CRMBanner

27. Juni 2012
Der 1988 verstorbene Künstler Paul Thek ist so aktuell wie nie zuvor. Nun erinnert das Duisburger LehmbruckMuseum in einer konzentrierten Kabinettsausstellung an den Ausnahmekünstler aus Brooklyn.
2011
März
Vor 43 Jahren gastierte Ferdinand Kriwet schon einmal in der Kunsthalle Düsseldorf – und avancierte zum Pionier der Mixed Media. Dann brach er mit dem Kunstbetrieb, um 16 Jahre später wieder aufzutauchen. Nun kehrt er an den Ort zurück, an dem alles begann.
Februar
Meret Oppenheims Pelztasse ist eine Inkunabel des Surrealismus – und heute fast so bekannt wie die Mona Lisa. Eine Hamburger Ausstellung zeigt, welche Aktualität und Ausstrahlung „Das Ohr von Giacometti“ auf jüngere Künstlergenerationen hat, zu der besonders viele Frauen zählen.
Auf der 61. Berlinale debütierte der spanische Aktionskünstler Santiago Sierra mit seinem überaus gelungenen Film „No, Global Tour“ – eine Truck-Reise durch Europa. Seine Stopps: Industrieanlangen, das EU-Parlament und die Berliner Kunstmesse.
Ihre Bilder bevölkern Hengste, Hooligans, Hermaphroditen. Sexuell überbordend und voll praller Ornamentik, dekonstruiert Cornelia Renz‘ groteske Malerei das Lieblingsthema der Künstlerin: das Geschlecht.
Fiebrige Melancholie statt coole Ambitionen: Der Brite Simon Logan zelebriert mit absurden Basteleien und surrealen Zeichnungen die Zweifel an der Kunst – zuallererst an seiner eigenen.
Mit der Ausstellung „Surreale Dinge“ feiert die Frankfurter Schirn Kunsthalle das Fremde im Vertrauten. Mit seltsamen Objekten sticht sogar mancher große Unbekannte die Prominenz um Duchamp und Dalí aus.
In Wiesbaden zeichnet die Ausstellung „Über das Geistige“ den Einfluss des deutschen Expressionismus auf die „New York School“ nach. Sie schließt damit endlich eine Lücke in den Neuerungen der Kunstgeschichte, die Amerika gern für sich reklamiert.
Hamburgs Tätowiererlegende Herbert Hoffmann mochte es handfest. Seine Porträts zum Teil ganzkörpertätowierter Seeleute und Schausteller stehen in der Tradition der Fotografien August Sanders. Sie sind nun bei Susanne Zander in Köln zu sehen.
Die Neuauflage einer Performance fordert immer ein kompromissbereites Publikum. Doch auch Toleranz kennt Grenzen. Der jüngste Versuch erzählt die Geschichte einer gescheiterten Präsentation und nichts von der konsequent radikalen Künstlerin Charlotte Posenenske.
Ein angebissener Sesamkringel verwandelt die Welt: Die gelungene Gruppenausstellung „Transformed Objects“ im Düsseldorfer Ausstellungsraum Kai 10 spürt das Surreale im Minimalen auf.
Zwischen Science-Fiction und Flimmersinfonie: Susanne Rottenbacher taucht die Kölner Galerie Teapot mit Kunststoffringen, Spiegeln und Leuchtdioden in ein kinetisches High-Tech-Lichtermeer
Katja Strunz reibt sich an den Vätern der Moderne. Das sieht man ihren Skulpturen, wie sie bei CFA ausgestellt sind, an: Verletzt, versehrt, verbogen wirken sie wie Untote, die von vergangenen Zeiten erzählen.
Er war der Poet des Verschwindens – bis er selber 1996 mit nur 38 Jahren an AIDS starb. Seine Skulpturen, ephemer wie das Leben, erzählen von Abwesenheit, Erinnerung, Tod. Doch der Geist des Felix Gonzalez-Torres lebt weiter: in einer grandiosen Retrospektive im Frankfurter MMK.
In Düsseldorf feiert die Nicola Erni Collection mit „Zeitgeist & Glamour“ den Jetset von St. Moritz bis New York – und zeigt erstaunliche Schnappschüsse jenseits des Mainstreams.
„Freedom of Speech“ nimmt im Hamburger Kunstverein die Frage nach der Meinungsfreiheit ins Visier. Was nach Kuratieren aus dem Lehrbuch klingt, ist tatsächlich eine lebendige Ausstellung, die nachdenklich stimmt.
Januar
Wade Guyton haucht Albertis Paragone neues Leben ein: Per Wettstreit zwischen Druckerpatrone und Konzeptkunst produziert der Künstler Schlieren und Spritzer und erhebt den Fehler zum System. Dass das ziemlich spröde aussehen kann, zeigt seine aktuelle Ausstellung bei Capitain Petzel.
Seine Collagen wirken verspielt, organisch, romantisch – und haben mit dem Label „Formalismus“, das ihm so oft aufgeklebt wird, wenig zu tun. Denn Dirk Stewen sieht seine geistige Heimat ganz woanders: im Mittelalter.
Trompe-l´œil-Malerei und Arts-and-Crafts: Lucy McKenzies Kunst könnte kaum weniger selbstreferenziell daherkommen. Mit Tischlern, Architekten und Musikern bastelt sie an einem Kunstbegriff, der traditionelles Handwerk und Networking vereint.
Stefan Thater ist ein Meister der Verfremdung. Was er an der Hamburger Akademie Isotrop lernte, setzt er bis heute in spielerisch abstrahierten Objekten um – und zeigt, wie man Metallkisten, PVC-Planen und Briefumschlägen ihre Schönheit entlockt.
Große Themen und gigantische Formate: Jonas Burgerts Bilder kritisieren die gehaltlose Postmoderne und repräsentieren auf dramatische Weise den deutschen Weltschmerz.
Zum dritten Mal findet der Galerienaustausch zwischen Berlin und Paris statt. Den Auftakt machen 14 Pariser bei ihren deutschen Kollegen und zeigen teilweise Ausstellungen von Top-Qualität. Ob das Projekt aber auch weiterhin eine Zukunft hat, steht in den Sternen.
In ihrem radikalen Werk zeigt Teresa Margolles Leichenwaschwasser, Körperflüssigkeiten und wertlose Reliquien. Sie polarisiert und schafft doch einen Moment der Stille. Ihr Material entnimmt sie den blutigen Straßen Mexikos und bedient sich damit den Spuren einer Wirklichkeit, die keine Zukunft kennt.
Klara Lidén untermauert in der Bonner Blauorange-Preisausstellung ihre Rolle als Talk-of-the-Town des Kunstbetriebs – und zwar mit einem Werk, das jenseits von aktuellem Argwohn und Wohlwollen eine einzigartige Kraft entfaltet.
Er gilt als Heiland der Youtube-Generation: Cory Arcangel geht der Essenz von Photoshop und Amateurfilmen auf den Grund und hält der jüngsten Zeitgeschichte den Spiegel vor.
Von Highways, Hurrikans und Vietnam-Veteranen: Mitch Epstein, der Klassiker der Street Photography, bietet den fulminanten Auftakt für die Ausstellungsreihe amerikanischer Farbfotografie im Kunstmuseum Bonn.
2010
Dezember
Poul Gernes war lange vergessen. Erstaunlich, denn der dänische Künstler produzierte nicht nur Unmengen an poppig-bunten Leinwänden. Gemeinsam mit seiner Familie malte er ein Krankenhaus aus, das man in Dänemark gern das „größte Gemälde der Welt“ nennt. Die Deichtorhallen zeigen nun die verdiente Retrospektive.
Puppen in Lebensgröße und mystische Waldlichtungen: Schauereffekte sind Duane Hanson und Gregory Crewdson sicher. Trotzdem könnten der Pop-Art-Künstler und der Fotograf kaum verschiedener sein. Das Museum Frieder Burda bringt die beiden in Dialog – und schafft einen Ort der Stille.
Fingerleuchter, Tiefgekühltes und Penishypnosen – die Galerie Joanna Kamm stellt instinktsicher Abseitiges und Absurdes zu einem ungewöhnlichen Parcours zusammen.
Er wollte den Blick des modernen Menschen revolutionieren, dessen Sinne schärfen und ihn auf die neue Zeit einschwören. László Moholy-Nagy trieb die Avantgarde mit Lichtexperimenten voran – in Berlin sieht sein Werk allerdings blass aus.
Mark Morrisroe arbeitete gegen die Zeit. Sein todgeweihtes Leben dokumentierte er in sphärischen Fotografien, die von Exzessen und Sehnsüchten erzählen – Werk und Biografie bilden eine Symbiose. In Winterthur wird der Künstler nun neu entdeckt.
Spießbürger oder Revoluzzer? Als Prototyp der Sechziger konnte sich Uwe Lausen nicht entscheiden. Auch seine Bilder mixen die Stile – und nehmen Banksy und Kippenberger vorweg. artnet sprach mit dem Sammler Harald Falckenberg, der Lausens Werk zum 40. Todestag ausstellt.
Rodney Graham ist Kanadas King of Appropriation. In seiner umfassenden Retrospektive durchforstet er Werke von Georg Büchner, Donald Judd und John Cage – und führt dabei ihr komisches Potenzial ans Licht.
Jenseits von Neo-Geo: Peter Halleys knallbunte Rasterbilder sind weit mehr als coole Abstraktionen. Sie erzählen von urbaner Tristesse – und weisen einen Weg in die Postmoderne. Als auratische Einzelstücke im White Cube bleiben sie allerdings stumm.
Sein Werk blieb unvollendet – und könnte doch kaum hermetischer sein. Die KW Institute for Contemporary Art in Berlin zeigen die erste große Einzelausstellung des jung verstorbenen Künstlers Absalon.
Ein bisschen Abstand tut immer gut. Vor allem zu Fliegenpilzen und Rentierurin. Wie wirkt Carsten Höllers umstrittene Installation Soma, nachdem sich der mediale Trubel um sie gelegt hat? Das eigentliche Versuchskaninchen im Hamburger Bahnhof bleibt der Mensch.
November
Für sich genommen sagen einzelne Buchstaben nichts oder wenig aus – im Zusammenhang können sie, buchstäblich, alles bedeuten. In ihren aktuellen Fotoarbeiten zeigt Natalie Czech, welch lyrisches Potenzial in jedem Text steckt.
Es musste wohl so kommen: John Currin hat eine Reihe furchtbarer Kunstwerke produziert, die zurzeit in der Gagosian Gallery an der Madison Avenue zu sehen sind. Mit dem Gezeigten ist er letztlich im Misthaufen seines eigenen plüschigen Kitsches untergegangen.
Minimal Art zum Mitmachen – lange bevor es Kunst zum Draufsitzen, Aufessen und Anfassen gab, arbeitete Franz Erhard Walther an seinem „Partizipatorischen Minimalismus“. Jetzt wird sein Werk in Berlin neu entdeckt.
Seine Filme fallen aus der Rolle: Harun Farockis Ausstellung „Weiche Montagen/Soft Montages“ im Kunsthaus Bregenz zeigt, wie Kunst jenseits von bloßem Design oder platter Politik zum visuellen Kommentar werden kann.
Ethno-Kitsch und archaischer Ästhetizismus - wie sehr man Joseph Beuys missverstehen kann, zeigt eine Ausstellung mit jungen Künstlern, die in Münster inhaltsfreie Öko-Kunst präsentieren.
Sozial engagierte Kunst gehört heute zum guten Ton. Der Brite Stephen Willats begann mit seinen Randgruppenaktionen schon 1965 – und avancierte zum Pionier dieser Kunstrichtung.
Menschen mit Fantasie sollten die Ausstellung von Jason Dodge meiden.
So brav waren die Beiträge der Nominierten für den Turner Prize wohl noch nie. Was ist los mit der britischen Kunst?
In der „Stalintorte“ ist die Demokratie lebendig wie nie. Der niederländische Künstler Aernout Mik entwirft in seiner Videoinstallation Szenen utopischer Zustände.
Oktober
Die Bühne auf die Bühne bringen: Barbara Bloom beleuchtet bei Lüttgenmeijer, Berlin, die Kunst unter dem Aspekt ihrer Aufführung.
Keren Cytters aktuelle Schau bei Christian Nagel, Berlin, schaut wie gewohnt in emotionale und existenzielle Abgründe. Doch wird sie etwa selbstironisch?
Großartige Künstler, wenig Konzept: Die Gruppenschau „Untitled (Ohne Titel)“ in der NGBK, Berlin, will sich nicht zur schlüssigen kuratorischen Einheit fügen.
Kuratorisches Gesamtkunstwerk: Die Gruppenschau „My Lonely Days Are Gone“ bei ARRATIA, BEER, Berlin, macht aus Abstraktion im besten Sinne Interior Design.
Amie Siegel führt Krieg. In ihrer Berliner Ausstellung schlagen fiktive Kombatantinnen schlachten gegen die Zeichensprache unserer Mediengesellschaft.
Die Ausweitung der Kunstgeschichte: Die Schau „Das Verlangen nach Form“ in der Akademie der Künste, Berlin, stellt die brasilianische Moderne vor.
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