20. Juli 2005
Anlässlich der Auktion
Chinese Ceramics and Works of Art bei Christie’s London am 12. Juli wurde das teuerste chinesische Kunstwerk aller Zeiten versteigert. Für einen besonders seltenen und bedeutenden, in blau und weiß gehaltenen Krug der Yuan-Dynastie aus dem 14. Jahrhundert wurden 15 Millionen britische Pfund (22,7 Millionen Euro) gezahlt. Der Krug war ursprünglich von dem Kapitän Baron Haro van Hemert erstanden worden, einem leidenschaftlichen Kunstsammler, der bei der niederländischen Marine und zwischen 1913 und 1923 in Peking stationiert war. Das Stück war kürzlich in den Niederlanden aufgetaucht.
Die seltene und zuvor noch nicht registrierte, blau-weiße Guan-Keramik aus der Zeit der Yuan-Dynastie (1279-1368) ist zart dekoriert mit einer erzählerischen Szene in unter Glasur aufgetragenem Kobaltblau und umfasst im Durchmesser 33 cm. Der Krug, auf dem ausgewählte Ereignisse aus der damaligen Literatur abgebildet sind, wird als eines von acht Stücken betrachtet, die bis heute erhalten geblieben sind. Eingerahmt von einem Band von Pfingstrosen am oberen Rand sowie Blumenblättern am unteren, werden auf dem Krug in lebhafter Weise Szenen aus dem Konflikt zwischen den Staaten Yan und Qi aus der Zeit der kämpfenden Staaten (475-221 v. Chr.) gezeigt: Eine Figur in einem Wagen, der von einem Tiger und einem Leoparden gezogen wird, verfolgt zwei Soldaten, die an einem Bach entlang rennen. Auf einer Brücke befindet sich eine Gelehrtenfigur auf einem gescheckten Pferd, die über die felsige Landschaft hinweg zu einem anderen Reiter blickt.
Nach einem erbitterten Kampf zwischen mehreren Kaufwilligen über das Telefon sowie im Saal wurde das Gefäß von einem privaten Käufer erworben, der durch den Londoner Kunsthändler Giuseppe Eskenazi vertreten worden war. Das Familienunternehmen Eskenazi, 1925 in Mailand gegründet und seit den 1960er Jahren in London ansässig, hatte sich unter Giuseppe Eskenazi einen international viel beachteten Ruf als eines der führenden Adressen im Bereich der orientalischen Kunst erworben. Anlässlich des spektakulären Kaufes bemerkte der Kunsthändler: „In meiner 45jährigen Karriere ist dies die wichtigste chinesische Keramik, die ich jemals erstanden habe und mit Sicherheit ist sie auch eine der bedeutendsten weltweit.“
Der Verkaufspreis ist nicht nur ein Rekord und das höchste Gebot, das jemals für ein chinesisches Kunstwerk gemacht wurde; es ist auch der höchste Betrag, zu dem in diesem Jahr bei Christie’s verkauft wurde. Desmond Healey, Direktor der Abteilung chinesische Kunst, äußerte sich enthusiastisch: „Wir sind hoch erfreut über dieses Rekord-Ergebnis. Der Krug ist ein außergewöhnliches chinesisches Kunstwerk. Er ist seit Jahrhunderten in einem guten Zustand erhalten geblieben und stellt ein sehr seltenes Stück auf dem Markt dar.“ An wen der werte Topf nun geht, wird jedoch nicht gesagt – der private Käufer möchte anonym bleiben.