Wendy White bei VAN HORN, Düsseldorf

Schöner Wohnen mit Punk

Alexandra Wach
30. Januar 2012

Wendy White: „Radio Lampor“ – VAN HORN, Düsseldorf. Vom 20. Januar bis 2. März 2012

Die New Yorkerin Wendy White ist ein willkommener Gast bei „Freunde von Freunden“: Jenem Blog und angesagten Einrichtungsorgan der kreativen Bohème, den es inzwischen dank des Distanz Verlags auch in Buchform gibt. Die 40-Jährige, die zur Künstler-Clique des geschäftstüchtigen Leo König gehört, lässt sich in Turnschuhen und Karohemd von der Kamera durch Chinatown begleiten, gewährt Einblicke in ihre neonfarbig leuchtende Wohnung und das Atelier, das sich, wie nicht anders zu erwarten, in einer alten Fabrikhalle befindet. Werbefotografien der Siebziger und sozialkritische Reportagen aus der mit Graffitis übersäten U-Bahn liegen wie zufällig platziert als Inspirationsquellen auf einem Tisch. Die auf popkulturell und zugleich widerspenstig gedimmte Selbstinszenierung im Web kommt pünktlich zu Whites´ erster Einzelausstellung in Deutschland – und liefert auch gleich das Regelwerk, mit dem die dekorativen Qualitäten ihrer Malerei gar nicht erst übersehen werden können. Sie beschreibt sie selbst als „retro und dennoch futuristisch, von Natur aus urban, reaktiv und rebellisch, aber auch bescheiden und mit do-it-yourself-Charakter“. Man könnte es auch abstrakte Subkultur-Folklore nennen, die schon vor dreißig Jahren nicht anders aussah, außer, dass man sie sich heute übers Sofa hängen kann, ohne die eigenen vier Wände mit der Spraydose traktieren zu müssen.

Die Schau in der Düsseldorfer Galerie VAN HORN vereint jetzt acht Werke, alle stammen aus dem letzten Jahr. Bis auf den großen Vorraum hat man es hier mit tunnelartigen Gängen zu tun, in denen sich geheimnisvoll titulierte Acrylreliefs wie Turun oder Radio Lampor begegnen – Referenzen an den Werbemast von Erik Gunnar Asplund in der Stockholmer Ausstellung von 1930. Am Eingang werden sie zusammen mit Snab zu einer Doppelinstallation vereinigt, die Whites Malerei begehbar machen könnte, würde der Raum nicht entlang einer am Boden gleitenden orangenen Nabelschnur der Dreidimensionalität entgegenwirken. Dass sie ihre Karriere als Bildhauerin begonnen hat, lässt sich an der plastischen Sorgfalt erkennen, mit der sie dem Bildrahmen ein Eigenleben verleiht: Mal ist es ein hölzerner Aufbau aus Großbuchstaben, mal sind es weitere Leinwände, die sich an den Ecken dazudrängen. Auf den Tafeln selbst paaren sich die mit Airbrush aufgetragenen Schriftzeichen zu disparaten Textfragmenten. Manchmal legt sich ein dunkler Schatten wie eine Bildstörung über die Oberfläche, als wollte sie sie am Davonflattern hindern. Die Komposition des Kolorits obliegt fluoreszierenden Gelb- und Grüntönen. Mehrere Schichten acrylgelöster Pigmente verbinden sich zu der Simulation von wilder Wandmalerei aus der Zeit der Punk-Ära. Die schwarzen Kritzelmuster erinnern wiederum an die Word-Paintings von Christopher Wool, der neben Albert Oehlen als Einfluss durch alle Großformate spukt. Selbst kleinere Einbuchstaben-Varianten wie das mit 5.150 US-Dollar kostengünstige „HCM“-Teilstück machen durch gewollte Auslassungen und das Unterstreichen fehlender Details das Auge bereits nach kurzer Zeit nervös. So wird eine Dynamik vorgetäuscht, die letztlich in einer starren Ornamentik verpufft.

Leicht könnte man dem Irrtum verfallen, hinter den ins Leere laufenden Parolen fänden sich verborgene Botschaften. Doch White zielt lediglich auf die Assoziationsstärke des Betrachters ab, der, geschult im Lesen von Werbetafeln, „in das Reich der unbewussten Synthese“ eintreten soll. Das Comeback der Tiefenpsychologie stört bei dem pittoresk wuchernden Sammelsurium von Verweisen und Nostalgietupfern ohnehin nicht mehr. Wenn ihre Bilder etwas illustrieren, dann das Lebensgefühl von Großstädtern, die dem Ansturm kommerzieller Handlungsimpulse mit Sinnverweigerung begegnen, nicht ohne dabei stets synchron mit dem Markt zu bleiben. Schließlich verkauft sich nichts besser als die Attitüde des Widerstands.

Die Arbeiten kosten zwischen 4.000 und 19.000 US-Dollar.


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