3. November 2011
"Paris Tableau. Salon der alten Malerei" – Palais Brongniart, Paris. Vom 4. bis 8. November 2011
Mit Vorschusslorbeeren ist sie bereits reichlich bedacht worden, die neue Messe für Gemälde von 1300 bis 1850, die ab morgen im Palais Brongniart, benannt nach ihrem Erbauer Alexandre Théodore Brogniart (1739-1813), stattfinden wird: Die erste Edition der Altmeistermesse Paris Tableau wird in Paris seit Wochen mit Spannung erwartet. Nach dem Prinzip, das der seit gut 20 Jahren im Frühjahr stattfindenden Messe für Altmeisterzeichnungen Salon du Dessin zu großem Erfolg verholfen hat, luden im Vorhinein zehn Pariser Spezialisten für Altmeisterkunst aus einer wie es heißt „langen Liste ausländischer Kandidaten“ zehn Kollegen dazu ein, an der Premiere teilzunehmen. Maurizio Canesso, ein seit einigen Jahren in Paris etablierter Altmeisterhändler italienischer Herkunft, der regelmäßig mit originellen Galerieausstellungen überrascht, steht der neuen Messe als Präsident vor.
Es wird wohl einige Jahre dauern, bis der neue Salon, der unter anderem gegründet wurde, weil sich die einheimischen Spezialisten auf der Biennale des Antiquaires nicht richtig vertreten sahen, seinen spezifischen Charakter entwickeln kann. Das für Altmeistermalerei in der französischen Metropole, die sich gerne als Hauptstadt der Kunstmessen sieht, schon längst ein nur diesem Marktsegment gewidmetes Ereignis lanciert werden sollte, war bereits seit Jahren ein offenes Geheimnis. Denn die Anzahl der Altmeistergalerien ist in eben diesen deutlich gestiegen. Nahezu alle in Frankreich tätigen Händler arbeiten von Paris aus - die meisten von ihnen mit internationaler Anerkennung und, was das Angebot betrifft, durchaus vielseitig. Nur wenige Pariser Händler sind auf eine Schule oder eine Region spezialisiert. Deutsche Kunst spielt hier nahezu keine Rolle.
Doch wer sind die Teilnehmer der ersten Ausgabe von Paris Tableau? Aus dem Ausland beteiligen sich Noortman Master Paintings, die Galeria Caylus, David Koetser, The Weiss Gallery, Stair Sainty, Derek Jones LTD, Kunsthandel P. de Boer, die Galleria Cesare Lampronti, Adam Williams Fine Art & Åmels sowie Charles Beddington Ltd. Der bekannte Rahmenspezialist Grosvallet und die Galerie Amedeo Montanari sitzen ebenfalls mit im Boot. Lokale Händelgrößen wie die Galerie Canesso, Talabardon & Gautier, Jean-François Heim, Jacques Leegenhoek, Haboldt & Co, die Galerien Giovanni Sarti, Claude Vittet, Didier Aaron & Cie, sowie De Jonckheere sind natürlich auch an Bord. Freilich winken die Messegründer vorläufig noch bescheiden ab, wenn man die Frage stellt ob Paris daran denke, der Maastrichter TEFAF im Bereich Altmeister Konkurrenz machen zu wollen. Doch wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Paris einmal das europäische Zentrum für Altmeisterzeichnungen werden könnte?
Die erste Edition von Paris Tableau kann jedenfalls bereits auf die Unterstützung des französischen Kulturministeriums, die einer Vielzahl Sponsoren und jede Menge Parallelausstellungen in den Galerien zählen. Zur Premiere hat man zudem eine besondere Überraschung herangezogen: Ein amerikanischer Privatsammler, man nennt ihn offiziell auch stolz „die Ikone der zeitgenössischen Kunst, der König der Post-Pop Plastik“, stellt aus seiner Privatsammlung für die Dauer der Messe drei Altmeistergemälde zur Verfügung. Zu sehen sind nun „ein erotischer Poussin“, ein ebenso „erotischer Fragonard“ und zur Vervollständigung des Ganzen „ein erotischer Courbet“. Angeblich decke sich der Charakter dieser Gemälde, bei denen es sich selbstverständlich um „Meisterwerke“ handelt, vollkommen mit dem „Esprit“ des Salons. Na, wenn’s das denn sein soll. Schon recht: Paris bleibt eben auch Paris und was Besucher und Nicht-Einheimische darunter gerne verstehen möchten, ist hinreichend bekannt. Und wer ist nun der großzügige Leihgeber der ganzen erotischen Bagage? Da ist man dann doch verblüfft: Er heißt nämlich Jeff Koons. Der besitze nämlich, so wissen Eingeweihte zu berichten, tatsächlich eine richtige Altmeistersammlung. Ob diese Leihgabe allerdings, wie der Pressetext behauptet, auch „die junge Generation, die sich ja eher für zeitgenössische Kunst interessiert“ für die Alte Kunst begeistern wird – allein aufgrund ihrer Herkunft? Alles muss diese erste Messe ja nun nicht unbedingt sofort erreichen!