Rückgabe von Gustav-Klimt-Werken aus dem Wiener Belvedere nach Los Angeles

Adele ade!

Henrike von Spesshardt
23. Januar 2006
Fünf zentrale Werke des österreichischen Künstlers Gustav Klimt (1862-1918), die das Herzstück der Sammlung der Österreichischen Galerie im Belvedere in Wien bilden, müssen nach einem jüngst veröffentlichten Schiedsspruch an die Ende 80-jährige Nichte der ehemaligen Eigentümer der Bilder – die in Los Angeles lebende Maria Altmann und ihre Familie – zurückgegeben werden. Vorausgegangen war der Restitution der Gemälde ein mehr als fünf Jahre andauernder Rechtsstreit, in dem die Erbin die Rückgabe der Arbeiten von der Republik Österreich gefordert hatte. Nach erfolglosen und verfahrenen Verhandlungen hatte im Mai 2005 ein Schiedsgericht in Einverständnis beider Parteien seine Arbeit aufgenommen und kam nun zu dem rechtskräftigen Urteil, der Anspruch der Erben sei rechtens und sofort umzusetzen.

Am Dienstag vergangener Woche hatte die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Elisabeth Gehrer, daraufhin den Eigentumsanspruch der Republik offiziell aufgegeben. Bisher hatte Österreich Maria Altmann nur Einzelstücke aus der umfassenden Kunstsammlung ihres Onkels zurückgeben, darunter Alt-Wiener Porzellan und Zeichnungen von Klimt. In ihrem Testament hatte die bereits 1925 verstorbene, auf zwei der Gemälden abgebildete Adele Bloch-Bauer ihrem Ehemann ans Herz gelegt, die Bilder der Galerie ihrer Heimatstadt zu vererben. Allerdings musste der Klimt-Förderer und Zucker-Großindustrielle Ferdinand Bloch-Bauer 1938 als Jude vor den Nationalsozialisten in die Schweiz flüchten, wo er 1945 starb. Bereits 1939 war seine Sammlung beschlagnahmt worden. Die Bilder Adele Bloch-Bauer I, Adele Bloch-Bauer II, Birkenwald/Buchenwald, Apfelbaum I sowie Häuser in Unterach am Attersee gelangten so in der Folge aufgrund der testamentarischen Anmerkungen ins Belvedere.

Die Zukunft der Gemälde ist nun ungewiss. Der Wiener Anwalt der Erbin ließ der österreichischen Presse gegenüber verlauten, alle Erben seien prinzipiell dazu bereit, die Bilder zu einem angemessenen Preis zu verkaufen. Dass dieser weitaus höher ausfallen müsste als die von Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk in der eiligen Idee eines „Klimt-Kredits“ proklamierten 100 Millionen Euro, ist leicht ersichtlich. Allein das Bildnis Adele Bloch-Bauers liegt bei einem Schätzwert von 70 Millionen Euro. In den vergangenen zwanzig Jahren tauchten so gut wie nie vergleichbare Gemälde von Klimt im internationalen Auktionshandel auf. Letzte Möglichkeit zum Ankauf eines echten Klimts bot im November 2003 das Angebot über das Ölgemälde Landhaus am Attersee von 1914, für das bei Sotheby’s in New York über 29 Millionen US-Dollar aufzubringen waren. Davor hatten das Schloss Kammer am Attersee II von 1909 rund 23,5 Millionen US-Dollar (Christie’s London, Oktober 1997) und die Dame mit Fächer 11,6 Millionen Millionen US-Dollar (Sotheby’s New York, Mai 1994) eingebracht.

Schon titelt die Lokalpresse: „Wir sind Klimt“ und beweint verständlicherweise den Abschied der Nationalikonen, die man in den vergangenen drei Tagen aufgrund vorausgegangener Drohungen von Unbekannt, die Gemälde zu zerstören, nicht mehr hatte besuchen können. Aus „sicherheitstechnischen Gründen“ waren die Meisterwerke aus den Ausstellungsräumen der Österreichischen Galerie im Belvedere entfernt und im Depot verstaut worden. Damit folgte man einer dringenden Empfehlung des Bundesministeriums für Inneres und der Versicherungsgesellschaft der Österreichischen Galerie Belvedere. Ab dem 24. Januar werden alle fünf Gemälde wieder im Belvedere zu sehen sein. Vielleicht sollte man vorsichtshalber schon einmal Abschied nehmen von Adele und Co.


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