Thomas Groetz

2012
Juni
Dass der Fluxus-Virus bereits in 60er-Jahren nach Skandinavien kam, bezeugt die Biografie Henning Christiansens: Sein unkonventionelles Dasein gibt es nun als 500 Seiten starke Monografie.
April
Die Berliner Akademie der Künste zeigt John Cage im Kontext der Bildenden Kunst. Das gelingt nicht ganz, doch ein Besuch lohnt sich trotzdem.
März
Tony Conrads ist kein Instrumentenbauer, sondern ein Multimedia-Künstler aus der Blütezeit der Expanding Arts, wie die Galerie Daniel Buchholz zeigt.
Februar
Ryoji Ikeda spielt im Hamburger Bahnhof mit Licht und Sound – doch um Technik geht es nicht.
2011
Dezember
„Werde ich sterben?“ fragte Jürgen Kramer einst seinen Lehrer Joseph Beuys. Nun hat das Leben seine Frage beantwortet.
Oktober
Vor 45 Jahren begann der junge Berliner Galerist René Block, Editionen zeitgenössischer Künstler herauszugeben. Damit agierte er ganz im Sinne von Kapitalistischem Realismus und Co.
Gegenwartskunst wird heute gerne philosophisch aufgewertet. Eine Ausstellung zeigt nun, dass es nicht ausreicht, bloß Duchamps Ideen zu illustrieren.
September
John Cage wäre im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden. Bis zu seinem Geburtstag richtet ihm die Akademie der Künste eine fragwürdige Jubiläumsschau aus.
August
Nach fast zehn Jahren ist kürzlich in der Berliner Edition Kröthenhayn eine Box mit CDs, Schallplatten und Texten zu Kippenbergers musikalischer Hinterlassenschaft erschienen. Zeit, mit der Aufarbeitung zu beginnen.
Horst Ademeit ist ein Outsider-Artist – so will es zumindest der Hamburger Bahnhof. Dabei sind seine Polaroids und Notizen vor allem obsolete Konzeptkunst.
Juli
Dieter Meier nennt sich selbst „Artist“. In den letzten 40 Jahren hat er seine Kreativität auf verschiedene Felder ausgedehnt – Popmusik, Weinanbau und Ingenieurswesen inklusive. Die Hamburger Phoenix-Fabrikhallen widmen ihm nun eine Ausstellung, die seine Performance-Kunst feiert.
Über Georg Baselitz kritisch nachzudenken, scheint beinahe ein Sakrileg. „25 Meisterwerke“ lautet der Titel seiner aktuellen Ausstellung – mehr geht nicht. Doch die Emphase, mit der er bei Niels Borch Jensen gefeiert wird, löst die eigentümlich bunte und gedrängte Inszenierung nicht ohne Weiteres ein.
Juni
Als „der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt“ stellt sich André Butzer mit seiner zweiten Museumsschau in Deutschland vor. Seine Bilder handeln von Selbsthistorisierung und Konsumkritik – ohne sich in ironischen Zitaten zu verfangen. Denn woran Butzer glaubt, sind Komposition und Farbe.
April
Von Malewitsch bis Supermann: Andy Hope 1930 entfaltet bei Guido W. Baudach sein bekanntes Panorama aus Mythenträgern des 20. Jahrhunderts. Doch der Mix aus Fremdmaterial geht über die Beschwörung einer kulturellen Bruchstelle nicht hinaus.
März
Copy and Paste ist en vogue. Junge Künstler bedienen sich heute wie selbstverständlich bei der Stilgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wie viele Generationen müssen wir noch über uns ergehen lassen, die sich im Zitieren der Klassischen Avantgarde verheddern?
2010
Dezember
Poul Gernes war lange vergessen. Erstaunlich, denn der dänische Künstler produzierte nicht nur Unmengen an poppig-bunten Leinwänden. Gemeinsam mit seiner Familie malte er ein Krankenhaus aus, das man in Dänemark gern das „größte Gemälde der Welt“ nennt. Die Deichtorhallen zeigen nun die verdiente Retrospektive.