Nicolaus Schafhausen neuer Direktor des Witte de With, Rotterdam

Der Kurator geht woanders hin

Anne Schreiber
10. Oktober 2005
Nicolaus Schafhausen, erst kürzlich zum Gründungsdirektor der Europäischen Kunsthalle Köln berufen, wird ab 1. Januar 2006 Direktor und Chefkurator des Rotterdamer Ausstellungsinstitutes Witte de With, wie das Institut für zeitgenössische Kunst nun in einer Pressemitteilung stolz bekannt gibt. Am dortigen Institut wird er die Nachfolge von Catherine David antreten, die das Haus bereits 2004 verlassen hatte, und dem derzeitigen Interimsdirektor Hans Maarten van den Brink, der im Sommer 2006 aufhören wird. Schafhausen erhält einen Dreijahresvertrag mit der Option auf eine dreijährige Verlängerung, Ende 2005 wird er nach Rotterdam ziehen. Mit dem Rheinland will er nach eigenem Bekunden in Verbindung bleiben.

Sowohl der Vorstand als auch der derzeitige Direktor des Witte de With zeigen sich sehr stolz, ihren neuen Direktor präsentieren zu können. Am Rotterdamer Institut plant Schafhausen eine kritische Studie über die Zusammenhänge zwischen der internationalen, europäischen und niederländischen künstlerischen Praxis. Zudem will er die Position der Institution als einer Plattform für kritische und ästhetische Diskurse stärken, dies sowohl lokal als auch international.

Derweil sorgte die neue Liaison doch für ein wenig Verwunderung in Köln. So sei seine Entscheidung für den zweiten Posten in den Niederlanden „schon eine überraschende Nachricht“ gewesen, wie sich Meyer Voggenreiter, Vorstandsmitglied des Kölner Vereins Das Loch e.V. und Betreiber der bisher rein privaten Europäischen Kunsthalle, gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger äußerte. Gleichzeitig könne er die Entscheidung aber nachvollziehen, da man Schafhausen in Köln einen Vertrag nur bis Mitte 2007 habe anbieten können und er sich deshalb bereits alsbald um die Fortschreibung seiner Karriere hätte kümmern müssen. Wie er weiter bekannt gab, sei die Europäische Kunsthalle zwar kein Vorhaben auf Abruf, befinde sich aber grundsätzlich „in einer ungesicherten Situation“.

Auf Anfragen der Kölner Zeitung gab Schafhausen wiederum zu verstehen, dass Köln zwar demnächst wieder eine Kunsthalle haben werde, diese aber allein privat nicht bestehen könne. Nur eine Mischung aus öffentlichen und privaten Betreibern werde Bestand haben. Zudem gebe es verschiedene Auffassungen über seinen Auftrag in Köln, er selbst bezeichnet diesen als ein „Forschungsprojekt“. Während dessen hat Schafhausen bereits ein achtköpfiges Team für die Kunsthalle versammelt, darunter die Kuratorin Vanessa Joan Müller und den Architekten Nikolaus Hirsch. Für den 4. November ist eine Veranstaltung anberaumt mit dem Titel: „Der Zeitgeist geht woanders hin: Braucht Köln noch eine Kunsthalle?“

Nicolaus Schafhausen, 1965 in Düsseldorf geboren, begann seine Karriere zunächst als Künstler und wechselte 1992 die „Fronten“. Zusammen mit Markus Schneider gründete er die Galerie Lukas & Hoffmann, die er bis 1994 in Berlin und Köln betrieb. 1995 konzipierte Schafhausen zusammen mit Klaus Biesenbach die viel beachtete und kontrovers diskutierte, internationale Ausstellung nach Weimar im Landesmuseum Weimar. Von 1995 bis 1998 war Schafhausen Leiter des Künstlerhauses in Stuttgart, seit 1999 leitete er den renommierten Frankfurter Kunstverein. Für seine kuratorische Leistung erhielt Schafhausen zahlreiche Auszeichnungen.


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