17. August 2011
Das Geheimnis ward lange gehütet, was vor allem der angespannten Düsseldorfer Immobiliensituation zu verdanken ist, die die Suche nach geeigneten Räumen zu einer schier nicht enden wollenden Ochsentour mutieren ließ. Doch nun steht fest, dass das Berliner Auktionshaus Villa Grisebach eine Dependance in Düsseldorf eröffnen wird – und das schon Anfang September in unmittelbarer Nachbarschaft zur Galerie Beck & Eggeling in der Bilker Straße 4-6. Leiter der Repräsentanz ist Daniel von Schacky, bisher in Berlin tätig und einer der sechs Geschäftsführer des Unternehmens. Der 35-Jährige ist in Bonn, Berlin und den USA aufgewachsen und war nach seinem Studium der International Relations und Kunstgeschichte an der University of Pennsylvania in Philadelphia zunächst drei Jahre lang als Aktienanalyst bei einer Investment Bank an der Wall Street tätig. 2002 zog es ihn zurück nach Berlin an die Villa Grisebach, wo er ein Jahr lang austestete, ob eine Zusammenarbeit mit seinem Vater Bernd Schultz, dem Mitgründer des Auktionshauses, klappen könnte. Nach erfolgreich vollzogenem Experiment schloss er einen Master am Christie`s Institute in London ab, um anschließend zwei Jahre lang in New York als Direktor der Galerie Goff + Rosenthal zu arbeiten. Seit 2006 baut er den Bereich der zeitgenössischen Kunst in der Villa Grisebach auf und hat seither den Umsatz mit Arbeiten nach 1960 kräftig gesteigert. In der Düsseldorfer Dependance wird ihm Tatjana Hinz zur Seite stehen.
artnet: Seit ihrem Bestehen 1986 ist die Villa Grisebach in Berlin angesiedelt und gilt dort als Platzhirsch. Was sind die Gründe für eine Erweiterung ins Rheinland?
Daniel v. Schacky: Die Villa Grisebach ist seit ihrer Gründung national und international ausgerichtet. Daher hat Nordrhein-Westfalen auch von Beginn an eine wichtige Rolle für uns gespielt, denn keine andere Region in Deutschland, vielleicht kann man sogar sagen in ganz Europa, hat eine vergleichbare Dichte und Tiefe an Sammlungen der Modernen und Zeitgenössischen Kunst. Wir rücken also nur näher an unsere Kunden heran.
Mit den Auktionshäusern Van Ham, Lempertz und vielen kleineren Mitbewerbern ist der Konkurrenzdruck im Rheinland groß. Wie wollen Sie sich von den teilweise gut etablierten Mitstreitern abheben?
Konkurrenz belebt das Geschäft und die Sammler in Nordrhein-Westfalen kennen sich gut aus im Markt. Sie schätzen die Qualität unserer Arbeit und die internationale Reichweite unserer Kataloge. Dank des erfolgreichen Verkaufs zweier Sammlungen aus Nordrhein-Westfalen, Dolf Selbach und Arcandor, konnten wir dieses Frühjahr das mit Abstand höchste Ergebnis aller deutschen Auktionshäuser im Bereich Moderne und Zeitgenössische Kunst erzielen. Ich denke, das wurde auch in der Region aufmerksam notiert.
Was unterscheidet Ihre neu gegründete Dependance von Repräsentanzen, die Sie auch anderswo betreiben?
Die Räume in Düsseldorf sind großzügige Ausstellungsräume, die wir für Vorbesichtigungen und Ausstellungen verwenden können. Das haben wir so sonst nur in Berlin und unserer Züricher Niederlassung auf der Bahnhofstraße.
Werden dort auch Auktionen stattfinden?
Unsere Hauptauktionen werden weiter in Berlin stattfinden. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir Benefizauktionen und ähnliche Veranstaltungen in Düsseldorf durchführen.
Die Kunstwelt zog es bis vor kurzem vom Rheinland eher in Richtung Berlin. Spüren Sie einen Gegentrend?In Sachen junger zeitgenössischer Kunst ist Berlin sicher weiterhin im Fokus der nationalen und internationalen Kunstwelt, da sehe ich wenig Veränderung. Bei Klassischer Moderne und den „Klassischen“ Zeitgenossen machen sich die wirtschaftliche Stärke und die zuvor beschriebene Dichte der Sammlerschaft an Rhein und Ruhr aber bemerkbar. Dem tragen wir mit unserer Expansion in Düsseldorf Rechnung.