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Satellitenmessen während der 39. Art Basel

Sleeping Satellites

Stefan Kobel
6. Juni 2008
Print, Brasserie Volkshaus, Basel. Vom 3. bis 8. Juni 2008
Balelatina, Brasilea Kulturhaus, Basel. Vom 3. bis 8. Juni 2008
Volta, Ultra Brag, Basel. Vom 2. bis 7. Juni 2008
Scope, Uferstraße 80, Basel. Vom 3. bis 8. Juni 2008
Liste, Burgweg 15, Basel. Vom 3. bis 8. Juni 2008
The Solo Project, Voltahalle Basel. Vom 2. bis 8. Juni 2008

Überall Messen. Sogar durch Zufall stolpert man über sie. Anders kann man auch kaum zur Print gelangen, einem Satelliten mit 16 Teilnehmern zur fußläufig gelegenen Art Basel, der erst noch entdeckt werden will und tatsächlich schon zum zweiten Mal stattfindet. Gehört hat von dieser Messe für zeitgenössische Grafik jedenfalls kaum jemand, den man auf der Muttermesse danach fragt - und hingehen will erst recht keiner. Zu groß scheint der künstlerische Informations-Overkill. Während in Miami das Messehopping zwischen den rund 20 Veranstaltungen irgendwie dazugehört und man doch zumindest die Hälfte davon "gemacht" haben sollte, wenn man mitreden will, ist das Publikum in der Schweiz schon mit der Hälfte der insgesamt sechs Anhängsel überfordert. Dabei ist die Print eine respektable Veranstaltung, bei der auch schon einmal Schecks mit fünf Nullen ausgestellt werden.

Zur Balelatina schaffen es wohl nur noch eingefleischte Fans iberoamerikanischer Kunst, obwohl der Besucher sie auf dem Weg zur Volta quasi passieren muss. Die szenig am Rangierbahnhof gelegene Volta leidet dieses Jahr besonders unter der kühlen Witterung, da es in dem halboffenen Industriebau heftig zieht. Dass die Kauforgien weitgehend ausbleiben, dürfte allerdings nicht nur daran liegen. Es ist die abflauende Konjunktur, die das Segment der jungen Kunst eher trifft als die Blue Chips der Art Basel. Andreas Grimm aus München/New York konnte bisher jedenfalls noch keinen roten Punkt neben sein Gemälde von Terry Haggerty kleben, wohingegen er im Vorjahr bereits zur Vernissage zwei davon verkauft hatte. Vor allem vermisst er amerikanische Sammler - und das nicht als einziger. Bei Michael Cosar wird der Verkaufserfolg als "O.K." charakterisiert. Mit vorwiegend kleinteiligen Arbeiten ganz junger Künstler will der Düsseldorfer allerdings auch eher Aufbauarbeit leisten. Gute Laune hingegen herrscht bei Dogenhaus aus Leipzig und Michael Janssen aus Köln/Berlin, die allerdings bisher auch nur an Europäer verkauft haben.

Während auf der übersichtlichen Volta viele Deutsche vertreten sind, gibt sich die Scope nicht nur größer, sondern auch internationaler. Viele Italiener sind zu finden und mit ihnen einige fragwürdige Positionen. Die Stände sind größer, Skulptur häufiger. Was fehlt, sind auch hier amerikanische Sammler. Caprice Horn aus Berlin hat nach eigener Aussage bis jetzt Kunst im Wert von über 200.000 Euro vermittelt, nichts davon in die USA. Ludovic Bois von Chinese Contemporary fasst es so zusammen: "Letztes Jahr fielen hier die Südkoreaner auf. Dieses Jahr fehlen die Amerikaner. Wenn es eine Tendenz gibt, dann ist es der Zuwachs an indischen Sammlern." Ganz Asien schickt sich also an zu sammeln. Auch die Galerien des Kontinents haben sich auf den Weg gemacht, sind aber noch nicht ganz angekommen. Die Tokyo Gallery/BTAP aus Tokio mit einer Filiale in Peking etwa weiß zu berichten, dass auf der Art Cologne kein Umsatz zu machen war und dass im Jahr 2006 keine japanische Galerie zur ARCO zugelassen wurde.

Bei der Liste scheint es sich inzwischen um ein Auslaufmodell zu handeln. Einige Teilnehmer berichten von hochkarätigen Sammlern, denen der trashige Charme des Industrielabyrinths nicht mehr zusagt und die sich lieber Informationen von den Galerien zusenden lassen. Die Veranstalter haben darauf immerhin reagiert, indem sie die Preise für Einzelpräsentationen gegenüber normalen Ständen deutlich gesenkt haben. Die Verkäufe laufen insgesamt wohl allerdings nicht überragend. Eine deutsche Galeristin, die selbst bis dato "ordentlich" verkauft hat, fasst zusammen: "Früher hat man mit Basel die nächsten Monate [den umsatzschwachen Sommer; Red.] finanziert." Das ginge jetzt nicht mehr ohne weiteres.

Den schlechtesten Start hat das Solo Project. Eigentlich ist der jüngste Satellit in der Voltahalle auf der gegenüberliegenden Rheinseite günstig gelegen und direkt durch eine Tram mit der Art Basel verbunden. Mangelndes Marketing und eine Großbaustelle führen jedoch dazu, dass sich kaum jemand dorthin verirrt. Wer doch den Weg findet, ist also von wirklichem Interesse getrieben, was die meisten Aussteller positiv vermerken. Der Zickzackkurs der Ausstellungsarchitektur erinnert an ein schwedisches Möbelkaufhaus, ist jedoch weniger großzügig. Insgesamt 25 zum Teil prominente Galerien präsentieren Einzelpositionen, einige haben gleich mehrere vorbereitet. Den räumlichen Verhältnissen entsprechend, beschränken sich die meisten der Aussteller auf Flachware. Zu den überzeugendsten Auftritten gehören bei der Zürcher Galerie Römerapotheke die Altkleider- und Lumpen-Skulpturen von Iris Kettner sowie bei Yossi Milo aus New York die Fotografien von Kohei Yoshiyuki, die das nächtliche Treiben in öffentlichen Parks des Japans der 1970er Jahre dokumentieren. Im Ansatz kann die von der Antwerpener Galerie Kusseneers organisierte Schau überzeugen, die Durchführung lässt allerdings zu wünschen übrig. Mit einem schlagkräftigeren Programm und einer besseren Umsetzung hätte die Veranstaltung das Zeug, sich positiv von den anderen Satelliten abzuheben. Das wird nötig sein, denn die Zeit der ununterscheidbaren Nebenmessen scheint abzulaufen.


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