Vorschau Quadriennale 2010 Düsseldorf

Wir sind Helden

Astrid Mania
23. März 2010

Quadriennale 2010: Kunstgegenwärtig – verschiedene Institutionen, Düsseldorf. Von September 2010 bis Januar 2011

Die Kommunen und Länder müssen sparen. Wo die Vernunft aber mit eisernem Besen kehrt, rücken alle ein bisschen enger zusammen, ob sie nun wollen oder nicht. So ist es auch in Düsseldorf. Dort entschloss sich die Stadt 2006, ihre Kunstmuseen alle vier Jahre zu einem großen Organismus zusammenzuschließen und rief die Quadriennale ins Leben. An und für sich keine schlechte Idee. Synergien entstehen, das Stadtmarketing freut sich, und die Tourismusförderung weiß besser, wie sie die Kultur vermarkten kann. Auch in diesem Jahr wird die Quadriennale von der Stadt mit rund fünf Millionen Euro bezuschusst. Und so finden in der Zeit vom 11. September 2010 bis 16. Januar 2011 (für einige Institutionen gelten längere oder kürzere Laufzeiten) an neun Häusern aufeinander abgestimmte Ausstellungen statt. Hinzu kommen die Veranstaltungen der teilnehmenden Partner, darunter auch viele Düsseldorfer Galerien.

Schon im Gründungsjahr waren Fragen aufgekommen und wurde Kritik geübt. Der Begriff der Quadriennale sei zu unpräzise, hatte es geheißen. Man könne sich darunter nichts vorstellen, wurde gemäkelt. Zur Erklärung wurde das Modell Kulturhauptstadt herangezogen, denn die Quadriennale ist nicht etwa eine riesige Ausstellung, die sich auf mehrere Orte verteilt, sondern der organisatorische Zusammenschluss unabhängig kuratierender Häuser, die zu Marketingzwecken ihre Kräfte bündeln. Sehr viel konturierter präsentierte sich aber auch die kommende Quadriennale nicht. Ihr Motto „kunstgegenwärtig“ kann man nicht unbedingt vielsagend nennen. Ein neues Logo allein ist nicht das alles überwölbende Dach des Prestigeprojekts. So war die Pressekonferenz am 25. Februar in Düsseldorf auch eher der Startschuss zu einer urbanen Werbekampagne, bei der die teilnehmenden Museen und Ausstellungsinstitute ihr Vorhaben kurz anreißen durften.

Dabei bemüht man sich durchaus um ein einheitlicheres Erscheinungsbild. Ragte 2006 die Caravaggio-Schau im museum kunst palast als historische Position unter den zeitgenössischen Veranstaltungen heraus, beschränkt man sich diesmal ganz auf die Nachkriegskunst. Den Gewinn an thematischer Einheit bezahlt man allerdings mit einem Verlust an Breitenwirksamkeit. Der Italiener hatte immerhin über 130.000 Besucher vor seine Gemälde gelockt, ein deutlicher Unterschied zu den Quoten anderer Ausstellungs-Orte, wo die Besucherzahlen im unteren fünfstelligen Bereich blieben. Was konzeptuell klug und sinnvoll erscheint, nämlich die Verankerung am und die Bezugnahme auf den Ausstellungsort, könnte sich also als Risiko für ein Projekt erweisen, das vor allem Quote machen soll, auch wenn den Geschäftsführern der Quadriennale GmbH konkrete Zahlen zu den Übernachtungen und auswärtigen Besuchern von 2006 nicht zu entlocken waren. Nach innen und außen, touristisch und konzeptuell, profiliert und integrativ wirken zu wollen, ist eben kein ganz einfaches Geschäft.

Dass man gern alles zugleich haben will, zeigt auch das Programm. 2010 nämlich wird Düsseldorf zwar deutschlandweit um Besucher werben, zu diesem Zweck aber vor allem seine Künstlerhelden feiern. Im K21 Ständehaus etwa wollen Julian Heynen und Valeria Liebermann die Kunst der 80er-Jahre aus „Düsseldorfer Perspektive“ betrachten. Allen voran geht Joseph Beuys, der im K20 Grabbeplatz gezeigt werden soll. Die weiteren Namen bergen ebenfalls keine großen Überraschungen: Stiftung Schloss und Park Benrath präsentieren den Beuys-Freund James Lee Byars, das museum kunst palast stellt Nam June Paik aus, die Kunsthalle Düsseldorf und der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen den zeitweiligen Wahl-Rheinländer Marcel Broodthaers. Und das imai – inter media art institute kapriziert sich auf Katharina Sieverding. Es erschließt sich nicht auf Anhieb, wie man mit derlei vertrauten und viel gezeigten Namen Besucher anziehen will. Es wird nicht einfach sein, diesen etablierten Positionen in Soloschauen neue Aspekte abzuringen.

So wird das Neue eher von anderswo zu erwarten sein. Unter dem Stichwort „Deutschlandpremieren“ nämlich werden rund 30 teilnehmende Galerien Künstler zeigen, die hierzulande noch keine Galerieausstellung hatten – das können ganz junge Positionen, es können arrivierte, im Ausland längst etablierte Künstler sein. So präsentiert Düsseldorf auf seine Weise den rheinischen Aufbruch, der sich hier und im benachbarten Köln im Kunsthandel zeigt. Es wird etwas zu entdecken geben in der Nachbarschaft der großen Institutionen. Einen kleinen Haken hat aber auch dieses lobenswerte Projekt: Viele der Galerien, die an der Quadriennale partizipieren, sind zugleich auch Teilnehmer von DC Open, dem Köln-Düsseldorfer Galerienwochenende. Dieses wird 2010 vom 3. bis 5. September stattfinden, also genau eine Woche vor Eröffnung der Quadriennale. Einerseits stand hier der Vernissagetermin schon lange fest, andererseits, so wird kolportiert, wollte die Quadriennale lieber alleine im Rampenlicht stehen. Ganz verständlich ist das nicht. Nun könnten alle Beteiligten verlieren. Die Quadriennale bringt sich um die Besucher, die es in die Galerien zieht, vor allem Sammler und Besucher des im letzten Jahr herausragend  erfolgreichen Galerie-Events. Die Düsseldorfer Galerien verlieren umgekehrt gerade jene breite Besucherschaft, die sich eher für die Institutionen entscheiden, aus denen sich aber mancher neue Interessent für Galerieware rekrutieren könnte. Dienen gemeinsame Veranstaltungen wie die Quadriennale nicht auch der Stärkung des privaten Kunstbetriebs? Ist es nicht wichtiger denn je, Schwellenängste abzubauen? Und tragen nicht stärker als je zuvor die Privaten zur Vielfalt und Qualität des Angebots bei?

So werden wertvolle Synergien verschwendet. Dabei hatte doch gerade eine Veranstaltung wie DC Open vorgemacht, dass der Schulterschluss möglich, dass ein gemeinsames regionales Vorgehen auch wichtig und erfolgreich ist. Die Art Cologne jedenfalls hat es begriffen und denkt mit ihrem Rahmenprogramm weit über die Grenzen der Stadt hinaus. In Düsseldorf hingegen sind die guten Ansätze zum Greifen nah. Die Qualität der Galerieszene ist gut. Die Stadt hat viele gute Institutionen. Die Quadriennale und die DC Open könnten ein geradezu karnevaleskes Vergnügen einander ergänzender, vielfältiger Inhalte sein. Wenn, ja wenn, man etwas geduldiger die wechselseitigen Bedürfnisse abgestimmt hätte. In ein paar Jahren werden sich vielleicht auch diese Probleme lösen lassen. An einem aufblühenden Kunststandort Rheinland wird man dann die junge lokale Szene in den kleineren Institutionen im Austausch mit den Galerieprogrammen sehen, angeführt von der Flottille großer kuratorischer Museumsprojekte. Das Kapital ist ja da. Man kann es noch effizienter verzinsen.

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