Messebericht von der Art Salzburg 2011

Kunst mit Alpenblick

Bettina Krogemann
18. August 2011

ART SALZBURG. Vom 14. bis 21. August 2011

„Das Publikum auf dieser Messe ist international“, erklärt der Münchener Kunsthändler Thomas Schneider, traditioneller Aussteller auf der ART SALZBURG, die gerade ihre 5. Ausgabe begeht. Thomas Schneider kommt aus der benachbarten Metropole mit deutscher Malerschule des 19. Jahrhunderts und Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts angereist. Wie ihn selber, zieht auch seine Kollegen genau diese internationale Klientel jedes Jahr an die Salzach. Im warmen und topografisch bedingt schwülen August bestückt man noch bis Sonntag in den historischen Räumen der Salzburger Residenz die Messekojen. Die ART SALZBURG hat sich terminlich an eines der wichtigsten Musikereignisse überhaupt gehängt: an die Salzburger Festspiele. Würde es diese nicht geben, gäbe es wohl auch die Messe nicht. Anders als das Publikum aus aller Welt, das während der Festspiele ganz selbstverständlich in langer Robe und Schwarz-Weiß durch die Altstadtgassen schlendert und die Restaurants am Ort und um die Felsenreitschule füllt, zeigt sich die Struktur der Messe in punkto Ausstellerverteilung. Sie ist in dieser Hinsicht immer lokal geblieben. Von den 36 Teilnehmern kommen 26 aus Österreich und zehn aus Deutschland, vorwiegend aus München und Oberbayern. Dazu sollte man wissen: Bayern zählt zum Einzugsgebiet des Salzburger Landes, das Salzburger Land zum Einzugsgebiet von Bayern. Es gibt also generell eine Kundenpflege der Aussteller in beiden Regionen, die durch die Messepräsenz noch einmal gefestigt werden kann. Dazu lockt das Potential an Neukunden durch die Festspielbesucher. All dies macht den Standort im August so attraktiv, auch wenn die klimatischen Verhältnisse in dem Städtchen und in der selbstverständlich nicht mit Klimaanlage ausgestatteten barocken Residenz, dem Spielort der Messe, durchaus als schweißtreibende Angelegenheit beschrieben werden können.

Das Angebot der ART SALZBURG reicht von der Antike über Tribal Art bis hin zur Gegenwart. Möbel des Barock und Rokoko, österreichisches Biedermeier, die Angewandten Künste, die klassische Moderne, die internationale Kunst nach 1945 und Zeitgenössisches sind hier neben bodenständiger Volkskunst Programm. Die Kunstgeschichte der Alpenrepublik steht aber im quantitativen Auftritt klar im Vordergrund. Zu den Highlights des Kunsthandel Kovacek aus Wien zählt im Bereich der nützlichen Künste der vierteilige Lichtschirm des österreichischen Biedermeier-Künstlers Anton Kothgasser, der zunächst für die Wiener Porzellanmanufaktur und folgend als Tafel- und Hohlglasmaler tätig war. Kothgasser verschrieb sich vor allem der Malerei von Stadtveduten und Landschaften, wovon der Lichtschirm aus der Zeit um 1820/30 beredtes Zeugnis gibt: Sein Rahmen besteht aus Perlmutt mit Metallornamenten, die Milchglasscheiben sind mit Emailmalerei dekoriert und zeigen Heimisches, nämlich die Veste Merkenstein, Kobenzls Berg, Veste Rauheneck und Rauchenstein, das Schloss Persenbeug, die Veste Greifenstein, eine Ansicht des Himmels und die Veste Lichtenstein, gereiht von links oben nach rechts unten. Die untere Leiste zieren vier Scheiben mit Blumenbouquets. Sein Preis beläuft sich auf 85.000 Euro.

Die Wiener Angewandten Künste, vor allem die Produkte der Wiener Werkstätte, stehen nicht nur in Österreich, sondern allerorten hoch im Kurs. Davon weiß Kunsthändler Patrick Kovacs aus Wien zu berichten, denn er konnte schon zum Auftakt der Messe einen Schrank von Josef Hoffmann an einen internationalen Salzburg-Gast vermitteln. Der weiße zweitürige „Kasten“, wie man in Österreich sagt, stammte aus der Kuranstalt Purkersdorf bei Wien, dessen Bau und Interieur auf die Planung von Hoffmann zurückgeht, der das Großprojekt gemeinsam mit der Wiener Werkstätte umsetzte. Hoffmanns Auftraggeber war privat und hieß Viktor Zuckerkandl, ein wichtiger Industrieller mit engen Kontakten zur Wiener Kunstszene um 1900. Sein Sanatorium Purkersdorf kam, nicht zuletzt wegen seiner Gestaltung, eher als exklusiver Treffpunkt für die Wiener Kunstwelt und Bohème empor denn als Heilanstalt. Der Schrank bei Patrick Kovacs war Ausstattungsstück des Ordinationszimmers im Sanatorium und der einzige einer Reihe, der sich erhalten hatte.

Doch das Publikum vor Ort kauft auch Schulen anderer Orte. So ging bei der Galerie Gailer, die auf der Insel Frauenchiemsee zuhause ist, das Pastell Die Wippe von der Staffelei des Münchner Malerfürsten Franz von Stuck schon zur Eröffnung in deutsche Sammlerhände. Dem Kunden war die schwungvolle Nymphenszene einen sechsstelligen Euro-Betrag wert. Zu den Neuzugängen der ART SALZBURG zählt die Hamburger Händlerin Renate Krümmer von KRÜMMER fine art. Fünfzehn Jahre lang sammelte Krümmer Kunst aus Leidenschaft, nicht aus merkantilem Interesse. Seit Juli diesen Jahres arbeitet die ehemalige Bankerin nun als Kunsthändlerin mit einem Programm aus der Epoche der Klassischen Moderne mit durchaus außergewöhnlichen Positionen, die auf dem Markt noch betonter platziert und damit neu bewertet werden können. Zu den Glanzstücken bei Krümmer zählt ein Gemälde des in Berlin geborenen, seit 1946 die österreichische Staatsbürgerschaft tragenden Albert Birkle mit einer ruhenden Schönheit im eleganten Stil der Neuen Sachlichkeit zum Preis von 120.000 Euro. Kunst nach 1945, Zeitgenössisches, das gibt es bei Galerie Ruberl aus Wien und der Galerie Elisabeth & Klaus Thoman aus Innsbruck. Arnulf Rainer und Max Weiler zogen hier an und waren bereits früh vergeben.


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