Roman Ondák in der Galerie im Taxispalais, Innsbruck

Spiegelblicke

Sabine B. Vogel
1. Februar 2007
Roman Ondák, Galerie im Taxispalais, Innsbruck. Vom 14. Januar bis 4. März 2007

Die ganze Welt ist sein Material: Wünsche und Ängste, Freunde und Verwandte, Autos, eine Schar von Eröffnungsbesuchern und sogar Fallschirme. Daraus formt der slowakische Shootingstar Roman Ondák Werke voller kleiner Gesten, stiller Aufforderungen oder nachhaltiger Denkanstöße. So ließ er für die Ausstellung „Ausgeträumt“ in der Wiener Secession (2001) alte Autos der Marke Skoda wochenlang hinter dem Gebäude parken, forderte die Besucher des Museum Ludwig per Anweisungstafel in Köln auf, aus Solidarität mit den jüngsten Weltereignissen ihre Tätigkeit bitte nicht zu unterbrechen (2002), hängte über das Balkongeländer des Grazer Rathauses einen Orientteppich (2002) und organisierte Warteschlangen vor dem Kölnischen Kunstverein (2003).

Während Ondák hier mit Vorurteilen, Ängsten und Erwartungen spielt, führt er bei seinen Beiträgen für die 27. S ã o Paulo Biennale im vergangenen Jahr deren Thema „Wie zusammen leben?“ ins Humorvoll-Absurde: Er fotografierte Freunde und Bekannte, die sich zur Häuslichkeit bekennen – und schickte die Bilder dieser „Antinomaden“-Serie als Postkarten und Kunstwerke rund um die Welt. Für den zweiten Beitrag bat er Freunde und Verwandte, ihre Vorstellungen einer Megapolis der Zukunft zu zeichnen. Beide Serien sind jetzt in der Innsbrucker Einzelausstellung zu sehen, die einer kleinen Retrospektive nahe kommt und die gesamte Bandbreite der feinen Spiegelungen Ondáks präsentiert.

Auch in den Performances Resistance – jenem Blick auf die offenen Schuhbänder an den Füßen von Vernissagegästen – oder The Stray Man – dem Mann, der wieder und wieder durch Schaufenster in irgendwelche Innenräume schaut – erblicken wir immer wieder vor allem uns, unser Verhalten, unsere Erfahrungen, unsere Reaktionen. Oder unsere Rituale wie in der Fotografie Wishing Coin, die jenen Moment festhält, in dem eine Münze ins Wasser eintaucht – ein Bild als unendliche Wunschmöglichkeit, die Erfüllung des Wunsches nach Wünschen.

Diese Spiegelsituationen, die so typisch für Roman Ondáks Werk sind, erfahren in der eigens für Innsbruck konzipierten Installation Here or Elsewhere eine unerwartete Brechung: Auf dem Glasdach des Souterrain-Raumes liegt ein Fallschirm. Wir schauen von unten auf und durch dieses merkwürdige Material, das uns eigentlich gegen allen Windwiderstand trägt, jetzt aber fast transparent wie Luft den Blick in den Himmel lenkt. „Ich versuche zwischen den Zeilen interessante Dinge zu entdecken“, erklärt Ondák und fasst damit kurz und bündig seinen konzeptuellen Ansatz zusammen, der in außergewöhnlicher Weise gesellschaftskritische Themen mit poetischen Bildern verbindet.


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