RAF-Ausstellung

Die RAF-Ausstellung polarisiert. Zwischen Mythos und Revolutionsromantik einerseits und Medienanalyse andererseits angeordnet, verschließt sich die zeitgeschichtliche Erfahrung der Rote Armee Fraktion. Wird in der Ausstellung Geschichte aufgearbeitet oder neutralisiert? Die artnet Autoren diskutieren aus verschiedenen Blickwinkeln die kontroverse Ausstellung.

Eine Kunstausstellung, die sich dem zuallererst politisch zu verstehenden Phänomen des linken Terrors in der Bundesrepublik in Gestalt der Roten Armee Fraktion (RAF) zuwendet, muss sich auch der politischen Kritik stellen. Insbesondere gilt dies, wenn die Reduktion der Ausstellung auf Kunst und Medienbilder eben die Ausschaltung der politischen Reflexion und das Entwinden der ästhetisch-politischen Inszenierungen aus dem kritischen Diskurs beabsichtigt. Die von den Berliner Kunst-Werken veranstaltete Ausstellung Zur Vorstellung des Terrors markiert diese Absicht bereits durch den Verzicht auf eine kritisch-wissenschaftliche, zeit- und gesellschaftshistorische Perspektive, die sie durch eine Präsentation von Medienberichten und -bildern ersetzen zu können meint. Doch die Reduktion auf Kunst macht nicht nur den Raum für die Ästhetisierung der politisch-terroristi­schen Gewalt frei – diese Ästhetisierung ist Programm.

Fraglos ist die RAF-Ausstellung ein Kunstereignis. Allein schon durch die Diskussionen in den Medien über sie. Eine wirkliche „Annäherung an die Zeit des bundesdeutschen Terrors“ bietet sie aber nicht. Zu sehen sind über hundert Exponate von zweiundfünfzig Künstlern: Gemälde, Skulpturen Collagen und Videoinstallationen. Unter anderem von Josef Beuys, Hans-Peter Feldmann und Gerhard Richter. Welche Annäherung an die Wirklichkeit des Terrors und seiner Drahtzieher ermöglicht die Ausstellung? Dr. Butz Peters – Journalist, Rechtsanwalt und Autor des Buches „Tödlicher Irrtum – Die Geschichte der RAF“ – blickt auf die Fakten hinter der Kunst. Dabei wird glasklar, was die RAF-Ausstellung eben nicht über die RAF bringt…

Sowohl K.R.H. Sonderborg (geboren 1923) als auch Gerhard Richter (geboren 1932) befassten sich in einer Reihe von Bildern mit dem Tod der RAF-Mitglieder am Ende des so genannten Deutschen Herbstes. Gemeinsam ist beiden Malern dabei, dass sie bei der Findung ihrer Motive auf Presse- und Polizeifotos zurückgegriffen haben. Umso verwunderlicher ist es deshalb, dass bislang eine direkte Gegenüberstellung ihrer Arbeiten zu diesem Thema nicht stattgefunden hat. Auf der Hand liegt dabei vor allen Dingen eine Frage: Wo sind die Gründe für die unterschiedliche Rezeption beider Werke zu suchen?

Die sucht sich einen vorsichtigen Weg aus dem Dickicht der Vorwürfe. Von Ignoranz dem Antisemitismus der RAF gegenüber über Mythosbildung bis zur Verletzung der Gefühle der Hinterbliebenen der Opfer der Rote Armee Fraktion reicht die Bandbreite. Dabei will die Ausstellung nur zeigen, was schon längst in der Öffentlichkeit ist. Künstler reagieren auf die Medienöffentlichkeit zur RAF, die wiederum auf die Künstler reagiert.

Die aktuelle Ausstellung „Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung“ in den Berliner Kunst-Werken wirft nicht zuletzt die Frage nach den Möglichkeiten politischer Ikonografie in Werken der aktuellen Kunst auf. Im intellektuellen Zentrum der Ausstellung steht mit Gerhard Richters Zyklus „18. Oktober 1977“ von 1988 (New York, Museum of Modern Art) eine Arbeit, die in der Ausstellung nicht gezeigt wird. Setzt sich Richter in diesem Zyklus insbesondere mit den medialen Grenzen von journalistischer Bildberichterstattung und klassischer Historienmalerei auseinander, so bildet sein monumentales Wandbild „Schwarz Rot Gold“ von 1998 den Versuch, der »unästhetischen Demokratie« (Walter Grasskamp) mit den Mitteln gegenstandsloser Malerei zu künstlerischer Repräsentation zu verhelfen. Der Kunsthistoriker Uwe Fleckner, Hamburg, hat diese Zusammenhänge in einer neueren Studie untersucht.

„Es geht um Medien, es geht nicht um Moral", sagt Klaus Biesenbach über die RAF-Ausstellung. Nach dem Treffen der deutschen Verrenkungskünstler am 28. Januar auf der Pressekonferenz für die RAF-Ausstellung ist klar, was die Ausstellung nicht will. Sie will nicht über die RAF nachdenken. Es ginge nur um die mediale Wirklichkeit der RAF, so die Kuratoren. Was aber wollen die Kuratoren? Sie wollen vom Thema profitieren. Es gehe um Medien, sagt Klaus Biesenbach. Genau das bekommt er. Die Medien überschlagen sich in ihrer Berichterstattung.