China-News 41. Woche
Malen nach Zahlen
Zusammengestellt von Birgit Hopfener
8. Oktober 2009
In einem Interview mit dem Online-Portal „Ionly“ erläutert
Wang Tongwei, Leiter der Museumspädagogik im Pekinger
Today Art Museum, ein neues Ausbildungsprogramm zur Karriereplanung für junge Künstler. Konkret dient das Programm, das laut Wang auf große Resonanz stößt, nicht der Erweiterung des künstlerischen und intellektuellen Horizonts, sondern vielmehr der Förderung ökonomischer Kompetenzen. Während die chinesische Diskussion bisher von der Frage dominiert wurde, inwieweit Kunst gesellschaftlich relevant sein sollte, geht Wang mittlerweile von einem vorwiegend ökonomischen Kunstbegriff aus. Heute, so sagt er, laute die Frage nicht mehr, „ob man Kunst macht, sondern ob das, was man macht, als Kunst Aufmerksamkeit erweckt“. Künstler müssten lernen, ökonomisch zu denken und sich geschäftlich zu etablieren. Wang zufolge haben Künstler immer noch viel zu geringe Marketingkenntnisse, um sich und ihre Arbeiten zu verkaufen.
Nach dem sensationellen Höhenflug der chinesischen Gegenwartskunst haben die Einbrüche am Kunstmarkt als Folge der Finanzkrise dazu geführt, dass viele Sammler der chinesischen Kunst nun skeptisch gegenüberstehen. Die Nachfrage nach Zeitgenössischem aus China ist gesunken, was auf viele chinesische Künstler demotivierend wirkt. Als Gegenmittel propagiert Wang die Unterstützung der nationalen Kulturindustrie, einem Wachstumssektor, der im Zuge der langfristigen wirtschaftlichen Gesamtentwicklung Chinas und dem dadurch gestiegenen Reichtum zunehmend auf Interesse in der Bevölkerung stößt und sich immer größerer Wertschätzung erfreut. Auch die Kunst gilt Wang als Bereich der Kulturindustrie, und daher plädiert er für eine entsprechende Neuausrichtung der künstlerischen Ausbildung. Seiner Meinung nach liegt der Fokus der Akademien zu stark auf dem Erlernen von künstlerischen Techniken sowie auf kunsthistorischen Studien. Ökonomische Aspekte wie das Kunstmanagement oder juristische Grundlagen wie das Urheberrecht würden bisher vernachlässigt. Wang zufolge muss die Expansion des lokalen Kunstmarkts weiter vorangetrieben werden, denn nur ein Markt mit Erweiterungspotenzial könne auf Dauer bestehen. Wang behauptet sogar, dass China nur dann in der zeitgenössischen Kunst international Anschluss halten könne, wenn es auch ökonomisch in großen Schritten voranginge. Damit liegt der Museumsmann ganz auf der Linie der Partei, die seit einiger Zeit Gegenwartskunst unter dem Schirm der Kulturindustrie fördert, solange sie nicht zu kritisch ist. Gründer des Today Art Museums ist der Immobilienentwickler Zhang Baoquan.
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Im gleichen Medium äußert sich Wang Zhenhua, Vorstandsvorsitzender der taiwanesischen Ravenel Art Group, in einem Interview optimistisch über die bevorstehenden Herbstauktionen „Modern and Contemporary Asian Art“ in Hongkong (30. November 2009) und Taipeh (6. Dezember 2009). In den vergangenen zwölf Monaten wären die Preise für zeitgenössische chinesische Kunst bereinigt worden und seien nun wieder in angemessenen Höhen angesiedelt. In den Frühjahrsauktionen hatten die Preise für Arbeiten bekannter Künstler noch sehr hoch gelegen. Laut Wang ist vor allem diesen erfolgsverwöhnten Künstlern schwer zu vermitteln, dass sie die Preise für ihre Kunst niedriger ansetzen müssen, um erfolgreich zu verkaufen. Sollte dies aber gelingen, könne man den Herbstauktionen durchaus zuversichtlich entgegensehen, da es in China oft die Künstler selbst sind, die ihre eigenen Werke einliefern. Etwas Positives, so Wang, könne man der Krise immerhin abgewinnen, denn sie hätte dazu geführt, dass der Markt weniger überdreht wäre. Grundsätzlich gäbe es immer noch genügend Sammler, die an den großen Namen interessiert seien, allerdings herrsche auch hier Verunsicherung, ob die oftmals hohen Preise tatsächlich gerechtfertigt seien. Einige große Sammler interessierten sich deswegen in letzter Zeit verstärkt für japanische und koreanische Gegenwartskunst, weil diese im Vergleich zur chinesischen Kunst zu günstigeren Preisen erhältlich sei. Wang stimmt nicht in die Kassandrarufe ein, wonach die Preise auf den diesjährigen Herbstauktionen noch weiter nach unten gehen würden. Seine Strategie für Ravenel lautet, zu 70% auf Kunst zu setzen, die am Markt erfolgreich ist, und zu 30% auf Neuentdeckungen. Da bei der chinesischen Kunst seiner Meinung nach vor allem Marktaspekte im Vordergrund stehen, würde er in diesem Segment keine Risiken eingehen, sondern sich auf Bewährtes verlassen, das heißt auf Kunstwerke der einschlägigen chinesischen Kunstmarktstars.
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PEKING. Nach über einjähriger Pause öffnet die Pekinger Dependance der New Yorker Galerie PaceWildenstein wieder ihre Pforten. Lange war darüber spekuliert worden, ob der Ausstellungsbetrieb überhaupt wieder aufgenommen würde. Nun aber präsentiert die Großgalerie die lange angekündigte Soloausstellung des Kunstmarktstars Zhang Xiaogang, der durch die Gemälde aus der „Family Series“ international bekannt wurde. Unter dem Titel „Zhang Xiaogang: The Records“ werden in Peking bis zum 15. November Arbeiten aus den letzten beiden Jahren gezeigt. Nach wie vor beschäftigen ihn die Themen Geschichte und Erinnerung, allerdings arbeitet er aktuell in anderen Medien als der Malerei. In der Schau überwiegen die großen Formate, darunter Drucke auf Stahlplatten sowie Skulpturen und Installationen.
MÜNCHEN. Ai Weiwei, der sich zurzeit wegen seiner Ausstellung im Haus der Kunst in München aufhält, wird nicht wie geplant zur Frankfurter Buchmesse reisen. Nach der operativen Entfernung eines Blutgerinnsels im Gehirn, das als Folge der Misshandlung durch die chinesische Polizei diagnostiziert wurde, verläuft der Heilungsprozess langsamer als gedacht. In einem Brief an die „Süddeutsche Zeitung“ nannte der Künstler und Bürgerrechtsaktivist allerdings noch einen weiteren Grund für seine Absage: „Des weiteren habe ich nicht wirklich Lust auf leere und sinnlose politische Debatten.“ China ist in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse.
Mehr im Dossier Kunst in China
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