Reynold Reynolds - artnet Questionnaire

Where is Reynold Reynolds?

11. Oktober 2007

(1) Wer sind Sie?

Reynold Reynolds.

(2) Warum machen Sie Kunst?

Um Künstler zu sein.

(3) Worauf bezieht sich Ihre Kunst?

Entfremdung, Verleugnung.

(4) Wer braucht Ihre Kunst?

Mir fällt eigentlich niemand ein, der meine Kunst braucht. Menschen brauchen Essen.

(5) Was bezweckt Ihre Kunst?

Kunst findet ihren Zweck in sich selbst.

(6) Wer interessiert sich für Ihre Kunst?

Sehr intelligente Sammler, mutige Kuratoren, feinfühlige Kritiker, Kinder…

(7) Was ändert sich durch Ihre Kunst?

Ich bin weder politischer Künstler noch bin ich Lehrer, Journalist oder Prediger. Mit meiner Kunst versuche ich nicht, etwas zu ändern.

(8) Ist Ihre Kunst schön?

Ja. Meine Inspiration finde ich zwischen dem Schönen und dem Grotesken. Die Bilder meiner Arbeiten haben daher etwas Abstoßendes und Anziehendes zugleich.

(9) Welche Frage fehlt Ihnen?

Was ist Ihre Kunst?
 



Der Künstler und Filmemacher Reynold Reynolds wurde 1966 in Alaska geboren. Über ein Stipendium der American Academy kam er 2004 nach Berlin. Seine Arbeiten handeln häufig von Verfall; eine Atmosphäre unbestimmter Angst dominiert, während es den dargestellten Personen unmöglich ist, darauf zu reagieren. Ebenso wie Reynolds Status als Fremder in Berlin sind seine Arbeiten oft unheimisch, unheimlich. Häufige Schauplätze sind die Innenräume privater Wohnungen, Vorstellungen von Behaglichkeit und Schutz werden unterwandert. Feuer brechen aus, Wasser bricht ein, natürliche Verfallsprozesse nehmen ungehindert ihren Gang wie etwa in der Arbeit Burn (2002), die bei der letzten Berlin Biennale zu sehen war. Drowning Room (2000), die 2006 in der Ausstellung „Into Me/Out of Me“ in den KW Berlin lief, porträtiert die Menschen einer Vorort-Wohngegend. Die Zimmer der Häuser sind bis unter die Decke mit Wasser geflutet, eine Verständigung ist den Bewohnern fast unmöglich. Die Installation Six Apartments (2007), die noch bis zum 20. Oktober in der Berliner Galerie Alexandra Saheb ausgestellt ist und danach in der New Yorker Roebling Hall zu sehen sein wird, ist weniger ereignisreich, jedoch umso lethargischer. Unterschiedliche Wohnszenen werden „ausgestellt“, jeder Augenblick des körperlichen und mentalen Verfalls wird nachgezeichnet. Wie in den anderen Arbeiten ist auch hier die Kamera allein registrierendes Werkzeug, objektiv zeichnet sie das Geschehen auf, ohne wertend einzugreifen. After the Vernissage, 2007, ist ein groteskes Neue-Heimat-Spiel. Ort des Geschehens ist eine Berliner Bar, in die man sich nach einer Ausstellungseröffnung trifft. Die teilnehmenden Personen glaubt der Betrachter von Vernissagen her zu kennen. Mit einem Mal entstehen Streitigkeiten und sogar Handgreiflichkeiten. In Reynolds Filmen kommen bedrückende Phantasmen auf, nicht nur über den Kunstort Berlin.



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