9. Mai 2007
„Trader Joe and Albert’s Son“, Nic Hess, Figge von Rosen Galerie, Köln. 18. April bis 2. Juni 2007Dass raumspezifische Installationen schwer zu transportieren und damit kaum verkäuflich sind, ist ein alter Hut. Einerseits macht es ihren Reiz aus, andererseits ist es das Dilemma des Künstlers, der mit ihnen kaum das Geld zur Sicherung der eigenen Existenz verdienen kann – und sich zudem nach relativ kurzer Zeit wieder von seinen Werken verabschieden muss, die am Ende einer Ausstellung abgebaut, überstrichen oder auch einfach nur dem Müllcontainer übergeben werden. Dieses Schicksal teilen die Werke des Schweizer Künstlers Nic Hess (geb. 1968) mit vielen anderen. Seine aufwändigen „Zeichnungsinstallationen“ aus Klebestreifen, Folien, Stickern und Farbe wuchern über Decken und Wände und vereinnahmen den ganzen Raum – 2004 gar die monumentale Ehrenhalle im Münchner Haus der Kunst –, bevor sie verschwinden als sei nichts gewesen.
Bei Figge von Rosen zeigt Hess zurzeit denn auch das erste Mal Leuchtkästen (4.500,- bis 8.000,- Euro), die das gleiche Prinzip der vielfarbigen Collage aus vorgefundenen Bildern verfolgen wie seine großen Wandinstallationen. Der schon von vielen Künstlern eingesetzte Leuchtkasten entfaltet auch bei Hess' halbtransparenten Schichtenbildern seine strahlende Wirkung und macht als klassischer Träger von Reklame hier umso mehr Sinn, da sich Hess' Bilder fast ausschließlich aus kommerziellen Icons, Markenzeichen und Logos generieren. Im Lichtkasten sind sie zurückgekehrt an einen für sie ursprünglich vorgesehenen Ort – freilich über Umwege, generalüberholt und „rekontextualisiert“.
Bei Figge von Rosen zeigt Hess auch und vor allem eine große Zeichnungsinstallation, die im Erdgeschoss beginnt und sich schließlich im Kellerraum der Galerie ungeniert ausbreitet, über Wände und Decken wuchernd. Der Titel der Ausstellung – „Trader Joe und Albert's Son“ – erinnert wohl zumindest Europäer an Western, verwendet allerdings nur die Namen zweier kalifornischer Supermarktketten. Logos von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern, zu einem Icon reduzierte Klassiker der Kunstgeschichte wie Edvard MunchsMädchen auf der Brücke, Indianer (das Emblem einer Zigarettenmarke), Stewardessen, Rolltreppen, Apothekenzeichen sowie Landkarten aus hunderten bunter Aufkleber ergeben zusammen eine Installation, die ihren Ausgangspunkt beim Reisen nimmt: „Flugs zur Katastrophe“ steht unter dutzenden von „Condor“-Vögeln, „...und sich davon ein Bild machen“ unter dem Kodak-Logo und dem Bild einer heranrollenden Welle, die sogleich an den Tsunami von 2005 erinnert und alle im Gedächtnis verfügbaren Bilder des Ereignisses abruft.
Woher der Künstler seine Bilder hat, demonstriert er anhand seines „Archivs“, bestehend aus Fotokopien auf Folien (17.000,- Euro). Mit Hilfe solcher Folien nimmt Hess Bilder, die ihn interessieren, von Vorlagen ab und in seinen Motivschatz auf. Hier finden sich fast alle in der großen Installation verwendeten Logos wieder, teilweise in mehreren Variationen und Größen. Das, was sich im Raum zum mehrdimensionalen und vielschichtigen Farbspektakel mit assoziativen Verknüpfungen und narrativem Drive verbindet, erscheint im „Archiv“ schwarz-weiß und pedantisch geordnet nach Größe und Form – das ist interessant und aufschlussreich, aber als eigenständiges Kunstwerk mag man es deshalb noch nicht unbedingt betrachten.
Collagen auf Plexiglas und auf Papier vervollständigen die umfassende und vielfältige Präsentation. Nicht zuletzt sei König Gerrit erwähnt (2007, 10.000,- Euro), ein überdimensionierter rot-blauer Stuhl von Gerrit Rietveld (1888-1964), versehen mit bunten Klebebändern. Diese Ikone des Designs der klassischen Moderne ist auch Verweis auf Hess’ Studium an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam. Fast wirkt sie wie der Skulptur gewordene Anfangspunkt für das Schaffen von Nic Hess – die am Boden stehenden bunten Klebebandrollen scheinen nur darauf zu warten, entrollt und über Decken und Wände gezogen zu werden. Im Übrigen ist es auch möglich, den Künstler zur Gestaltung von Wänden und Räumen zu bestellen, allerdings fängt er unter fünf Metern gar nicht erst an (4.000,- Euro pro Meter bzw. ab 20.000,- Euro plus Spesen).