Pipilotti Rist
Filmstill aus Homo sapiens sapiens
Video
2005
2

Pipilotti Rist auf der 51. Venedig-Biennale

Werdet Frau!

Thomas W. Eller
22. Juni 2005
Die Videoinstallation Homo sapiens sapiens von Pipilotti Rist in der Kirche San Staë am Canale Grande, als zweiter Teil des Auftritts der Schweiz in Venedig, war sicher die am meisten beeindruckende der gesamten Biennale. Nachdem die lange Schlange am Eingang überwunden war und man sich der Opulenz der Bilder hingegeben hatte, tauchte man ein und ab in eine Welt von Sinnlichkeit und scheinbarer Unschuld. In den mehrfach gewölbten Himmel der Basilika San Staë hat die Schweizer Künstlerin aus vier, hinter verspiegelten Halbkugeln versteckten Projektoren Filmsequenzen projiziert, die den Kirchenraum zum Ausschnitt eines riesigen Bilderkosmos werden lassen. Doch nicht als Gegenüber begegnet man dem Werk, sondern als Sub-jekt der Projektion. Die Videoinstallation zeigt einen Kosmos der Frau, ohne Anfang und Ende, ohne Rahmen und Raster, erlaubt keine Positionierung, keinen Ort. Alles löst sich in Sinnlichkeit auf. Die Spannung zwischen den Geschlechtern tritt scheinbar nicht ein. Ist das unsere Zukunft, die Befreiung vom Geschlechterkampf?
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