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Vorwürfe gegen Peter Noever vom MAK Wien

Wer soll das bezahlen?

Sabine B. Vogel
7. März 2011

Im Herbst 2008 stand nach 22-jähriger Dienstzeit seine Verlängerung an. Damals hätte es ein Abschied in Ehren werden können. Aber die zuständige österreichische Bundesministerin Claudia Schmied entschied sich für einen weiteren, zweijährigen Vertrag für Peter Noever, Direktor des Museums für Angewandte Kunst (MAK) in Wien. Im Herbst 2010 dann sollte der Vertrag des 1941 Geborenen erneut verlängert werden – und die Situation rund um den Museumsdirektor eskalierte. Die Mitarbeiter begannen sich zu wehren, die Presse stieg freudig ein und Noever selbst beschimpfte einfach gleich alle zurück. Was seither folgt, ist ein schmerzhafter Ablöseprozess: des Direktors vom Museum, der Stadt von einem kämpferischen und engagierten Kunstliebhaber, der Museumskuratoren von einem gehassten, als „diktatorisch“ bezeichneten Führungsstil und der Gesellschaft von einer längst schon überholten Attitüde.

Aber der Reihe nach: Im Oktober letzten Jahres wurden erstmals Vorwürfe laut, Peter Noever habe die Geburtstage seiner Mutter im Museum gefeiert. Eine „gezielte Kampagne“ gegen ihn sei das, wetterte der. Am 21.10.2010 wurde das MAK-Kuratorium mit einer Prüfung beauftragt, am 12.11. gab die Ministerin die Nicht-Verlängerung Noevers Vertrages bekannt, am 23.12. war bei einer parlamentarischen Nachfrage schon von vier „Mutter-Festen“ die Rede, wofür ein Wirtschaftsprüferunternehmen am 20.1. läppische 1.000 Euro Schaden wegen nicht verrechneter Saalmiete konstatierte. Am 1.2. hatte sich die „gezielte Kampagne“ bereits auf zehn Feste und eine Summe von 10.870 Euro erhöht, die Noever zurückzuzahlen bereit war. Gleichzeitig legte er eine ernüchternde Bilanz vor: 2009 gab das MAK von den 9,6 Millionen Euro Basisabgeltung nur 1,16 Millionen Euro für Ausstellungen aus. Magere 190.625 Besucher konnte man in das Haus am Stubenring locken. Für dieses Jahr plante Noever gar, die beiden großen Ausstellungshallen sieben Monate lang leer stehen zu lassen, bzw. die Räume zum Teil zu vermieten. Für Ausstellungen sei kein Geld vorhanden. Für Ankäufe auch nicht. 61 Prozent der Ausgaben des MAK fallen für Personalkosten an, etwas mehr als 10 Prozent für Ausstellungen. Nach Bekanntwerden dieser Zahlen beantragten die Grünen für die letzten 10 Jahre eine Sonderprüfung durch den Rechnungshof, die Ende März Aufschluss über die Wege des Budgets geben wird.

Aber die Geschichte kommt noch immer nicht zur Ruhe. In Absprache mit dem Kuratorium zieht Noever am 23.2. die Konsequenz: Er tritt zurück. „Trotz der somit gezeigten ´tätigen Reue´ wird das MAK-Kuratorium Strafanzeige gegen den ehemaligen Direktor erstatten“, teilt Kuratoriumsvorsitzender und Konzernchef der Ersten Bank, Andreas Treichl, in einer Pressemitteilung mit.

Mittlerweile hat sich die von Noever anfangs als „gezielte Kampagne“ bezeichnete Affäre auf eine Schadenssumme von 132.000 Euro wegen „Unregelmäßigkeiten bei den Modalitäten der Verrechnung der angefallenen Cateringkosten“ (Kuratorium) erhöht, insgesamt muss Noever 220.000 Euro auf ein Treuhandkonto hinterlegen.

Eine Strafanzeige, der Vorwurf der „Verschwendung“, weitere Prüfungen sind geplant – und es stehen viele offene Fragen im Raum. Warum wurde Noever noch nach dem Rücktritt der Generalschlüssel ausgehändigt – und wofür? Erhielt er tatsächlich vom Kuratoriumsvorsitzenden eine elektronische Blanko-Unterschrift? Und warum wurde das MAK nicht früher vom Rechnungshof kontrolliert? Wurde es. 1999. Mit dem Resultat von nachweislicher „Verschwendung“, was aber aufgrund der hohen Verdienste des Direktors für das Museum konsequenzlos blieb. Ein Freibrief also. Wieso hat das Kuratorium nicht früher reagiert? „Betrügerische Machenschaften sind auch durch die beste Kontrolle nicht sofort zu erkennen.“ Harte Worte, die Andreas Treichl am 24.2. der österreichischen Zeitung „Kurier“ ausrichten ließ.

Doch auch andere Stimmen werden laut: Während auf der einen Seite die Fakten ins Rollen kommen, sammeln auf der anderen Seite einige Getreue Pro-Noever-Statements auf einer eigens eingerichteten Homepage: Erwin Wurm, Joep Van Lieshout, Lawrence Weiner, Brigitte Kowanz, Chris Burden, Ursula Krinzinger, Kenneth Frampton – sie alle formulieren ihren Respekt vor einem außergewöhnlichen, wie Heimo Zobernig knapp formuliert, „herausragenden Museumsdirektor“. Sicherlich steht Peter Noever unwidersprochen für fantastische Ausstellungen und setzte sich einzigartig für Kunst und Künstler ein. Zwar herrschte er feudalistisch, zielte aber ganz bestimmt nicht auf eine persönliche Bereicherung.

Es prallen also Beurteilungs-Welten aufeinander – und das erinnert fast an die Plagiats-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg. Beide Persönlichkeiten polarisieren, beide können Fans mobilisieren. Bei beiden wird das „Opfer“ gegen „Neider“ und „Spießertum“ verteidigt; bei beiden spielen die Fans die Verfehlung massiv herunter. Aber ist Noevers bewiesenes Zweckentfremden von Betriebsgeldern wirklich nur eine Lappalie? In beiden Fällen steht offenbar mehr zur Debatte als der Umgang mit den Grenzen des Legalen. Es geht um einen gesellschaftlichen Wert. Denn sowohl bei zu Guttenberg, als auch bei Noever stand oder steht ein Führungsstil im Scheinwerferlicht: die Selbstherrlichkeit, die am Ende alles erlauben soll – und die so überaus deutlich endlich zum Auslaufmodell geworden ist.


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