24. Oktober 2007
Geschickt kurz vor der Eröffnung der FIAC platziert, war der Auktionstermin am 15. 0ktober sehr sorgfältig mit Prominenz angereichert worden: Altstar Alain Delon trennte sich wieder einmal von einem Teil einer seiner Sammlungen. Den Hammer schwang der Sohn seines Freundes und Glamour-Auktionators Pierre Cornette de St. Cyr. Dieses Mal war es französische Kunst der Fünfziger und Sechziger Jahre, von der zweiten „Ecole de Paris“ bis zur Cobra-Bewegung. Geld brauche er nicht, erklärte Delon zu allgemeiner Erleichterung, doch im vergangenen Jahr habe er so viele Freunde beerdigen müssen, dass ihn der Wunsch motiviere, seinen noch jugendlichen Kindern den Jammer der Nachlassauktionen zu ersparen. Vor einigen Monaten waren die für die Auktion ausgesuchten Werke bereits eine Zeit lang in der Pariser Galerie Prazan ausgestellt worden. Anderweitig konnte man erfahren, der Star, der 1964 seine erste Zeichnung erworben hatte und sich über die Jahre immer wieder von Teilen seiner Sammlungen trennte, wolle sich nunmehr auf Handzeichnungen großer französischer Meister des 19. Jahrhunderts konzentrieren.
Anfang der achtziger Jahre hatte Delon, der seit Jahrzehnten immer schon bedeutende Kunst des 19. Jahrhunderts erwarb, privat unter anderem ein von Dürer aquarelliertes Hirschkäfermotiv und ein Aquarell Cézannes an das Getty Museum verkauft. Zuvor waren die Blätter, bei enormem Publikumszulauf, mit anderen Arbeiten aus seinem Besitz in einer Pariser Galerie gezeigt worden. Damals standen sie angeblich nicht zum Verkauf. Anfang der Neunziger Jahre wiederum waren mit sehr mäßigem Erfolg seine Bugatti-Bronzen bei Sotheby’s unter den Hammer gekommen. Nachdem Delons neueste Auktion dieser Tage während der Vorbesichtigungstermine wieder enorme Besuchermengen angezogen hatte, ließ der Einlieferer kurz vor Beginn der Auktion Kameraleute und Photographen aus dem Saal verweisen. Ein PR–Trick oder eine Caprice?
Die Auktion selbst jedenfalls verlief sehr zufriedenstellend. Mit 8,47 Millionen Euro spielte das Ensemble das Doppelte der unteren Taxe ein. 20 Lose brachten mehr als 150.000 Euro. Es gab sogar einige Rekorde, die zeigen, dass französische Kunst der Fünfziger und Sechziger Jahre mit Geschick angeboten internationales Interesse findet, denn unter den Erwerbern befanden sich, wie es hieß, Bieter aus den meisten europäischen Ländern, aus den USA, Venezuela, Russland und aus China.
Den höchsten Preis des Termins brachte La Vallée de l’Oiseau (1954) von Jean Paul Riopelle, das mit 882.756 Euro inklusive Aufgeld allerdings knapp unter der Taxe zugeschlagen wurde. Pierre Soulages’ Frühwerk Peinture 89 x 116 cm, 25 Mai 1950 kam mit 625.232 Euro auf das Doppelte des unteren Schätzpreises, während Alfred Manessiers La Tour de David, 1952, mit 417.262 Euro gar einen Weltrekord erzielte.
Kurz nach der Eröffnung der FIAC kündigte das Kulturministerium den Ankauf 42 zeitgenössischer Werke auf der Messe an und leistete damit seinen jedes Jahr von Galerien und Künstlern mit Spannung erwarteten Einsatz der öffentlichen Hand, um als „Booster“ den einheimischen Markt anzuwärmen. Mehrere Auktionstermine, während der Messedauer am Wochenende angesetzt, liefen dann sehr erfreulich. Vor allem Lose zeitgenössischer Kunst waren gefragt. Bei Piasa gab man bekannt, dass bei der Sitzung mit abstrakter und zeitgenössischer Kunst am 19. Oktober Armans Dyptichon Doppelter Kontrabass (2003) 147.200 Euro einspielte.Das Los war ursprünglich in der Marlborough Gallery in Monaco erworben worden und befand sich zuletzt in einer italienischen Privatsammlung. Der nächste große Moderne-Termin dieser Saison Anfang Dezember dürfte hochkarätigeres Material anbieten.
Cornette de St. Cyr meldete am 22. Oktober wieder ein Gesamtergebnis von gut 10 Mio. Euro und einen Weltrekord für eine Plastik von César. Der sechs Meter hohe „Daumen“ Le Pouce aus der Sammlung Nahon in Vence (ein Guss von Bocquel), von dem drei Exemplare hergestellt wurden, ging für 1,2 Mio. Euro zur oberen Taxe an einen ausländischen Sammler. Einen französischen Rekord gab es überdies für Frank Stellas Untitled von 1966, eine signierte und auf der Rückseite datierte Leinwand, die sich unter anderem einmal im Besitz von Denise René und Hans Meyer befand und zuletzt in einer Privatsammlung heimisch war, nun aber mit 1,3 Mio. Euro rund das Doppelte des unteren Schätzpreises eintrug.
Großen Zuspruch gab es in der ersten Sitzung der siebenteiligen Auktionsserie bei Artcurial am 20. Oktober für Arbeiten aus der Sammlung klassischer Moderne der Verlegerin Alice Teriade. Alle Lose wurden nach heftigen internationalen Bietgefechten abgesetzt. Allein dreißig Telefonbieter versuchten sich durchzusetzen, und das Ensemble erzielte mit 10 Mio. Euro das Fünffache der Taxe. Claude Monets Iris Jaunes, 1924-25, den Tériade vom Sohn des Künstlers erworben hatte, wurden für 3,2 Mio. Euro (taxiert auf 1 bis1,5 Mio. Euro) von einem europäischen Privatsammler ersteigert.
Mit 2,25 Milo. Euro gab es dann auch für die Sammlung Haba und Alban Roussot mit einer Hommage an Serge Férat ein brillantes Resultat. 132 Werke des 1879 in Russland geborenen und 1958 verstorbenen Künstlers und 49 Arbeiten von Zeitgenossen (darunter allein 38 Lose von Leopold Survage standen zum Verkauf. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 hatte sich Haba, eng mit Férat befreundet, um die Verbreitung seines Œuvres bemüht. Den höchsten Preis brachte bei diesem Termin Lacerba, eine auf 1913 datierte Collage, mit 396.000 Euro, fast dem Zehnfachen des nächsthöheren Ergebnisses.
An den darauffolgenden Tagen hatte Artcurial noch italienische Kunst des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Kunst im Programm. Der erste Termin verlief eher mäßig, von 77 Nummern konnten 45 verkauft werden. Aus zwei Teilen bestand die Auktion mit zeitgenössischer Kunst. Die hochpreisigen Lose kamen am 21. Oktober zum Aufruf und erzielten mit 191 Nummern 7,7 Mio. Euro. Das höchste Ergebnis spielten mit 334.000 Euro Raymond Hains’ zerrissene Plakate unter Plexiglas aus dem Jahr 1974 ein. Den zweithöchsten Zuschlag erzielte eine frühe Leinwand von Zao Wou-ki Sans Titre (1949-55). Zu erwähnen sind aus diesem Termin, der sehr gut lief, auch die Nr. 85 des Katalogs , eine Leinwand von Hans Hartung unter dem Titel T 1966 E20, die bei 260.000 Euro eine neue Bleibe fand, sowie die Nummer 89, Jean Paul Riopelles Rose Vision Blanc von 1974 mit einem Gebot von 230.000 Euro.
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