriele Münter in ihrer zweiten Lebenshälfte aus ihren Lieblingsblumen Klatschmohn, Alpenveilchen, Astern und Kornblumen in Öl auf Leinwand arrangierte, stammte aus dem Nachlass der Künstlerin und war später in die Sammlung Franz Resch in Gauting eingegangen. Einem ausländischen Sammler im Saal waren das Gemälde sie 90.000,- Euro wert (Taxe 30.000,- bis 50.000,- Euro). Große Nachfrage bestand außerdem nach zwei Ölgemälden von Leo Putz, dem Protagonisten der im frühen 20. Jahrhundert in Bayern aktiven Künstlergruppe „Scholle“. Für 70.000,- Euro konnte der süddeutsche Handel die Seeidylle Steiniger Boden II mit einem sonnenbestrahlten Mädchenakt im Vordergrund erwerben (Taxe 40.000,- bis 60.000,- Euro). Der 1925 entstandene buschige Strauß aus Weißen Pfingstrosen ging für 50.000,- Euro an einen norddeutschen Sammler (Taxe 50.000,- bis 55.000,-).

Heiß begehrt waren die sechs Blätter aus der Zigeunermappe von Otto Mueller aus den Jahren 1926/1927: Ihre Herkunft aus der Galerie Werner Kunze war wohl ebenso ein entscheidendes Kriterium dafür, wie auch ihre handkolorierte Überarbeitung durch den Künstler selber. Ein Kunde aus dem Rheinland sicherte sich gleich drei der raren Blätter, die Zigeunerin im Profil für 18.000,- Euro (Taxe 15.000,- bis 20.000,- Euro), die Zwei Zigeunerinnen für 34.000,- Euro (Taxe 23.000,- bis 28.000,- Euro) und die Zwei Zigeunerinnen vor der Hütte für 25.000,- Euro (Taxe 25.000,- bis 30.000,- Euro). Das stets am höchsten bewertete Blatt, die farbprächtige Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm, wechselte für 42.000,- Euro (Taxe 40.000,- bis 50.000,- Euro) in süddeutschen, die Zigeunermadonna für 28.000,- Euro (Taxe 28.000,- bis 32.000,- Euro) in rheinischen Privatbesitz.

Guter Zuspruch galt einer weiteren Papierarbeit, der Bleistiftzeichnung Nu debut von Amedeo Modigliani aus dem Jahr 1916. Sie ging für 55.000,- Euro in eine hessische Privatsammlung ein (Taxe 50.000,- bis 60.000,- Euro). Drei engagierte Kunden aus Nordrhein-Westfalen ließen die Preise für den 1986 in Koblenz verstorbenen Maler Johann Georg Müller in die Höhe klettern. Am höchsten bewertet wurde Müllers Stilleben mit Fruchtschale von 1972, für das bei 42.000,- Euro der Hammer fiel (Taxe 30.000,- bis 32.000,- Euro).

Auch die Kunst nach 1945 und Zeitgenossen fanden Absatz. Die relativ neue Arbeit aus dem Jahr 2001 von Elvira Bach, betitelt Up and Down, kaufte ein Münchner Privatmann für einen Preis, der mit 17.000,- Euro netto auf jeden Fall schon Galerieniveau hat (Taxe 8.000,- bis 10.000,- Euro). An den selben Kunden ging auch Ruprecht Geigers abstrakte Komposition E 174. 1952 für 25.000,- Euro (Taxe 25.000,- bis 28.000,- Euro). Candida Höfers C-Print Bibliothek Sainte Geneviève Paris I ist bislang erst unter Vorbehalt bei 16.000,- Euro zugeschlagen (Taxe 20.000,- bis 30.000,- Euro). Die 12 Farbabzüge aus der Wandinstallation Goftare Nick/Good Words der 1974 in Teheran geborenen Künstlerin Shirana Shahbazi von 2000/2001 kaufe ein holländischer Sammler zum Preis der unteren Schätzung (Taxe 12.000,- bis 15.000,- Euro).

Unter den Objekten des Jugendstils und der angewandten Kunst erklomm der 15-flammige Leuchter Modell Nr. 58 von Bruno Paul das Siegertreppchen. Der Leuchter mit nicht nur praktischen, sondern durchaus skulpturalen Qualitäten wurde in Dresden für die Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk München ausgeführt, zu deren bedeutendsten Entwerfern Bruno Paul gehörte. Ein süddeutscher privater Kunde setzte sich mit seinem Gebot von 15.500,- Euro gegen einen hartnäckigen Wiener Kunden durch (Taxe 8.500,- bis 10.000,- Euro).

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