Politiker lancieren weiteren Kunsthallenstandort

Lob der leeren Hülle

Gerrit Gohlke
11. Juli 2007
Unerwartet wird der Kunstsommer 2007 von hitzigen Diskussionen geprägt. Die Kritiker streiten mit Kuratoren um das richtige Konzept, mit dem sich die Gegenwartskunst auf einer hessischen Weltausstellung vorführen ließe. In Berlin aber gehen die Uhren, wie so oft, anders. Hier hat sich die Kunsthallenfrage seit einiger Zeit in eine Standortdebatte verwandelt. Berliner Lokalpolitiker haben nun abermals einen neuen Standort ins Spiel gebracht.

Das Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg, das bisher vor allem durch antikünstlerische Ressentiments aufgefallen war, als es sich hartnäckig einer klaren Lösung für die international anerkannte Künstlerresidenz Bethanien widersetzte, hat einen Blumengroßmarkt als Obdach einer künftigen Kunsthalle vorgeschlagen. Ausgehend von einer Idee des Architekten Wolfgang Göschel hatte Alice Ströver, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, die Immobilie ins Gespräch gebracht. Auf Antrag der Grünen und der Linken hat sich das Lokalparlament diese Forderung nun überraschend zu eigen gemacht und propagiert die 4.300 Quadratmeter große, tageslichtdurchflutete Halle am südlichen Ende der Friedrichstraße als Ausstellungsort. Das Gebäude steht ab 2010 leer, wenn sich die genossenschaftlichen Blumenvermarkter an einem verkehrsgünstiger gelegenen Standort in Tiergarten mit den Obsthändlern verbünden werden.

Die Umdeklaration der reizvollen Blumenhalle folgt damit einem Berliner Trend. Die dringende Suche nach einer aktiveren Heimstatt für die florierende Kunstszene der Stadt wird von architektonischen Überbietungsangeboten beherrscht. Seit dem durchschlagenden Erfolg einer temporären Ausstellung im exotisch-historischen Palast der Republik ist die alte Kunsthallenfrage plötzlich als Raumfrage virulent. So lancierte etwa das Berliner Kulturmagazin Monopol die Debatte mit einem publikumswirksamen Architekturwettbewerb, während die Inititatoren der vielgelobten Palastausstellung um Constanze Kleiner und Coco Kühn unter dem Projektnamen White Cube mit einer temporären Gegenarchitektur reüssierten. Kurze Zeit später trat ein Gespann um den Kurator Markus Richter und den Veranstaltungsvermarkter Dimitri Hegemann mit dem Modem Space for Contemporary Music and Arts an die Öffentlichkeit und empfahl das monumentale ehemalige Kraftwerk Mitte als einen Kulturpalast, der kraft seiner Größe durchaus mit der Londoner Tate Modern zu vergleichen sei (Hegemann).

Dass Richter und Hegemann, unterstützt von dem Komponisten und Dirigenten Ari Benjamin Meyers, ihr mutiges Projekt unmittelbar an der Nordgrenze Kreuzbergs auf dem Territorium des reputierlicheren Bezirks Mitte ansiedeln wollen, mag die Kreuzberger Stadtteilpolitiker zusätzlich motiviert haben, aus der Deckung zu treten. Die entscheidende Frage aber, welches langfristig tragfähige inhaltliche Konzept eine Berliner Kunsthalle brauche, bleibt weiter unbeantwortet.

Die vier Berliner-Kunsthalle Vorschläge

www.berliner-grossmarkt.de
www.modem-berlin.de
www.kunsthalle-berlin.com

www.monopol-magazin.com


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