ViennAfair 2006

Fokus Ost

Sabine B. Vogel
11. April 2006
Große Sorgen hatte man sich im Vorfeld über den Termin der zweiten ViennAfair gemacht, fiel die Messe doch direkt in die beginnenden Osterferien. Zwar liegt die Besucherzahl der Messe mit 12.417 um 17 Prozent über dem Vorjahr, doch war es am Wochenende deutlich leerer in den Gängen. Vor allem fehlten die Käufer für Werke bis zu 10.000,- Euro, die offenbar bereits in den Skiurlaub abgefahren waren statt den Palmsonntag auf dem Messegelände zu verbringen.

Bei einer besseren Terminplanung müsste die ViennAfair im nächsten Jahr ein absoluter Hit werden, denn die meisten Galerien zeigten sich trotzdem höchst zufrieden. So konnte etwa The Breeder aus Athen den Stand ausverkaufen, österreichische Sammler erwarben Werke aus dem internationalen Programm von Distrito Cu4tro aus Madrid oder auch von I-20 aus New York und internationale Sammler kauften bei Wiener Galerien. Hinzu kamen in diesem Jahr die erstmals eingerichteten Fonds, die zum zufrieden stellenden Umsatz beitrugen, etwa der „Conwert Contemporary Fund“, der 55.000,- Euro für Papierarbeiten für die Albertina zur Verfügung stellte und die zum „Viennafair Pool“ zusammengeschlossenen Museen und Sammlungen, die sich vorab verpflichteten, auf der Messe Werke im Wert von insgesamt 130.000,- Euro anzukaufen.

Eine vergleichsweise geringe Summe mit umso höherem symbolischem Wert sponserte die Wirtschaftskammer als Galerienpreis für den besten Stand. Die 5.000,- Euro gingen an lokal_30 aus Warschau – ansässig in einem ehemaligen Atelier in der Foksal-Straße – die auf der Messe den Schwerpunkt „The City: Between Architecture and Catastrophe“ mit einer Performance von Janek Mioduszewski, Skulpturen von Anna Baumgart und einem frühen Video von Józef Robakowski anboten.

Im vergangenen Jahr stellten 92 Galerien aus, in diesem waren es bereits 106, einige davon – Spielhaus Morrison oder DNA aus Berlin – bereits zum zweiten Mal. Verglichen mit den 280 Teilnehmern in Basel bleibt die Wiener Messe aber überschaubar. Den konzeptuellen Kern bilden die Galerien aus süd- und osteuropäischen Ländern, deren Stände zum Großteil gesponsert sind von Die Erste Bank und der Reed Messe. Allerdings muss sich der Großteil der insgesamt 25 CEE-Galerien (central east europe) mit kleinen Boxen an den Seitenrändern der Halle begnügen, was eine unerfreuliche und absolut unnötige Hierarchie in die ViennAfair bringt – noch verstärkt durch die auffällige Anordnung, die Wiener Galerien in den ersten drei Reihen zu platzieren und die internationalen Gäste dahinter zu reihen.

Zu den interessantesten kleinen Boxen gehörte die gandy gallery, ehemals in Prag, jetzt in Bratislava ansässig. Sie zeigte in Wien inszenierte Situationen von Danica Dakic, die in Sarajevo und Düsseldorf lebt und bereits 2005 in Buergels Schau „Die Regierung“ in der Wiener Secession ausgestellt wurde. Des Weiteren waren bei gandy Porträts von Vaclav Stratil im Angebot sowie die faszinierende Foto-Wand von Cosmin Gradinaru, der rumänische Alteisenhändler dokumentiert: Roma, die Autowracks auf Pferdekutschen abtransportieren – ein neuer Beruf im postkommunistischen Rumänien.

Stano Masar zeigte in der Space/Galéria Priestor for Contemporary Art aus Bratislava kleine Schilder, die uns Fluchtwege in Richtung Liebe, Ruhm, aber auch Freiheit weisen. Daneben waren banale Alltagsgegenstände an der Wand angebracht: „Wien private collection – verschiedene Objekte gestohlen in Galerien“ von Anetta Mona Chisa und Lucia Tkávocá. Den ungewöhnlichsten Stand präsentierte Display aus Prag, ein Künstlerprojekt mit sieben Direktoren, darunter auch Tomas Vanek, der am Stand Kleiderhaken, Nägel und einen Lichtschalter anbrachte – jene Objekte, die er in seinen Bildern gewöhnlich malt.

Gefeiert und geredet wurde auch in diesem Jahr intensiv. „Artweek“ hatte ein derartig umfangreiches Rahmenprogramm organisiert, von Symposien und Vorträgen bis hin zu zahlreichen Führungen durch alle Wiener Institutionen, dass manche der eingeladenen Sammlerinnen und Sammler, Kritikerinnen und Kritiker oder Kuratorinnen und Kuratoren kaum mehr Zeit fanden, die Messe zu besuchen. Darum hier ein Wunsch an Messe, Organisatoren und „Artweek“: Weniger strenge Konkurrenz und mehr Zusammenarbeit! Das mag in Wien schwer fallen, aber es handelt sich doch um eine internationale Messe.

ViennAfair
5. bis 9. April 2006


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