Richard Prince bei Sprüth Magers, Köln

Cowboys und einsame Riesen

Barbara Josepha Scheuermann
23. November 2006
Richard Prince, „Cowboys, Mountains and Sunsets“, Galerie Sprüth Magers, Köln. 7. November bis 22. Dezember 2006

Walter Dahn, „songs for lonely giants“, Galerie Sprüth Magers, Köln. 4. November bis 22. Dezember 2006

Am 8. November 2005 wurde bei Christie’s New York der Untitled (Cowboy) (1989) von Richard Prince für 1.248.999,- US-Dollar (rund 972.000,- Euro) versteigert. Seitdem wird Prince (geb. 1949 in Panama, lebt in New York) gerne der One-Million-Dollar-Man genannt, denn damit ist das Werk die erste Fotografie, die auf dem Kunstmarkt die Millionenmarke durchbrochen hat – zumindest in US-Dollar. Übertroffen wurde das Rekordergebnis inzwischen im Mai dieses Jahres bei einer Sotheby’s-Auktion in New York, als Andreas Gurskys 99 cent für sagenhafte 2.256.000,- US-Dollar (ca. 1.756.736,- Euro) den Besitzer wechselte. Seither gibt es also auch noch den Two-Millions-Dollar-Man.

Monika Sprüth und Philomene Magers präsentieren zur Zeit in ihrer Kölner Galerie Richard Princes „Cowboys, Mountains and Sunsets“ aus den letzten zwanzig Jahren sowie seine „Tire Planters“ (Reifen-Übertöpfe) von 2005. Letztere stehen hübsch bepflanzt im Ausstellungsraum und verbreiten ihrem früheren Leben als Autoreifen zum Trotz einen adretten Charme. Die bei Sprüth Magers gezeigten Fotografien von Prince bewegen sich preislich im Rahmen zwischen 85.000,- und 500.000,- US-Dollar. Auch hier sind es die „Cowboy“-Bilder, die sich an der oberen Grenze des Spektrums liegen. Mit diesen Fotos hat Richard Prince schon früh Aufsehen erregt, denn er hat sie Anzeigenkampagnen von Marlboro entnommen – „re-photographed“, wie er selbst es nennt. Nicht wenige würden vermutlich bis heute lieber von „geklaut“ sprechen.

Nicht zuletzt deshalb wird Richard Prince stets zu den Künstlern gezählt, die mit ihrer Kunst der Aneignung, der „Appropriation Art“, wesentliche Parameter der modernen Kunst in Frage gestellt und damit ins Wanken gebracht haben. Originalbegriff und Autorschaft geraten in Bildern wie den Cowboy-Fotografien durcheinander und lösen sich letztlich auf: Dass ausgerechnet eine „angeeignete“ Fotografie auf dem Kunstmarkt alle Rekorde bricht, ist besonders bemerkenswert – und wiederum natürlich auch darauf zurückzuführen, dass das Motiv des Marlboro-Mannes der „Inbegriff (ist) von Souveränität, Coolness und amerikanischem Gründungsmythos. Und das auch noch in den amerikanischen Nationalfarben.“ (Stefan Koldehoff in der Welt am Sonntag, 5.11.06). Diese Mythologisierung einer Werbekampagne war es, was Richard Prince interessierte und ist es offensichtlich, was Kunstkäufer noch heute fasziniert.

An dieser Stelle soll nicht darauf verzichtet werden, die Künstlerlegende Prince kurz darzulegen: Ende der 70er Jahre arbeitete Richard Prince bei Time-Life in New York. Dort gehörte es zu seinen Aufgaben, Magazine durchzuforsten und die Artikel an ihre jeweiligen Autoren zu schicken. Am Ende dieses Vorgangs blieben die um ihre Texte entleerten Magazine zurück, die nur noch die Werbebilder, das Hochglanzmaterial enthielten. Hieraus ergab sich seine Arbeit mit den „autorenlosen“ Bildern der Werbung. „Die Bilder waren einfach da und es gab genug von ihnen“, erklärt Prince – warum dann neue machen?

Neben den immer wieder erheiternden „Desert Island“-Bildern mit Cartoons aus Zeitungen und den Gangs sind bei Sprüth Magers auch Arbeiten aus der „Upstate“-Serie zu sehen – Bilder, die Richard Prince Ende der 1990er Jahre in der Nähe seines Wohnortes in Upstate New York selbst aufgenommen hat. Wenn sich auch Bildsprache und Ästhetik vollkommen vom Hochglanz der Cowboy- und Sunset-Bilder unterscheiden, so ist doch auch in diesen oft sehr alltäglichen Motiven das Interesse des Künstlers an Aspekten der vermeintlichen Künstlichkeit und Inszenierung banalster Situationen zu erkennen. Dabei legt er Wert darauf, dass er Bilder nicht sucht, sondern findet. Wie gesagt: Die Bilder sind einfach da, es gibt genug von ihnen.

Im kleineren Raum der Galerie Sprüth Magers werden Arbeiten von Walter Dahn präsentiert. „songs for lonely giants“ vereint zum 1970er-Jahre-Soundtrack aus kleinen Boxen in der Ecke Objekte und Bilder, für die Dahn aus Pop, Film, Musik, Kitsch, Volkskunst, Ethnologie, Kunstgeschichte sowie aus seinem persönlichen Umfeld und der Natur schöpft. Seit den späten 1980er Jahren gehört der Siebdruck zu Dahns bevorzugten Verfahren. Indem er Unikate oder Serien in geringer Anzahl herstellt und die Methode, die ursprünglich für die Hochglanzwelt der Werbung erfunden worden war, auf natürlichen Materialien wie Stoff, Gaze, Pappe, Filz oder Leinen anwendet, entfremdet er vermeintlich vertraute Techniken. Damit bewegen sich Dahns künstlerischen Interessen in der Nähe der Strategien von Künstlerfreund Richard Prince – im Gegensatz zum Preisspektrum, das bei Walter Dahn zwischen 3.000,- und 8.000,- Euro liegt.


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