Peter Jap Lim

Fading Irony 4

Ursula Panhans-Bühler
22. Mai 2010

„Sie verlassen die ironiefreie Zone.“ Peter Jap Lims Warnschild – in Anlehnung an die Mahnung der Alliierten am Checkpoint Charlie in Berlin, „Sie verlassen den amerikanischen Sektor“ – verschiebt und verwirrt zugleich. Was ist der Sinn seiner Aufstellung gleich zu Beginn der Schau, am Grenzübertritt Ausstellungseingang? Ist die Zone davor ironiefrei? Gibt’s dahinter nur Ironie? Die Erläuterung: „Was Sie nun verstehen, könnte auch noch ganz anders gemeint sein und Ihren Orientierungssinn nachhaltig stören“, relativiert mit dem hypothetischen „könnte“ den angedrohten Ernstfall „nachhaltig stören“, der vielleicht eine Verschiebung der Ironie im Auge hat.

Peter Jap Lim stört mit seinen Zeichnungen, Fotos, Objekten und Videos den common sense, egal ob dieser der Realität oder der Kunst entstammt. Mit seinen Ideen bewegt er sich wie ein Reisender, der dem Zeitstrom folgt, ihn jedoch in umgekehrter Perspektive und Bewegungsrichtung auf den Kopf stellt. Sein Modell für ein Denkmal für die unbekannte Taube (2010) setzt diese auf ein zum Säulenmonument umstilisiertes Abflussrohr, dessen Verbindungsmundstück für einen assoziativ flüchtigen Moment jenes „unbekannte“ „Kanonenfutter“ sarkastisch in Entsorgungsanlagen unserer Kanalisationen versetzt, dem das Heer der Tauben nur in Einzelfällen seinen Tribut zollt. Wo Peter Jap Lim das Medium des Aquarells sprachlos einsetzt, gerät man in ironiefreie Zonen, die allenfalls durch Bildtitel widerrufen werden. Und die manchmal, in ungelenker Schülerschrift, Bestandteil des Bildes selbst sind. Bei Sieg über die Sonne, Niederlage gegen den Regen ertränkt Letzterer die missglückten revolutionären Hoffnungen im „verregneten“ bildnerischen Medium. Peter Jap Lim scheint Ironie als Maske einzusetzen, die sich bei näherer Betrachtung löst, um uns mit optimistischer Komik an Fragen zu beteiligen, die niemand stellvertretend beantworten kann – wie wird unser Orientierungssinn gestört, wenn beispielsweise der „Horizont näher rücken“ (sollte)?




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