Stefan Kobel

Stefan Kobel, *1967, ist Kunstmarktjournalist. Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Düsseldorf, Neapel, Florenz und Rom ist er seit 2001 als Journalist mit dem Schwerpunkt Auktions- und Messeberichterstattung tätig. Seit 2002 ist er Handelsblatt-Korrespondent, von 2006 bis 2010 war er für das artnet Magazin Associate Editor im Bereich Kunstmarkt.



2010
Dezember
Kaum ein anderes Thema hat das Auktionswesen in Deutschland so beherrscht wie die falsche Sammlung Jägers. Ein Rückblick auf die Auktionssaison 2010.
Geliebt von Kuratoren und Großsammlern, spielt Rodney Graham auf dem Auktionsmarkt paradoxerweise kaum eine Rolle. Ein Blick auf sein Œuvre erklärt diese Diskrepanz weitgehend. Schon eines seiner ersten größeren Werke macht deutlich, wie schwierig handelbar seine Positionen sind.
Die Party ist zu Ende und niemand hat’s bemerkt? Die Art Basel Miami Beach, einst angesagteste Kunstmesse der Welt, ist nicht mehr das, was sie einmal war. Keine Leidenschaft, keine Energie, keine Sammler. Stefan Kobel singt zum Abschied leise Servus
Nicht alle Satelliten in Miami rotieren synchron. Fünfzehn die Art Basel Miami Beach begleitende Kunstmessen sollen es diesjährig gewesen sein. Wer zwischen Hochwertigem, Kitsch, Kram und Neuentdeckungen den Überblick behalten wollte, musste Zeit mitbringen.
Das hat das arme Design nicht verdient. Die DesignMiami/ nimmt es nicht ernst und präsentiert im kokett geschlitzten Festzelt bis auf wenige Ausnahmen reine Deko. Ein Gleichnis von Möbellagerambiente und vertaner Chance.
Es gibt ihn nicht mehr, den einen Kunstmarkt. Und eben das scheint auch das Dilemma der Art Basel Miami Beach zu sein, die ab heute demonstriert, dass manche Mythen scheinbar doch nicht ewig währen.
November
Die Sammler dankten und danken Lesser Ury seine metropolen Traumbilder seit jeher - wie der Marktcheck beweist.
Einige Motive von Nan Goldin sind sehr bekannt. Das liegt vor allem an den hohen Auflagen der Fotografien. Wie schlägt sich das auf die Auktionspreise von Werken der Künstlerin nieder?
Der Auktionsherbst ist in vollem Gange - mit süßlicher Rokkokomalerei, Neuer Sachlichkeit, zeitgenössischer Fotografie
Diesen Künstler gilt es, wiederzuentdecken. Fritz Köthe war seiner Zeit einfach voraus und ist doch der Beweis dafür, dass Pop Art auch aus Deutschland kommen kann.
Der Markt für Werke Franz Radziwills ist stark von Kennerschaft und persönlichen Vorlieben geprägt. Welche Arbeiten sind Kassengift und was geht durch die Decke?
Die Zustimmung, die die Cologne Fine Art & Antiques erfährt, mutet beinahe gruselig an. Sind die Jahre der Lähmung überstanden?
Die Pop Art boomt in New York. Alles, was die drei großen Auktionhäuser anbieten, wird ihnen förmlich aus den Händen gerissen.
Die Ars Nobilis gilt als die kleine und vor allem edle Kunst- und Antiquitätenmesse Berlins. Das ist auch kein Wunder, denn Konkurrenz ist nicht in Sicht.
Die Frieze Art Fair mag die Massen anziehen. Avantgarde findet dort eher im Hinterzimmer statt. Anders kommt die Artissima daher, Turins Messe für zeitgenössische Kunst.
Oktober
Selten war ein Beuys-Werk so aktuell wie heute: Die November-Aktionen beweisen, dass gute Kunst kein Verfallsdatum hat.
Beliebtes Motiv seiner Zeit: Das Kölner Auktionshaus Lempertz bietet eine hinreißende „Madonna mit Kind“ von Giacomo Francia an.
Die Pariser FIAC hat im Grand Palais einen glanzvollen Auftritt. Das gilt aber nur für die etablierten Positionen. Die junge Kunst erleidet ein qualitatives Inferno.
Die Londoner Auktionen zeigen einen bedächtigen Markt. Die übertriebene Euphorie in manchem Medienbericht verdeckt den Lerneffekt, der sich darin verbirgt.
Die Pavillon Art & Design London schwächelt beim Design, ist aber stark bei der bildenden Kunst. Hier werden sechs- und siebenstellige Beträge investiert.
Nachkriegskunst und Zeitgenossen bei Christie’s London: solides, aber weit besseres Ergebnis als im Vorjahr. Anlass zu Optimismus wie auch Wertanpassung.
Die Sunday Fair in London beweist: Auch am Kunstmarkt kann man haushalten, ohne zum Gemischtwarenladen zu verkommen.
Die Frieze Art Fair macht glänzende Geschäfte. Ihr Erfolgsrezept stammt aber von gestern und lässt neue Visionen vermissen.
Mancher Fortschritt macht sich langfristig bezahlt. Das art forum berlin beispielsweise definiert sich nun stärker als Ideenmesse. Und feilt so am Geschäftsmodell von morgen.
September
Nun hat auch München eine Messe für zeitgenössische Kunst. Die Munich Contempo ist mit rund 30 Ausstellern an den Start gegangen.
Deutschland entdeckt die Verschollene Generation: Bei Karl & Faber in München wird die Sammlung Fishman mit Kunst um 1930 versteigert.
Die Tafel der Auktionshäuser ist im Herbst reich gedeckt: von Kippenberger’schem Trockenhumor bis hin zu saftig-barocken Bacchanten.
Die Pariser Biennale des Antiquaires kämpft mit Problemen: Interne Machtquerelen und das Fernbleiben wichtiger Händler bedrohen die Messe.
Die Auktionssaison läuft an. Zur Einstimmung empfiehlt sich ein Blick über den Bereich der bildenden Kunst hinaus: Hier kann man Entdeckungen machen.
Manche Entdeckung macht man nicht im Museum, sondern im Handel: Irene Lehr versteigert ein rares abstraktes Vorkriegswerk von Theodor Werner.
August
Die rheinische Galerienszene ist in Bewegung. In Köln wird eine neue Kollegialität erprobt, in Düsseldorf geht ein ehrgeiziges Projekt an den Start.
Die Lehman Brothers-Sammlung kommt unter den Hammer, überzeugt aber nicht. Die strauchelnde Bank sammelte gesichtslos und beliebig.
Die Auktionshäuser jubeln. Die Kosten sind gesunken, die Umsätze haben sich erholt. Bei näherem Hinsehen entsteht ein gemischteres Bild.
Der Galerienverband BVDG greift die Gewinnteilung mit den Künstlern an. Stefan Kobel spricht mit dem Verbandsvorsitzenden Klaus Gerrit Friese.
Juli
Auktionsmarkt mit Eigenarten: Wieder hat die Schweiz bewiesen, dass sich Konservativismus mit internationaler Beteiligung bezahlt machen kann.
Wenn sich eine Branche nur auf den heimischen Kunden verlässt, ist das heikel. Das mussten die österreichischen Auktionshäuser dieses Jahr spüren.
Fotografie leicht im Aufwind: Die deutschen Auktionshäuser legten beim Umsatz zu, sind aber noch weit von der internationalen Konkurrenz entfernt.
Dem deutschen Auktionsmarkt geht es besser. Begehrt ist aber nur Erstklassiges oder Spektakuläres. Und das fehlt oft bei den Einlieferungen.
Freiwillige Selbstkontrolle ist das Gebot der Stunde. Bei den Zeitgenossen-Auktionen wurden Sotheby‘s und Christie‘s für zu hohe Taxen abgestraft.
Juni
Bei Neumeister, München, wird eine Rarität angeboten: das Gemälde eines vergessenen Künstlers, das den einstigen Bühnenstar Sada Yacco zeigt.
Die allerletzten Auktionen vor der Sommerpause stehen an. Jetzt ist die Zeit für Erschwingliches im Bereich Malerei, aber auch Design und Mode.
Juli
Möglicherweise steht der Kunstmarkt vor einem Campendonk-, Ernst- und Pechstein-Fälschungsskandal riesigen Ausmaßes.
Juni
Schwache Nachfrage, überzogene Taxen: Christie‘s und Sotheby‘s London absolvierten ihre Impressionist & Modern Art Sales mit beschämenden Quoten.
Die 41. Art Basel lief gut. Eine Wunderheilung der Krise war sie aber nicht. Zu groß ist der Strukturwandel am Kunstmarkt.
Bis jetzt wurde auf der Art Basel gut verkauft. Die Überraschung aber lautet: Am häufigsten greifen Europäer zu. Und die trennen die Spreu vom Weizen.
Große Konkurrenz unter den Messesatelliten. Die kleinen leiden unter Besuchermangel und Konzeptlosigkeit. Gut sieht es für LISTE, VOLTA6 und SCOPE aus.
Die 41. Art Basel gleicht am Eröffnungstag einer Zeitreise. Die Sammler greifen schon in den ersten Stunden zu. Die Händler reiben sich die Augen.
Basel läuft sich warm. Heute eröffneten die Liste, die Messe für junge Galerien, und Art-Basel-Sektion Art Unlimited. Der Besucherandrang war groß, Verkäufe werden auch gemeldet.
Mancher hebt sich das Beste bis zum Schluss auf. So auch die Auktionshäuser im deutschsprachigen Raum. Hier kommen noch einmal große Namen zum Aufruf.
Seit Stalins Tod gab es in der Ex-Sowjetunion inoffizielle Kunst. Die erste Generation ist jedoch wenig bekannt. Anatoly Zverev ist ein stiller Einzelgänger aus jener Zeit.
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