12. Dezember 2006
Am gestrigen Montag trafen sich Kulturstaatsminister
Bernd Neumann und
Georg Heuberger, der Direktor des deutschen Büros der Jewish Claims Conference, zu einem Gespräch zum Thema Restitution. Heuberger hatte nach der ersten Zusammenkunft einer Expertenrunde am 20. November 2006 gefordert, in den Dialog mit den Kulturverantwortlichen einbezogen zu werden. Neumann betonte, dass als Ergebnis des „vertrauensvollen und konstruktiven“ Gesprächs drei wesentliche Punkte nicht zur Diskussion stünden: Die Washingtoner Erklärung von 1998, Ausschlussfristen solange die Provenienzrecherche noch Defizite aufweise und der Erlass von Verfügungsbeschränkungen gegenüber den Erben. Von einer Arbeitsgruppe überprüft werden solle jedoch die so genannte „Handreichung“ von 2001. Beide Seiten seien sich zudem darüber einig, dass die Provenienzrecherche an deutschen Museen gestärkt und besser koordiniert werden müsse.
Derweil kamen einige hundert Meter vom Kanzleramt entfernt zahlreiche Wissenschaftler und Vertreter von Museen und Sammlungen im Kunstgewerbemuseum am Potsdamer Platz zusammen. „Sammeln – Stiften – Fördern. Jüdische Mäzene in der deutschen Gesellschaft“ lautete der Titel eines Symposiums, zu dem der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Koordinierungsstelle für Kulturgutverlust in Magdeburg und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) mit Unterstützung des Jüdischen Museums Berlin öffentlich eingeladen hatten. In seiner Eröffnungsrede betonte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der SPK, den jüdischen Mäzenen der Vorkriegszeit gebühre ein Ehrenplatz in der deutschen Geschichte, der ihnen bislang immer noch verwehrt geblieben sei. Erst kürzlich habe das Bezirksamt Mitte die Benennung einer Straße nach dem großen jüdischen Museumsmäzen James Simon mit Hinweis auf die noch nicht eingelöste Frauenquote in Berliner Straßenbezeichnungen abgelehnt. Mit dem Namen James Simon – dessen bedeutende Rolle für das kulturelle Leben im wilhelminischen Berlin während des Symposiums im Vortrag von Olaf Matthes eindrücklich Beleuchtung fand – ist unter anderem die Porträtplastik Nofretete verbunden. Sie stand bis zur Übereignung an das Ägyptische Museum in Simons Arbeitszimmer.
Die zahlreichen Redner – darunter Annette Weber von der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg, Heike Biedermann, Konservatorin der Galerie Neue Meister in Dresden und Rachel Heuberger, Leiterin der Hebraica- und Judaica-Sammlung der Frankfurter Universitätsbibliothek – betonten und bemängelten zugleich, dass ein Großteil der Namen der bedeutenden jüdischen Förderer kulturellen Lebens bis heute ausgelöscht bleibe. Das Kunstsammeln und -stiften sei hingegen wesentlicher Bestandteil jüdischen Lebens in der wilhelminischen Zeit und eine Möglichkeit gewesen, jenseits von Bürokratien gesellschaftlichen Anspruch zu manifestieren und zivilgesellschaftliches Engagement zu beweisen. Die Ergebnisse des Symposiums werden in einem Tagungsband zusammengefasst.