Ming Wong

Fading Irony 3

Ursula Panhans-Bühler
23. April 2010

Auf verblüffende Weise verschränkt Ming Wong seine Position als Exilant - weder in seinem Heimatstadtstaat Singapur, noch im benachbarten Malaysia hätte er unter den rigiden Moralvorstellungen seine sexuelle und künstlerische Identität thematisieren können – mit der/den Geschichte(n) des Kinos. Konfrontiert mit Klischees multikultureller politischer Korrektheit in Europa, hatte er allen Grund, mit beißender Ironie zu kontern; stattdessen akzeptierte er die sich aus seinem Ansatz – dem Re-enactment legendärer Kinofilme, in denen er alle Rollen selber spielt – herrührende Situationskomik, das Absurde oder den Ernst einer Lage, das Seltsame der Verfremdungen. Seine Erfolge in Europa haben ihm ironischerweise nicht nur die Einladung beschert, 2009 sein Land auf der 53. Biennale di Venezia zu vertreten; die knapp am Preis für den besten Länderpavillon vorbeischrammende lobende Erwähnung seines großen Kino-Ambientes – „Life of Imitation“ -, das die vergessene Geschichte des malayischen Kinos der 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder aufleben ließ, bescherten ihm für 2010 eine Neuinszenierung dieser Schau in seiner Heimat – Ironie des neuen kulturellen Marktwerts von Kunst und Künstlern, vor dem selbst autoritäre Staaten in die Knie gehen.

Paradoxerweise kann Ming Wong mit seinen Re-enactments großer Kinofilme, seien es nun berühmte Streifen von Fassbinder oder aus seiner eigenen Kinotradition, einen kulturellen Aspekt der Geschichte des Kinos wieder aufleben lassen, gerade indem er ihn stört: die projektive Identifikation der Zuschauer mit dem Geschehen auf der Leinwand. Denn das Schlüpfen in jede Rolle fasziniert uns Zuschauer, gerade weil wir immer wieder nach der einen Figur suchen. Spiel wird zum Spiel der immer neuen Entdeckung; gleichzeitig aber fallen die Rollen, ganz so wie für jeden Regisseur und Verfasser eines Drehbuchs, nicht so extrem auseinander wie im ‚wirklichen’ Kino – der Betrachter sieht sich einer neuen Spiegelung konfrontiert, die Vorurteilen vielleicht eine weniger drastische Färbung verleiht. 


Fading Irony 1 von Ursula Panhans-Bühler
Guillaume Bijls Ironie gilt den eingeübten Hierarchien des Kunstbetriebs. Er provoziert das Gelächter über die eigene Rolle.

Fading Irony 2 von Ursula Panhans-Bühler
Julia Oschatz ist mehr Ironie-Analytikerin als Ironikerin. Sie observiert die Grenzen der Ironie und simuliert die Ausbruchsversuche aus der rhetorischen Enge.


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