14. Oktober 2011
Im Prozess um den größten Kunstfälscherskandal der deutschen Nachkriegszeit bezüglich der fiktiven Sammlungen „Knops“ und „Jägers“ wird es keine Befragung der ursprünglich 168 geladenen Zeugen geben. Dies ist das ernüchternde Ergebnis des sechsten Verhandlungstages am Kölner Landgericht. Der begann gleich mit drei Stunden Verspätung, weil zwei Verteidiger der vier Angeklagten Wolfgang und Helene Beltracchi, Otto Schulte-Kellinghaus und Jeanette S. andere Termine wahrnehmen mussten oder einfach verkehrstechnisch verhindert waren. Als die Verhandlung anschließend gegen Mittag begann schlug die Staatsanwaltschaft prompt ein Gespräch mit allen Verfahrensbeteiligten unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor. Nach eineinhalb Stunden Beratung einigte man sich darauf, keine Zeugen mehr zu vernehmen.
Die Hoffnung des Kunstmarktes, deren Aussagen könnten Licht ins Dunkel der Geschehnisse bringen, wird somit herbe enttäuscht. Nunmehr gilt alleine das Bild, das die Angeklagten der Öffentlichkeit durch ihre Geständnisse zu vermitteln suchen, die ihnen nebenbei im Rahmen eines zu Anfang September vereinbarten, umgangssprachlich so genannten „Deals“ Strafminderung sichern.
Ob es sich beim Prozessgeschehen somit um die vom Gesetz geforderte „rückhaltlose Aufklärung“ handelt, darf stark bezweifelt werden. Das Einzige, was man in den vergangenen Prozesstagen über die einzelnen Aussagen der Angeklagten hinaus in Erfahrung bringen konnte, sollen vom Vorsitzenden Richter verlesene, anonyme Briefe mit boulevardesken Hinweisen auf Jacht- und Drogenvergnügungen bleiben? Was für ein Hohn. Aus welchem Grund interessiert man sich nicht für die Hintergründe der Affäre? Für die kommende Woche werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet, mit einem Urteil wird bereits in zwei Wochen gerechnet. Ursprünglich war der Prozess bis März 2012 angesetzt.