11. Februar 2011
Susanne Rottenbacher: „Sechs Kontrapunkte für 22 Ringe“ – Galerie Teapot, Köln. Vom 24. Januar bis 18. Februar 2011
„Sechs Kontrapunkte für 22 Ringe“ – dahinter verbirgt sich nicht etwa eine Komposition von John Cage, sondern der Titel der neuen Ausstellung von Susanne Rottenbacher in der Kölner Galerie Teapot. Die Droge Lichtkunst findet hier zur raumgreifenden Entfaltung. Hinter dem Panoramafenster am Eingang öffnet sich ein begehbares Science-Fiction-Universum aus transparenten Kunststoffringen, die im Raumschiffmodus an Drahtseilen und Kabeln über dem schwarz-weiß karierten Boden hängen und gemeinsam eine schillernde Rauminstallation ergeben. Man muss einfach hinsehen und der galaktischen Verwirrung freien Lauf lassen. Der Eintritt in dieses Kaleidoskop aus Farbe, Form und Licht gleicht einem Spiel mit den Sinnen, zumal ein raumhoher Spiegel für zusätzliche Brechungen der Wahrnehmung sorgt.
Rottenbacher, Jahrgang 1969, begann ihre Laufbahn mit einem Studium von Bühnenbild und Bühnenlicht in New York und London. Nach Praxisjahren an der Deutschen Oper Berlin legte sie den Schwerpunkt seit 2004 ganz auf ihre Lichtkunst. Seitdem wachsen ihre Skulpturen in der Tradition der kinetischen Kunst der 1960er-Jahre stetig und begeben sich auch schon mal in den öffentlichen Raum, wie zuletzt 2010 während des Lichtparcours‘ in Braunschweig. In Gestalt einer riesigen Klebebandrolle aus synthetisch-industriellen Materialien verunsicherte der Farbring 450D die städtische Parkanlage. Die High-Tech-Erscheinung aus Kunststoffglas, Farbsteifen und Leuchtdioden sorgte dank wechselnder Tages- und Nachtzeit mit seinen Flimmersinfonien für dezente Unruhe in der Landschaft und erinnerte ganz nebenbei an die lebensspendende Kraft des Urelements Licht.
Die kleineren Ringschwestern bei Teapot sind weniger stark auf die Interaktion mit Naturlicht angewiesen, gewinnen aber nachts deutlich an psychedelischer Präsenz. Bei Tageslicht überwiegt das Staunen über die handwerkliche Präzisionsarbeit. Zusammengefasst zu sechs Ensembles, markieren sie den Parcours und laden zur genaueren Erforschung ihrer Beschaffenheit ein. Neben den von Drahtgeflechten und LED-Leuchten symmetrisch durchzogenen Kunststoffkörpern, deren Außenwände von einer farbintensiven Streifenmalerei durchzogen sind, macht sich eine Unterart von milchigen Ringen bemerkbar. Ihre Farbstreifen sind gedruckt, was dazu führt, dass die Lichtspiele einen Dämpfer bekommen und die Konstruktion von Innen und Außen, Sehen und Fühlen außer Kraft gesetzt wird.
Damit kommt der freundlich angestrahlte Betrachter mit ins Spiel, der sich entlang der Stationen die magischen Zonen des Lichts erschließen muss. Das eigene Auge schafft in Bewegung die Kontraste, wenn durch die Schwebeobjekte hindurch die Welt draußen in kristallblauen Tönen aufscheint und im Innern eher die Technoästhetik dominiert. Im zweiten Raum sieht man die Ringe dann gelandet und zugleich im losen Verband gestapelter Astralkörper zum Abflug bereit. Der Himmel nimmt Abschied. Was bleibt, ist die künstliche Überwältigung durch ein Bühnenbild, dem man im Finale die Begegnung mit einem Meteoriten wünscht. Die Verschiebung der Flugdaten könnte dem beim längeren Verweilen allzu temperiert blinkenden Lampentheater zu einem sicheren Fortissimo verhelfen.