Zum Tod von Mike Kelley

L.A. nahm ihm das Leben

Charlie Finch
2. Februar 2012

Mike Kelley hat in der Nacht zum Mittwoch Suizid begangen - zumindest laut Presseberichten. Ich kannte ihn nicht, aber die Größe seines Geistes berührte mich über die letzten zwanzig Jahre hinweg. Es war 1989 auf der Whitney Biennale, als ich zum ersten Mal seine Stofftiere auf dem Boden liegen sah.

In der Folgezeit wurde Mike mit der sich wandelnden Kunstlandschaft von L.A. identifiziert, was sich an seinen Werken manifestierte, die Buddhistischen Tempeln und anderen Strukturen der Stadt und ihrer Szene gewidmet waren. Seine Arbeit, die auch großen Einfluss auf den älteren Künstler Chris Burden ausübte, ließ Architektur, leuchtende Farben und eine ironische Sicht aufs Leben verschmelzen – und schien jeden Wunsch zu verleugnen, sich das eigene Leben zu nehmen.

Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Kelley trotz der jüngsten Popularität von L.A.-basierten Ausstellungen mit all dem schimmernden Glanz und den vielen Licht- und Raum-Künstlern der Anziehungspunkt von allem war, was in L.A. unter Kunst läuft. Nathanael West, der mit 37 Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, brachte die lebensraubende Essenz von L.A.s perfekt-verführerischem Klima auf den Punkt.

Wenn sich Mike Kelley das Leben nahm, hat Los Angeles ihn getötet.

CHARLIE FINCH ist Autor des artnet Magazin New York und Co-Autor von Most Art Sucks: Five Years of Coagula (Smart Art Press).

Lesen Sie den Nachruf auf Mike Kelley von Jerry Saltz im amerikanischen artnet Magazin


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