Philipp Kaiser wird Nachfolger von Kasper König

Nach König kommt Kaiser

Georg Imdahl
26. August 2011

Das Museum Ludwig steht vor einem Generationenwechsel: Neuer Direktor wird Philipp Kaiser, derzeit noch Kurator am Museum of Contemporary Art in Los Angeles (Moca). Kaiser wird Kasper König ablösen, der 2012 aus dem Amt scheidet. Kaiser, geboren 1972 in Bern, ist damit nach Art Cologne-Chef Daniel Hug der zweite Protagonist mit Schweizerisch-Amerikanischen Kontakten, der in die Kölner Kunstszene einzieht. Die finale Bestätigung erfolgt in den nächsten Wochen durch ein Gremium auswärtiger Museumsleute, berufen durch den Kölner Kulturdezernenten Georg Quander. Die Entscheidung für Kaiser dürfte nun jede Spekulation über das Erbe eines der weltweit einflussreichsten Ausstellungsmacher beenden, mit dem das Museum Ludwig zu einem der wichtigsten Häuser für Gegenwartskunst aufgestiegen ist.

Königs designierter Nachfolger, der bei Gottfried Boehm über das Künstlerduo Teresa Hubbard und Alexander Birchler promoviert hat, studierte in Basel und Hamburg Kunstgeschichte und Germanistik und machte sich früh als Katalogautor und Kunstkritiker einen Namen. 2001 wurde er Kurator am Kunstmuseum Basel, wohin ihn Bernard Mendes Bürgi, damals dort Direktor, berufen hatte. Dort tat Kaiser sich vor allem mit monografischen Ausstellungen hervor, unter anderem zu Bruce Nauman, Daniel Richter und Simon Starling, sowie mit der viel beachteten Gruppenausstellung „Flashback – eine Revision der Kunst der 80er Jahre“, die die konzeptuellen Ansätze dieser Zeit und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart thematisierte. 2007 wechselte Kaiser ans „Moca“ – angesichts der amerikanischen Finanzkrise kein einfaches Unterfangen. Dennoch setzte der Kurator hier Ausstellungen zur kalifornischen Konzeptkunst um, zeigte erstmals eine museale Einzelausstellung von Sterling Ruby und arbeitete an einer Retrospektive des amerikanischen Künstlers Jack Goldstein mit.

Das Rheinland ist Kaiser nicht ganz fremd, war er doch 2007 in die einzige Ausgabe der Düsseldorfer Kunstmesse düsseldorf contemporary (dc) involviert, in deren Auswahlkomitee er mitwirkte; darüber hinaus war er Teil der Jury, die über die Leitung der sechsten Berlin Biennale 2010 entschied – das Rennen machte die früher auch in Köln tätige Kuratorin Kathrin Rhomberg. Kaisers Interesse an der Gegenwartkunst fußt auf einer klaren kunsthistorischen Basis; seine kuratorischen Ideen brachte er von 2004 bis 2006 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe ein, wo er Kunsttheorie und Kunstgeschichte lehrte.

An Kaiser demonstriert das Museum Ludwig nun seinen deutlichen Ruf nach einem Generationenwechsel. Dabei waren zahlreiche Personalvorschläge der Kölner Kunstszene – unter anderem von der Gesellschaft für moderne Kunst, diversen Galeristen, dem Kunstverein und König selbst – eingegangen, die laut Quander eine Auswahl von 20 Kandidaten zur Folge hatte. In die engere Auswahl kamen dann neun von ihnen, die der Kulturdezernent an ihren jeweiligen Arbeitsplätzen besuchte – bevor seine Wahl auf Kaiser fiel. Eine Wahl, die man durchaus als mutig und spannend bezeichnen kann.


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