Shirin Neshat
Passage Series
2001
Cibachrome-Abzug (Foto: Larry Barns)
130 x 160 cm, gerahmt
© 2001 Shirin Neshat / Leihgabe der Gladstone Gallery, New York
1. April 2005
Der chinesisch-amerikanische Kurator Wu Hung hat über das wunderbare, immer spannende und verheißungsvolle Thema der Schönheit eine auf den ersten Blick viel versprechende Ausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt eingerichtet. Die ausgestellten Arbeiten jedoch stehen unter dem strikten Verdikt einer rigiden amerikanischen Multikultur-Korrektheit, unter dem sie sich ästhetisch fast nicht entfalten können. Betrachtet man die Ausstellung dagegen in dem offeneren Kontext kultureller Hybridisierung, mutiert das Konzept zu einer bloß pfiffigen Marketingveranstaltung. Hier wird dem Besucher mit viel Wortgeklingel ideologisch eingeheizt und hier wird die Wahrnehmung des Schönen nicht sensibilisiert, sondern schockgefroren. Mit dem großformatigen Rahmenprogramm, das in kleinteiligen Veranstaltungen auf alle im Moment angesagten Diskurse – Körper, Tanz, Musik und Stadt – bezogen ist, wird groß Eindruck geschunden. Berlin scheint vielleicht besonders anfällig für einen solchen aufgeblasenen Ausstellungsansatz zu sein, gerade weil es als Zentrum gebrochener deutscher Identität gelten kann. Es werden viele Fragen aufgeworfen, sie bleiben aber unbeantwortet.
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Anne Marie Freybourg