Neun Eröffnungen in Düsseldorf

Lässig losgelegt

Barbara Josepha Scheuermann
15. März 2006
Für viel Beachtung hat das gemeinsame Projekt von neun Düsseldorfer Galeristen gesorgt: Am 3. Februar eröffneten die Galerien Bochynek, Michael Cosar, Thomas Flor, Anna Klinkhammer, Rupert Pfab, Reiman Le Bègue, Ruzicska///Weiss, Claudia Simon und Van Horn gleichzeitig ihre jeweiligen Ausstellungen. Dabei boten sie den Besuchern sogar einen eigens eingerichteten Shuttle-Service, um von einer Vernissage zur nächsten hoppen zu können. Der Zulauf war groß – laut den Galeristen weit größer als erwartet oder auch nur erhofft – und die Aktion bescherte den fabulösen Neun auch über Düsseldorf hinausreichende Aufmerksamkeit.

Im Gespräch mit einigen der beteiligten Galeristen fällt auf, welch unterschiedliche Charaktere sich da zusammengetan haben. Während Daniela Steinfeld – Künstlerin, Betreiberin der Galerie Van Horn und Initiatorin des Projekts – überzeugend den Sinn und Nutzen eines Zusammenschlusses der jungen Galerien darstellt, nimmt Anna Klinkhammer das Wort „Synergieeffekt“ mit Zurückhaltung in den Mund. Einhellig verweisen jedoch alle darauf, dass der Grund, weshalb man sich zusammen getan habe, der gewesen sei, die junge Galerienszene in Düsseldorf – bis auf Bochynek und Cosar bestehen alle beteiligten Galerien erst seit wenigen Jahren – stärken zu wollen. Darüber hinaus gebe es weder inhaltliche noch konzeptionelle oder gar politische Gründe. Man wolle auch nicht aus der Düsseldorfer Galerienvereinigung „Parallel“ ausscheren (hier haben sich wohl einige auf die Füße getreten gefühlt) oder irgendein Statement abgeben.

Überhaupt gar nichts habe dies alles mit einer von außen unterstellten Furcht vor Berlin zu tun. Und das ist angesichts der neun sehr unterschiedlichen Ausstellungen ohne weiteres zu unterstreichen: Gegenpositionen aufzustellen, hat Düsseldorf nicht nötig. Die Kunst- und Galerienszene ist lebendig, die Kunst frisch und oft gut, der Blick nach Berlin erfolgt mit freundlichem Interesse, doch neidlos.

Bei Bochynek sind unter dem Titel „Alles in allem“ kleine kissen- oder puppenartige Objekte von Julia van Koolwijk zu sehen, für die der Künstlerin unter anderem Familienmitglieder und Heilige als Modelle dienten. Es berühren sich Körper und Raum, Fotografie, Objekt und Malerei, Kunst und Kitsch, Vertrautes und Fremdes. Daniela Steinfeld zeigt bei Van Horn Tracey Moffats Fotogravüre-Arbeit Laudanaum von 1999, die nach wie vor durch ihre eigenwillige Rätselhaftigkeit und Morbidität besticht – und verstört. Dazu wird Moffats Film Love (2003) präsentiert, der als Collage aus unzähligen Spielfilmausschnitten die ewige Geschichte der Liebe zwischen Mann und Frau erzählt, beginnend mit schüchtern verliebten Blicken, endend mit Mord und Totschlag.

Anna Klinkhammer zeigt Stefan Höllers „Blicke ins Nichts – Gegenstandslose Stillleben“, Rupert Pfab Fotografien französischer Gärten von Simone Nieweg. Bei Michael Cosar sind Birgit Jensens Siebdrucke auf Leinwand zu sehen, bei Thomas Flor Fotografien und Videofilme von Knut Klaßen. Olivia Berckemeyer verwandelt humorvoll bis ironisch die Reimann Le Bègue Galerie mit Skulpturen, Readymades und Bildern in „Dröhnland“. Die Galerie Claudia Simon stellte Miriam Wanias „Keine Arbeit“ bis zum 4. März aus, dort wird am 24. des Monats mit Skulptur und Zeichnung von Tobias Gerber wieder eröffnet. Bei Ruzicska///Weiss waren Bea Otto und Michael Richter bis zum 24. Februar, seit dem 10. März sind Gemälde von Thea Gvetadze zu sehen.

Die Ausstellungen aller beteiligten Galerien sind auf der Webseite x-dg.net abzurufen, was soviel wie „x Düsseldorfer Galerien“ bedeuten soll – die Zahl 9 wäre damit eine Variable. Jedoch scheinen weder alle der Galeristen überhaupt parat zu haben, dass es den gemeinsamen Internet-Auftritt gibt, noch ist man sich über die Sache mit der Variablen einig: Während die eine beteuert, man sei jederzeit offen für neue Teilnehmer, schränkt der andere ein, man wolle sicherlich niemals mehr als 15 Galerien dabei haben und ein Dritter versichert schließlich, dass man es bei der nächsten, für Oktober geplanten Aktion natürlich bei der jetzigen Truppe belassen werde.

Anschaulicher könnten die Beteiligten kaum machen, dass ihr viel beachteter Zusammenschluss eines verbindlichen Programms entbehrt und auf keiner konzeptionell gefestigten Basis gründet. Das ist glaubwürdiger und tragfähiger als alle oft nur oktroyierten Konzepte. Dass die neun Düsseldorfer zur Weiterführung ihres Projektes untereinander noch so manches zu klären haben, steht außer Frage. An ihrer durchschlagkräftigen Lässigkeit ändert dies aber hoffentlich nichts.

Julia van Koolwijk, „Alles in allem“, noch bis 18. März 2006 bei Bochynek, Pempelforter Str. 44, 40211 Düsseldorf

Birgit Jensen noch bis 17. März 2006 in der Galerie Michael Cosar, Herderstr. 20, 40237 Düsseldorf.

Knut Klassen, „Li“, noch bis 18. März 2006 in der Galerie Thomas Flor, Klosterstr. 29, 40211 Düsseldorf.

Stefan Höller, „Blicke in Nichts – Gegenstandslose Stillleben“, noch bis 18. März 2006 in der Anna Klinkhammer Galerie, Schirmerstr. 23, 40211 Düsseldorf.

Simone Nieweg noch bis 18. März 2006 in der Galerie Rupert Pfab, Orangeriestr. 6, 40213 Düsseldorf.

Olivia Berckemeyer, „Dröhnland“, noch bis 2. April 2006 in der Reimann Le Bègue Galerie, Hildebrandtstr. 11, 40215 Düsseldorf.

Bea Otto, Michael Richter bis 24. Februar. Seit 10. März 2006 Thea Gvetadze bei Ruzicska///Weiss – Galerie für zeitgenössische Kunst, Ackerstr. 125, 40233 Düsseldorf.

Miriam Wania, „Keine Arbeit“, bis 4. März. Tobias Gerber ab dem 24. März 2006 in der Galerie Claudia Simon, Krichfeldstr. 112. 40215 Düsseldorf.

Tracey Moffat, „Laudanum“, bis 31. März 2006 bei Van Horn, Beuthstr. 14, 40211 Düsseldorf.


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