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Nachbericht von der ARCOmadrid 2010

Überraschung auf Spanisch

Stefan Kobel
23. Februar 2010
238 zu 227 – so schlecht sehen die Zahlen für die ARCOmadrid gar nicht aus. Nur elf Teilnehmer weniger als im Vorjahr zählte die spanische Großmesse. Und immerhin 34 Galerien kamen aus den USA, so viele wie schon lange nicht mehr. Doch dahinter wird alles rapide kleiner. Das wird etwa beim Blick auf das deutsche Kontingent deutlich, das aus 29 Teilnehmern bestand. Nicht nur haben sich alte Haudegen wie Lothar Albrecht, Anita Beckers, carlier|gebauer, Conrads, Barbara Thumm und Rüdiger Schöttle gegen eine Teilnahme entschieden, auch Großgalerist Karsten Greve erteilte den Spaniern eine Absage. Ersetzt wurden die etablierten Galerien zumeist durch junge oder weniger bekannte Aussteller wie Mario Mazzoli aus Berlin oder steinle contemporary aus München. Auch Hauser & Wirth aus Zürich und London glänzten dieses Jahr durch Abwesenheit. Wahrscheinlich war die Hoffnung auf ein wiedererstarktes Sammlerinteresse im Vorfeld nicht groß genug.

Diese Skepsis war nicht immer angebracht, doch vor allem mit Institutionen war in diesem Jahr kein Staat zu machen – nicht einmal in Hinblick auf die Vermittlung von Ausstellungen. Dies mussten besonders Peres Projects lernen, die im letzten Jahr in Madrid immerhin fünf Präsentationen von Galeriekünstlern einfädeln konnten. Entsprechend war die Koje ausgerichtet, mit Jünglingsakten von Dean Sameshima, die in einem konservativen Land wie Spanien eher Kuratoren animieren als Sammler. Doch der Zuspruch hielt sich in Grenzen. Dafür profitierten Peres Projects von dem Gastlandprinzip der ARCOmadrid, die Teilnehmer aus den jeweiligen Regionen mit einem kostenlosen Stand fördert. Dieses Jahr war Los Angeles „Gaststadt“, die Keimzelle von Peres Projects, die ihren Hauptsitz aber mittlerweile nach Berlin verlegt haben. Ohne diesen Anreiz wäre die Galerie aber wohl nicht wiedergekommen. Von der Schnäppchenkoje ließ sich auch 1301PE locken. Doch die Umsätze blieben offensichtlich ebenfalls aus. Direktor Brian Butler grantelte jedenfalls, dass das Wichtigste an einer Messe neben Umsatz und neuen Kontakten die Behandlung durch die Veranstalter sei, und da hätte die ARCOmadrid ganz schlecht abgeschnitten. Als Beispiel führt er die 240 Euro an, die man von ihm als Aussteller für einen Internetzugang verlange. Bei einem ausverkauften Stand wäre diese nicht nur in Madrid verbreitete Unsitte wohl kaum Thema gewesen. Der mangelnde Umsatz dürfte allerdings nicht zuletzt an dem Auftritt der 17 Standesvertreter aus der Stadt der Engel gelegen haben, den viele als zu wenig pointiert empfunden haben. Vielleicht war die Auswahl der beiden freien Kuratoren Kris Kuramitsu und Christopher Miles auch zu sehr auf die eigene Branche ausgerichtet und zu wenig auf die Interessen der Sammler.

Die kauften allerdings wieder etwas mutiger, wenngleich auf geringerem Preisniveau als in den Vorjahren. Darauf waren die Anbieter von vornherein eingestellt. Als Gradmesser kann die Preisobergrenze gelten. Hier ist auf die Marlborough Gallery aus New York/London/Madrid/Barcelona/Monte Carlo/Santiago de Chile Verlass, die sonst immer einen Francis Bacon aus ihrem reichen Fundus parat hat. Hing am Stand letztes Jahr noch eine Study for the Human Body zu 15,7 Millionen Euro, orientierte man sich dieses Jahr am lokalen Geschmack und präsentierte einen Fernando Botero. Der Bacon, ein spätes Selbstportrait für kolportierte bescheidene 1,63 Millionen Euro, fand sich dafür bei Edward Tyler Nahem. Aber unter den gegebenen ökonomischen Verhältnissen dürfte selbst das noch zu teuer sein – viele Werke im Millionenbereich waren ohnehin nicht zu sehen. Bei Faggionato Fine Arts aus London etwa konnte noch ein Gemälde von Wayne Thiebaud für 1,4 Millionen Euro bewundert werden. Immerhin hatte man hier eine Bronze von Thomas Schütte für 350.000 Euro verkaufen können – und das nach Spanien.

Einheimische, das war die Überraschung der Messe, kauften sehr wohl, und sogar bei Ausländern. Heinz Holtmann aus Köln etwa berichtete von mehreren Verkäufen an spanische Sammler, Timothy Persons von Taik aus Berlin ebenso. Zufrieden war er allerdings nicht: „Letztes Jahr sind wir mit zwölf verkauften Fotos gestartet, dieses Jahr mit zweien“, berichtete er nach der Vernissage. Am zweiten – ebenfalls nur geladenen Gästen vorbehaltenen – Tag hatte sich die Zahl auf sechs erhöht. Dennoch war sein Fazit ernüchternd: „Wenn ich hier nur den Break Even erreiche, habe ich meine Zeit vertan.“ Immerhin: „Die Deutschen lassen mich nicht im Stich.“ Auch Ernst Hilger war sich mit einer deutschen Sammlerin bei einer Skulptur von Sara Rahbar fast einig – bis auf den Preis. „Ich habe in Madrid oft mehr verkauft als in Köln“, kommentierte der Wiener Galerist zwischen zwei Kundengesprächen. Und Michael Zink aus München und Berlin hatte gleich sein Prunkstück, ein Großformat von Yoshitomo Nara, für 360.000 Euro verkauft – ins Ausland allerdings. In der Preislage greifen Spanier selten zu. Das spürten besonders die Lokalmatadoren. „Not bad“ resümierte Max Estrella aus Madrid den Verlauf. In der Regel bedeutet das genau das Gegenteil. Ein großes Diptychon von Carlos León hat er allerdings vermitteln können – nach Texas. Durch die große Zahl US-amerikanischer Galerien, die der Schwerpunkt Los Angeles nach Madrid gebracht hatte, waren für heutige Zeiten außergewöhnlich viele Nordamerikaner auf die Messe gekommen – wenn auch immer noch weniger als vor der Krise. Und doch konnte die Berliner DNA-Galerie, mit einer Skulptur von Mariana Vassileva, einen US-Sammler beglücken. Der kam aus Houston in Texas. Einfacher hat man es traditionell in Madrid mit den Sammlern aus Südamerika. Doch damit die ihr Geld auch ausgeben, muss die ARCOmadrid wieder attraktiver werden. Sie muss abtrünnige wichtige Teilnehmer zurückgewinnen und ihr Erscheinungsbild straffen. Aber es sollen ja nun Strategiegespräche zwischen den Galerien, der Leitung und der Messegesellschaft stattfinden. Die sind auch nötig.


Später Aufbruch mit Ausstellerlücken von Stefan Kobel
Die ARCOmadrid leidet unter alten Fehlern und einem neuen Problem. Der Größenwahn von einst und die Wirtschaftskrise machen der Messe zu schaffen.

Vorteil: Standort von Stefan Kobel
Wie behauptet sich die ARCOmadrid in wirtschaftlich turbulenten Zeiten? artnet fragt die Messeleiterin nach den Strategien für Gegenwart und Zukunft.

Hasta la vista, baby! von Gesine Borcherdt
Die 30. Ausgabe der ARCOmadrid kann sich sehen lassen – mit alten Bekannten und Neuankömmlingen. Davon, dass in Spanien gerade eine Immobilienblase geplatzt ist, lässt sich keiner so schnell die Laune verderben.


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