Neun Privatsammlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Zutritt erlaubt

Miriam Minak Essarts
5. Juli 2011

Das Sammeln wird immer offensichtlicher zur Privatsache. Kunst- und Kulturgut ist nicht mehr nur in öffentlichen Museumskomplexen aufbewahrt, sondern befindet sich mitunter im tiefen Schwarzwald, an bergigen Hängen oder über einer gallo-römischen Grabungsstätte. Eine neue Publikation, erschienen im DISTANZ Verlag, präsentiert 60 private Sammlungen zeitgenössischer und moderner Kunst in Deutschland, Österreich und der Schweiz. artnet stellt neun von ihnen vor.

Skadi Heckmüller: „Private Museen in Deutschland, in Österreich und der Schweiz“, DISTANZ Verlag, Berlin 2011. 256 Seiten, 150 Abbildungen, Deutsch. ISBN 978-3-942405-08-9. EUR 29,90

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div#article_functions_details hr {display:none;}Lothar-Günther Buchheim / Buchheim Museum, BernriedBuchheim Museum, BernriedDer Maler, Fotograf, Verleger und Autor Lothar-Günther Buchheim, der sich nie direkt als Sammler, dafür vielmehr als „Kunst-Demonstrator mit missionarischem Tick“ sah, entschied sich in den 1990er-Jahren für ein Privatmuseum, nachdem sich mehrere andere Museen zwar für seine Expressionismus-Sammlung interessierten, sich aber gleichzeitig weigerten, auch die von ihm zusammengetragene bayerische, afrikanische und außereuropäische Kunst aufzunehmen. Der 4.000 qm große, einem Schiff nachempfundene Museumsbau, wurde 1999 fertig gestellt und 2001 als Museum Buchheim eröffnet. Ein beeindruckende Baukörper, dessen 12 Meter langer Steg über dem Starnberger See endet und mehrere Ausstellungsbereiche umfasst: Die Expressionistensammlung, die Buchheim seit den 1950ern zusammentrug, volks- und völkerkundliche Stücke, die der Sammler mitunter auf seinen unzähligen Reisen fand und Fotografien sowie Bilder von Buchheim und seiner Frau Diethild selbst. Der ambivalente „Buchheim´sche Sammelkosmos“ lässt sich nicht kategorisieren, die Passion Buchheims für prächtige Farben und expressive Formen ermöglicht aber einen leichten Zugang zum selbsternannten „Museum der Phantasie“.
Lothar-Günther Buchheim /
Buchheim Museum, Bernried

Buchheim Museum, Bernried

Der Maler, Fotograf, Verleger und Autor Lothar-Günther Buchheim, der sich nie direkt als Sammler, dafür vielmehr als „Kunst-Demonstrator mit missionarischem Tick“ sah, entschied sich in den 1990er-Jahren für ein Privatmuseum, nachdem sich mehrere andere Museen zwar für seine Expressionismus-Sammlung interessierten, sich aber gleichzeitig weigerten, auch die von ihm zusammengetragene bayerische, afrikanische und außereuropäische Kunst aufzunehmen. Der 4.000 qm große, einem Schiff nachempfundene Museumsbau, wurde 1999 fertig gestellt und 2001 als Museum Buchheim eröffnet. Ein beeindruckende Baukörper, dessen 12 Meter langer Steg über dem Starnberger See endet und mehrere Ausstellungsbereiche umfasst: Die Expressionistensammlung, die Buchheim seit den 1950ern zusammentrug, volks- und völkerkundliche Stücke, die der Sammler mitunter auf seinen unzähligen Reisen fand und Fotografien sowie Bilder von Buchheim und seiner Frau Diethild selbst. Der ambivalente „Buchheim´sche Sammelkosmos“ lässt sich nicht kategorisieren, die Passion Buchheims für prächtige Farben und expressive Formen ermöglicht aber einen leichten Zugang zum selbsternannten „Museum der Phantasie“.


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div#article_functions_details hr {display:none;}Pierre Gianadda / Fondation Pierre Gianadda, MartignyFondation Pierre Gianadda, MartignyDie Entstehung der Stiftung Fondation Pierre Gianadda liest sich wie ein Abendteuerroman: Im Jahr 1976 fand der Ingenieur, Journalist, Künstler und Kunstförderer Léonard Gianadda die Reste eines gallo-römischen Tempel auf dem Grundstück, auf dem er eigentlich ein Mietshaus errichten wollte. Nur einige Monate später kam sein Bruder Pierre bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, woraufhin sich Gianadda entschloss, zu Ehren seines verstorbenen Bruders eine Kulturstiftung zu gründen, deren Bau er an eben diesem Ausgrabungsort errichten ließ. Zwei Jahre später wurde das Kulturzentrum eingeweiht und zeigt seitdem drei Dauerausstellungen auf zwei Etagen: Das gallo-römische Museum zur Frühgeschichte des Ortes, eine 50-teilige Oldtimer-Ausstellung sowie zehn Gemälde der Sammlung Evelyn und Louis Franck. In einem unterirdischen Raum sind außerdem Werke Pablo Picassos und Vincent van Goghs zu sehen. Der Zentralraum im Untergeschoss zeigt jährlich zwei bis drei wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Der Gartenbereich der Fondation ergänzt die Vielfalt der Sammlung: Zu sehen ist eine ständige Skulpturen-Schau, die sich von gallo-römischen Relikten über Objekte von Auguste Rodin, Joan Miró bis hin zu Constantin Brâncuşi erstreckt.
Pierre Gianadda /
Fondation Pierre Gianadda, Martigny

Fondation Pierre Gianadda, Martigny

Die Entstehung der Stiftung Fondation Pierre Gianadda liest sich wie ein Abendteuerroman: Im Jahr 1976 fand der Ingenieur, Journalist, Künstler und Kunstförderer Léonard Gianadda die Reste eines gallo-römischen Tempel auf dem Grundstück, auf dem er eigentlich ein Mietshaus errichten wollte. Nur einige Monate später kam sein Bruder Pierre bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, woraufhin sich Gianadda entschloss, zu Ehren seines verstorbenen Bruders eine Kulturstiftung zu gründen, deren Bau er an eben diesem Ausgrabungsort errichten ließ. Zwei Jahre später wurde das Kulturzentrum eingeweiht und zeigt seitdem drei Dauerausstellungen auf zwei Etagen: Das gallo-römische Museum zur Frühgeschichte des Ortes, eine 50-teilige Oldtimer-Ausstellung sowie zehn Gemälde der Sammlung Evelyn und Louis Franck. In einem unterirdischen Raum sind außerdem Werke Pablo Picassos und Vincent van Goghs zu sehen. Der Zentralraum im Untergeschoss zeigt jährlich zwei bis drei wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Der Gartenbereich der Fondation ergänzt die Vielfalt der Sammlung: Zu sehen ist eine ständige Skulpturen-Schau, die sich von gallo-römischen Relikten über Objekte von Auguste Rodin, Joan Miró bis hin zu Constantin Brâncuşi erstreckt.


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div#article_functions_details hr {display:none;}Hedy und Arthur Hahnloser  / Villa Flora, WinterthurVilla Flora, WinterthurDie Villa Flora in der Altstadt von Winterthur gibt einem nicht nur die Möglichkeit eine herausragende Sammlung schweizer und französischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu sehen, sondern schafft gleichzeitig auch einen Einblick in die Lebensweise einer großbürgerlichen Familie um das Fin de siécle. Die zwischen 1907 und 1932 aufgebaute Sammlung war lange Zeit nur Wissenschaftlern vorbehalten, erst 1995 wurde ein Teil der Villa der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Villa, die bereits 1846 entstand, wurde 1858 von Johannes Heinrich Bühler-Guyer erworben und später von seiner Enkelin Hedy Bühler und deren Ehemann Arthur Hahnloser übernommen. Im Jahr 1907 entwarf Hedy Hahnloser-Bühler anlässlich der ersten Zürcher Raumkunstausstellung einen Salon im Sezessionsstil, der bis heute erhalten ist. Mit dem Erwerb zweier Aristide Maillol-Skulpturen gestaltete das Paar den Garten völlig neu und erschuf eine „natürliche Künstlichkeit“. Besonders die Post-Impressionisten begeisterten das Paar, Künstler der Nabis-Gruppe gingen in der Villa ein und aus, während Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler ihre Sammlung mit Arbeiten von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Ferdinand Hodler stetig erweiterten. Eine Vergrößerung der Ausstellungsfläche auf die gesamte Villa ist geplant.
Hedy und Arthur Hahnloser /
Villa Flora, Winterthur

Villa Flora, Winterthur

Die Villa Flora in der Altstadt von Winterthur gibt einem nicht nur die Möglichkeit eine herausragende Sammlung schweizer und französischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts zu sehen, sondern schafft gleichzeitig auch einen Einblick in die Lebensweise einer großbürgerlichen Familie um das Fin de siécle. Die zwischen 1907 und 1932 aufgebaute Sammlung war lange Zeit nur Wissenschaftlern vorbehalten, erst 1995 wurde ein Teil der Villa der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Villa, die bereits 1846 entstand, wurde 1858 von Johannes Heinrich Bühler-Guyer erworben und später von seiner Enkelin Hedy Bühler und deren Ehemann Arthur Hahnloser übernommen. Im Jahr 1907 entwarf Hedy Hahnloser-Bühler anlässlich der ersten Zürcher Raumkunstausstellung einen Salon im Sezessionsstil, der bis heute erhalten ist. Mit dem Erwerb zweier Aristide Maillol-Skulpturen gestaltete das Paar den Garten völlig neu und erschuf eine „natürliche Künstlichkeit“. Besonders die Post-Impressionisten begeisterten das Paar, Künstler der Nabis-Gruppe gingen in der Villa ein und aus, während Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler ihre Sammlung mit Arbeiten von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Ferdinand Hodler stetig erweiterten. Eine Vergrößerung der Ausstellungsfläche auf die gesamte Villa ist geplant.


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