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Die deutschen Fotoauktionen 2007

Es geht voran

Stefan Kobel

4. Januar 2008 

Der Sekundärmarkt für Fotografie zieht an. Die deutschen Fotoversteigerer haben sich nach der Flaute der letzten Jahre auf ihre jeweiligen Stärken konzentriert und sind damit im vergangenen Jahr gut gefahren. Dass die großen Formate der Kunstszene-Stars nicht in Deutschland gehandelt werden, ist mittlerweile ebenso ausgemacht wie bei der Malerei. Der hiesige Markt muss sich daher mit dem mittelpreisigen Segment begnügen und ist dort selbst im internationalen Vergleich bisweilen erstaunlich erfolgreich. Den größten Coup landete Jeschke, Hauff & Auvermann aus Berlin, ein Haus, das eigentlich auf Bücher und Grafik spezialisiert ist. Das Neue Bauen Ludwig Mies van der Rohes war eher ein Ausreißer. Die Auktion eines Privatarchivs mit 137 Positionen zum Werk des Architekturgurus wurde am 13. November im Verlauf einer turbulenten Sitzung fast vollständig abgesetzt. Das Foto eines gläsernen Wolkenkratzer-Modells aus dem Jahr 1922 war am begehrtesten. Heiner Bastian wollte das rare Dokument des unrealisierbaren Entwurfs unbedingt einer deutschen Institution stiften, musste sich jedoch internationalem Handel geschlagen geben, der – wohl für ein amerikanisches Museum – 100.000 Euro netto bot. Das ist der höchste Preis, der bisher überhaupt für ein Foto auf einer deutschen Auktion bezahlt wurde.

Dabei war der alte Rekord gerade erst ein halbes Jahr alt und bezeichnenderweise nicht mit einem Kunst- sondern mit einem Werbefoto erzielt worden. Aufgestellt wurde er ebenfalls in Berlin, bei Villa Grisebach. Käufer war diesmal jedoch ein Deutscher. Bei einem Schätzpreis von 30.000 Euro wurde das großformatige Unikat Rauchender Mann des 1936 geborenen Dieter Blum für 81.000 Euro in eine hessische Privatsammlung verkauft. Das ist ein Rekordpreis für ein Werk des international gefragten Fotografen, der auch in den heißen Londoner Herbstauktionen nicht getoppt wurde.

Zwischen diesen beiden exemplarischen Rekordzuschlägen bewegt sich inhaltlich ein Großteil des in eigenen Auktionen verhandelten Angebots. Lempertz in Köln etwa hat die zeitgenössische Kunstfotografie bereits vor einiger Zeit in die Moderne Kunst eingereiht. In den beiden Auktionen des Hauses waren jeweils Serien von Jürgen Klauke und Stephen Shore mit Geboten über 28.000 Euro die Spitzenreiter. Bei den anderen Versteigerern macht diese Sparte meist nur einen geringeren Teil der Fotokataloge aus. Lediglich Van Ham konnte in diesem Segment deutlich Boden gewinnen. Dabei veranstalten die Kölner erst seit 2006 wieder zwei Foto-Auktionen jährlich. Im Frühjahr hatten sie noch mit 46.000 Euro einen nicht lange währenden Rekord für Dieter Blum erzielt, im Herbst war ihr Toplos das World Trade Center von Hiroshi Sugimoto, das 30.000 Euro brachte. 27.000 Euro erzielte eines der großen Porträts von Thomas Ruff aus dem Jahr 1990.

Immer beliebter werden bei den Versteigerern Sammlungen und Themenkataloge – mit unterschiedlichem Erfolg. Bassenge in Berlin verzeichnete mit der Kollektion des Fotografen Michael Ruetz, der bei Otto Steinert seinen Abschluss gemacht hatte, im Juni einen Umsatz von 740.000 Euro brutto, den höchsten seit sieben Jahren. Neumeister in München hatte eine Kennedy-Themensammlung akquiriert, deren Lose als Teil einer Dokumentation im Stil einer Illustrierten der Zeit im Katalog eingestreut waren. Darunter waren viele Agentur- und Familienfotos, einige sogar aus der Kindheit von Jacqueline. Das Ergebnis war enttäuschend. Laut Internet-Ergebnisliste fanden nicht einmal 15 Prozent aller Lose einen Käufer. Besser verlief die „Wahlverwandschaften“ betitelte Auktion einer Sammlung bei Grisebach, die nach formalen Analogien zusammengestellt war. Hochkarätiges wie der Chinese Cabbage von Edward Weston, der 85.000 Euro erzielte, stand neben anonymen Amateuraufnahmen für wenige hundert Euro. Die mögliche Identität des unbekannten Einlieferers sorgte dabei für Irritationen. Eine Marktkennerin drückte es so aus: „Man kann ja jeden möglichen Beruf haben und trotzdem Sammler sein.“ Zusammen mit dem regulären Katalog konnten die Berliner für die Fotografie die höchste Gesamtzuschlagsumme in Höhe von 1,28 Mio. Euro inklusive Aufgeld vermelden.


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