18. November 2011
„Salon der Gegenwart“ – Elbhof, Hamburg. Vom 18. bis 20. November 2011
Der Hamburger Christian Holle ist Unternehmer und Kunstsammler. Als Messeveranstalter sieht er sich jedoch nicht. Mit der Premiere des Salon der Gegenwart, einer heute Abend beginnenden dreitägigen Ausstellung von zeitgenössischer Malerei, hat Holle ein Format erdacht, das es so eigentlich gar nicht gibt. Der Eintritt ist frei. Hier sitzen keine Galeristen neben den Arbeiten ihrer Künstler. Eine Preisliste existiert auch nicht. Und wer tatsächlich eine der Arbeiten kaufen möchte, der muss eben die jeweilige Galerie kontaktieren. Deren Name steht immerhin auf den Schildchen. Ausgestellt sind rund 50 in Deutschland lebende Künstler mit jeweils ein bis vier Arbeiten. Etliche bekannte Namen sind dabei, darunter Eberhard Havekost und Katharina Grosse, Rosa Loy, Gert & Uwe Tobias oder SEO. Daneben viele Vertreter der ganz jungen, um 1980 geborenen Malergeneration. Wer sehr großformatig arbeitet, ist mit einer Arbeit vertreten, wer das kleine Format bevorzugt, darf mehr zeigen.
Seit zehn Jahren besucht Christian Holle nun regelmäßig Kunstmessen im deutschsprachigen Raum: die Art Basel, die Art Cologne, die Art Karlsruhe und – bis zu dessen Einstellung - auch das Art Forum Berlin. Ab und zu erwirbt er ein Gemälde. Ausschließlich für die Wand, entweder zu Hause oder in der Firma, wie er sagt. Mit Großsammlern wie Harald Falckenberg mag er sich nicht vergleichen. Kunst im Depot aufzubewahren lehnt er ab.
Was ihm in all den Jahren nicht gelungen ist: Seinen Freundeskreis dazu zu animieren, ihn doch einmal auf Messen oder Galerierundgänge zu begleiten. So frustrierend es klingen mag: Vermögende Hamburger der jüngeren und mittleren Generation haben offenbar erhebliche Schwellenängste, wenn es darum geht, eine Galerie zu betreten oder auf eine Kunstmesse zu fahren. Holle jedenfalls begegnen außerhalb der Stadt immer nur dieselben Gesichter, und das sind nicht mehr als zwanzig – nicht viel für eine Stadt mit rund 1,8 Millionen Einwohnern. Selbst der Versuch, mit einer kleineren Gruppe auf die abc zu fahren, schlug fehl. Stimmt es also wirklich, dass reiche Hamburger sich nur für schöne Autos, Segelboote und Immobilien an Alster und Elbe begeistern können? Gibt es sie tatsächlich noch, die sprichwörtlich kulturfeindliche Pfeffersack-Mentalität?
Herr Holle will es jetzt wissen. Wenn die Hanseaten nicht zur Kunst fahren, dann muss sich diese eben auf den Weg nach Hamburg machen. Rund 30 deutsche Galerien, die ihm in den letzten Jahre aufgefallen sind, hat er eingeladen, darunter Berliner wie Contemporary Fine Arts, Michael Schultz oder Crone. Aus Leipzig ist Kleindienst vertreten, aus Dresden und Berlin Gebrüder Lehmann, aus Köln kommen Figge von Rosen. Aus Hamburg selbst sind nur vier Galerien dabei: Die Produzentengalerie, Levy und die Galerie Polarraum und Anne Moerchen. Hier sieht der Veranstalter, der sich klar zur figurativen Malerei bekennt, eher eine Tendenz zu konzeptuellen Positionen. Jeweils einen Künstler hat Holle selbst ausgesucht. Einige Galerien haben dann noch eine zweite Position mitgebracht.
Mit dem typisch hanseatischen Elbhof, einem um 1905 errichteten Kontorhaus, vis-à-vis der Speicherstadt, hat Holle eine Location gefunden, die nordisches Flair mit guter Lage verbindet. Der Salon der Gegenwart selbst findet im ehemaligen Domizil einer bekannten Werbeagentur statt. Die Räume dort sind recht unterschiedlich, doch immerhin das großzügige Entrée mit weiß lackierten Eisensäulen eignet sich gut für die Präsentation. Einige der leer stehenden Büros mit beiseitegeschobenen Milchglaswänden tun dies weniger. Fehlende Wandflächen wurden kurzerhand durch rollbare Wandelemente ersetzt. Die können praktischerweise an die Seite bugsiert werden, wenn Holle am Samstagabend zum großen Dinner für Künstler, Sammler und Sponsoren lädt. Über 100 der 120 Plätze hat er schon verkauft. Für 99 Euro gibt es ein Drei-Gänge-Menü mit pochiertem Lachs und Entenkeule. Ob die Veranstaltung auch was den Absatz der Bilder angeht, ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten – schließlich war schon der ambitionierte Versuch der Galerien
Karin Guenther,
Katharina Bittel und Figge von Rosen, die Hamburger im modernistischen Ambiente der frisch renovierten Reemtsma Villa im Mai 2010 zum Kunstkauf zu verführen, nicht gerade von grandiosem Erfolg gekrönt.