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Die deutschen Kunstauktionen 2007

Nolde, Macke, Kirchner

Stefan Kobel

21. Dezember 2007 

Im internationalen Vergleich bedienen deutsche Auktionshäuser ausschließlich den mittleren Preisbereich – doch der hat es in sich. Den zwei starken vorangegangenen Jahren folgte 2007 ein erneutes Rekordjahr. Nach dem Kölner Kunsthaus Lempertz, das mit seinen Versteigerungen 52,2 Mio. Euro brutto erlöste, übersprang erstmals auch Villa Grisebach aus Berlin die 50-Mio.-Euro-Marke. Summen in dieser Größenordnung konnten Sotheby's und Christie's gleich mehrfach für einzelne Gemälde vermelden. Kehrseite dieser glamourösen Rekordzuschläge, die erstmals großenteils für zeitgenössische Kunst erzielt wurden, sind die hohen Garantiesummen, mit denen man Einlieferer lockt. Da diese auch für weniger erfolgreiche Werke gezahlt werden, verbergen sich hinter den Jubelmeldungen nicht selten ganz dünne Margen oder sogar Verluste. Das können sich die zumeist familiengeführten hiesigen Unternehmen nicht leisten. So bleibt den Deutschen das Geschäft mit solider Ware, die weniger Schlagzeilen verspricht, allerdings auch weniger konjunkturanfällig ist. Bei allen Unterschieden zwischen den Märkten springt eine Gemeinsamkeit ins Auge: In der zweiten Jahreshälfte war eine gewisse Zurückhaltung bei den Einlieferern zu beobachten. Das Angebot war in der Spitze etwas schwächer als im Frühjahr.

Größter Beliebtheit erfreut sich nach wie vor die Klassische Moderne – besonders, wenn sie dekorativ daherkommt. Die Toplose machen hiesige Sammler häufig unter sich aus. So nimmt es nicht Wunder, dass sich unter den acht Millionenzuschlägen des Jahres gleich drei Werke von Emil Nolde finden. Den mit 2,15 Mio. Euro netto höchsten Zuschlag des Jahres erteilte Ketterer Kunst in München (Jahresumsatz 26 Mio. Euro) für Noldes wieder aufgetauchte Nadja im Juni an einen niederrheinischen Tabakgroßhändler. Ebenfalls im Frühjahr wurde Kleine Sonnenblumen bei Grisebach für 1,9 Mio. Euro einer für Privat bietenden Düsseldorfer Galerie zugeschlagen. Abendhimmel und Meer brachte an gleicher Stelle 1,8 Mio. Euro.

Zu den teuersten deutschen Künstlern gehört Ernst Ludwig Kirchner. Seine gischtumspülte Landschaft am Ufer (Fehmarn) kaufte ein Dortmunder Galerist im Sammlerauftrag bei Villa Grisebach für erwartungsgemäße 2 Mio. Euro. In der Herbstauktion dann wurde August Mackes Frau mit Papagei vom Juli 1914 von einem deutschen Händler gleichfalls im Auftrag für 2 Mio. Euro erworben, überraschenderweise unterhalb der Taxe. Bei Lempertz bot ein norddeutscher Sammler selbst 1,15 Mio. Euro für Drei Reiter mit Lasso des nicht ganz so prominenten Heinrich Campendonck. Der Hamburger Versteigerer Hauswedell & Nolte vermittelte ein Wendebild mit zwei Porträts von Alexej Jawlensky für 1,65 Mio. Euro. Da sich das Traditionshaus in diesem Jahr auch zur ersten Adresse von Edvard Munch-Grafik entwickelte, konnte das 80. Jubiläum mit einer Umsatzsteigerung um satte 65 Prozent auf 17 Mio. Euro begangen werden.

Dass internationale Nachkriegskunst der teuersten Kategorie den Handelsplatz Deutschland verschmäht, bedeutet nicht den Verzicht auf Rekorde in diesem Segment. Alberto Giacomettis zweiteiliger Entwurf Projet pour un Monument pour Gabriel Péri etwa wurde mit einem Zuschlag bei 1,3 Mio. Euro an internationalen Handel bei Lempertz zur teuersten Gips-Skulptur des Künstlers. Und die Taxe von Nam June Paiks Miss Rheingold in Höhe von 110.000 bis 140.000 Euro war bis eine Woche vor der Auktion noch rekordverdächtig, das Ergebnis von 210.000 Euro erst recht – wäre nicht in Hongkong jemand schneller gewesen.

Beim Design hinkt man hierzulande allerdings eindeutig hinterher. Während Trendmöbel in London und New York mittlerweile wie Kunstwerke aufgebauscht und gehandelt werden, ist der Markt hier noch unterentwickelt. Immerhin gelang es dem kleinen Spezialisten Quittenbaum in München, eine Liege von Ron Arad für 61.000 Euro zu verkaufen. Das ist auf alle Fälle für dieses Jahr ein Rekord für Design in Deutschland. Immer für Rekorde gut ist das 19. Jahrhundert. Van Ham Kunstauktionen in Köln (Umsatz 20 Mio. Euro) etwa konnte mit einer von Friedrich Nerlys Venedig-Veduten den vor zwei Jahren bei Christie's in London aufgestellten Rekord mit einem Ergebnis von 440.000 Euro fast verdoppeln. Der verliebte Provisor des in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommenen Carl Spitzweg ging bei Neumeister in München (Umsatz über 20 Mio. Euro) für erstaunliche 460.000 Euro weg. Bei Alten Meistern ist die internationale Konkurrenz wiederum erdrückender. Es war daher ein schöner Erfolg, dass Lempertz die Baigneuses von Claude-Joseph Vernet anbieten und für 620.000 Euro respektabel verkaufen konnte. Das Kölner Kunsthaus war es auch, bei dem für 810.000 Euro das teuerste chinesische Objekt verkauft wurde, das je über einen deutschen Auktionsblock ging: eine Vase.


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