Temporäre Kunsthalle Berlin

Sie sollte Berlins künstlerische Zukunft wie unter einem Brennglas zeigen: die Temporäre Kunsthalle Berlin. In einem Labor in der Mitte der Stadt sollten Künstler und Kuratoren testen, welche Kunstinstitution Berlin braucht. Die Kulturpolitik sollte hier aufregende, neue Konzepte schmecken und Lust auf Reformen bekommen. Das artnet-Dossier zeigt, wie Berlin eine historische Chance verpasste und noch immer auf die Kunsthalle von morgen wartet. Der erlösende Zauber ist ausgeblieben.

Nie hatte Berlin ein braveres Ausstellungshaus als seine Temporäre Kunsthalle. Selbst wenn zwei Künstler dort keck mit dem kuratorischen Konventionalismus kokettieren, gerät ihnen die Provokation zu einer Demonstration der eigenen Überkorrektheit. Dominikus Müller beschreibt, wie Tilo Schulz und Jörg van den Berg mit den Konventionen nur spielen wollten, ihnen am Ende aber selbst erliegen.

Finden Sie zu Hause einfach keine Ruhe mit Ihrer neuen Affäre? Dann ist die Temporäre Kunsthalle Berlin Ihre Rettung. Dort hat der britische Künstler Phil Collins 15 Kraftfahrzeuge vor eine gemeinsame Leinwand gestellt und so ein appetitliches Autokino gebaut. Die Filme sind schön, aber gute Unterhaltung ist nicht immer erhellend, wie Astrid Mania im Innern eines verrauchten Gebrauchtwagens festgestellt hat.

Berlins großer Mythos ist seine Kreativität. Tausende Künstler machen aus der armen Stadt einen Schmelztiegel der Genialität. So geht die Legende, die in der Temporären Kunsthalle auf dem Schlossplatz ihre Heimstatt gefunden hatte. Ausgerechnet dort aber hat die übetriebene Ehrfurcht nun ein Ende. Karin Sander macht aus dem Mythos ein erfrischendes Soundpanorama, das Dominikus Müller sich angehört hat.

Können Städte Obsessionen haben? Ihre Kulturpolitik schon. Seit unvordenklicher Zeit diskutiert Berlin nun, ob es eine ständige Kunsthalle braucht. Während die Temporäre Kunsthalle ihre Überflüssigkeit bewiesen hat, werden die Gründe für eine ständige neue Ausstellungshalle immer abenteuerlicher. Gerrit Gohlke plädiert für das Ende einer leeren Debatte und verlangt für Berlin ein Kompetenzzentrum Kunst – und das Ende des Populismus.

Die Berliner Kunsthallen-Debatte wird zum Treppenwitz. Eigentlich wollten die Kunsthallen-Befürworter einen neuen künstlerischen Brennpunkt schaffen. Die Temporäre Kunsthalle sollte dafür ein Vorbild sein. Statt aber zum kuratorischen Modell zu werden, bedient das Projekt in seiner neuesten Ausstellung alte Klischees vom kreativen Chaos. Der Mangel an Orientierung rächt sich nun, wie Astrid Mania beobachtet: Statt einer ständigen Kunsthalle wird öffentlich eine mobile Schrumpfversion diskutiert.

Berlin oder die weite Welt? Ein regionales Schaufenster mit globalem Flair oder eine kuratorische Musterlehranstalt? Die Temporäre Kunsthalle Berlin wollte und sollte so vieles sein, dass sie an ihren inneren Widersprüchen fast schon gescheitert ist. Nun besinnen sich die Kunsthallenmacher auf ihre Wurzeln und wollen vor allem den heimischen Kreativstandort fördern. Sven Beckstette hat sich das neue Konzept erklären lassen und dabei viel Altbekanntes wiederentdeckt.

Berlin ist eine Stadt, die das Streiten verlernt hat. Seit Monaten wird über die geplante neue Kunsthalle debattiert, als ginge es um Architektur- und Personaldiskussionen. In Wahrheit ist die Kunsthallenfrage ein Streitfall über den hauptstädtischen Kreativstrandort. An der Kunsthalle kann die Stadt definieren, welche Perspektive sie für ihre Kunstproduktion sucht. Gerrit Gohlke plädiert für einen produktiven Streit um die Zukunft.

Nach langen Personalquerelen fragte sich mancher, warum mitten in Berlin eine temporäre Kunsthalle steht. Jetzt haben Allora & Calzadilla den Ausstellungsraum in ein großes Perkussionsinstrument verwandelt. Mit Klang hauchen sie dem Ort so eine temporäre Seele ein. Die Architektur trommelt und vibriert. Gerrit Gohlke hat eine Installation gesehen, die ein Denkmal für die Unbeständigkeit ist.

Dass die Temporäre Kunsthalle Berlin nicht nur schlingert, sondern auf Grund gelaufen ist, kann niemand mehr übersehen. Nachdem Stifter und Mäzen Dieter Rosenkranz öffentlich Populismus predigte und sich vom bisherigen Programm seines Projekts distanzierte, tritt nun unter Protest der künstlerische Beirat zurück. In einer Presseerklärung formuliert das Kuratorenteam seine Enttäuschung über den Schiffbruch eines einst hoffnungsvollen Projekts.

Während die Temporäre Kunsthalle Berlin ihre Personalquerelen giftig in der Öffentlichkeit breittritt, sucht die Kulturszene nach neuen Ideen, auf denen sich eine ständige Kunsthalle aufbauen ließe. Der Senat als Bauherr spricht aber nur über Architektur. Was die Kunsthalle wirklich soll, bleibt dunkel. Gerrit Gohlke hat eine Debatte beobachtet, die zwanghaft ihre eigenen historischen Fehler wiederholt.

Die Temporäre Kunsthalle Berlin ist nicht das, was man einen ruhigen Arbeitsplatz nennen würde. Nachdem zuletzt die Geschäftsführerin und Mitinitiatorin Constanze Kleiner gehen musste, trennt man sich nun von Thomas W. Eller, dem erst im November berufenen künstlerischen Geschäftsführer. Das glücklose Projekt ringt um seine Neuausrichtung. Gerrit Gohlke berichtet von einem mühseligen Kampf um den Wiedergewinn der Offensive.

Schon lange gärte es in der Temporären Kunsthalle Berlin. Das Programm ist flach. Der einst verkündete Anspruch wird nicht erfüllt. Nun führt die schwelende Krise zum handfesten Eklat. Constanze Kleiner, Mitinitiatorin des Projekts, wurde als Geschäftsführerin entlassen und gründet eine Gegenstiftung. Gerrit Gohlke und Stefan Kobel berichten über die Spaltung einer Institution und Forderungen nach ihrer Neuausrichtung.

In Berlins Ausstellungshäusern herrscht eine bleierne Zeit. Der Hamburger Bahnhof ist noch immer nicht aus dem Winterschlaf aufgewacht, da verfällt die Temporäre Kunsthalle ins konzeptuelle Koma. Die erste genuin für die Halle entstandene Ausstellung entpuppt sich als selbstbezügliches Vexierspiel ohne Bezug zum Ausstellungsort. Gerrit Gohlke hat ein malerisches Experiment gesucht und vier sich selbst überschätzende Ostereier gefunden.

Eigentlich, ja eigentlich sind die Arbeiten von Simon Starling komplexe Reflexionen über komplexe Systeme, die sich von ihrem Ausstellungsort nähren, sich dort verwurzeln und ein nicht immer nur erwünschtes Substrat hinterlassen. Doch wehe, sie werden verpflanzt, dann werden sie zu Yucca-Palmen des Ausstellungsbetriebs. Als solche stehen sie momentan in Berlins Temporärer Kunsthalle, wie Gerrit Gohlke und Astrid Mania beschreiben.

Die erste Ausstellung in der neu eröffneten Temporären Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz ist nicht irgendein beliebiges kulturelles Angebot. Sie ist das erste Signal aus einer Institution, die Berlin das Experimentieren beibringen sollte. Das gute Gewissen der Berliner Kunstszene wollte dieser Ausstellungsort werden. Gerrit Gohlke hat stattdessen eine Ausstellung aus dem Kuratorenhandbuch für eingängigen Mainstream vorgefunden.

Ein bisschen spät ist es schon, wenn man wenige Tage vor der Neueröffnung einer Kunsthalle einen Geschäftsführer für ihre programmatische Ausrichtung beruft. Nachdem die Zweifel am Revolutionspotential der Temporären Kunsthalle Berlin aber zuletzt unüberhörbar wurden, soll Thomas W. Eller für schärferes Profil sorgen. Gerrit Gohlke fragt sich, ob ein Kritiker der Intendant der Stunde sein könnte.

Die Temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz steht. Auf ihre Außenhaut haben Fassadenmaler in Blau und Weiß die von Gerwald Rockenschaub konzipierte Darstellung einer Wolke aufgetragen. Orsolya Abraham berichtet, wie ein Ausstellungsort der Öffentlichkeit übergeben wurde,  der die Hoffnungen der Berliner Kunstwelt trägt.

Unter Schmerzen hat sich die Berliner Kunsthallendebatte vom Architekturwettbewerb zum kuratorischen Experiment entwickelt. Jetzt, kurz bevor die temporäre Kunsthalle eröffnet wird und ihre kuratorischen Konzepte und Visionen auf den Prüfstand stellen muss, meldet sich die „Initiative Berliner Kunsthalle“ zu Wort, als sei nichts geschehen. Gerrit Gohlke wundert sich, wie abermals für eine Institutionsgründung geworben wird, bevor es ein Konzept dafür gibt.

Im Werkraum der Architektur Galerie Berlin präsentieren die Initiatorinnen der temporären Kunsthalle Berlin eine Ausstellung, die acht künstlerische Entwürfe für die Bespielung der Außenhaut vorstellt. Um die Realisierung geht es dabei weniger als darum, das Projekt im Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit zu halten, wie Dominikus Müller weiß.

Die Berliner Kulturpolitik wird seit einiger Zeit vom Streit um die Notwendigkeit einer neuen Kunsthalle beherrscht. Erstaunlicherweise wird dabei jedoch nicht um die dringend notwendigen Konzepte gerungen. Stattdessen wird die Kunsthallendiskussion als lautstarker Architekturwettbewerb geführt.

In der vergangenen Woche lud „White Cube Berlin“ zum ersten Blick ins Innere der geplanten Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz ein. „Die Idee ist da“, verkündete man. Selbst das Geld für die Baumaßnahmen sei schon vorhanden. Gibt es denn aber auch ein weitergehendes Konzept, das die Idee der Kunsthalle mit der pluralen Landschaft der lokalen Szene vernetzt? Details zum kuratorischen Masterplan vermisste Gerrit Gohlke.
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