28. März 2012
Salon du Dessin, Palais de la Bourse, Paris. Vom 28. März bis 2. April 2012
Die Stimmung auf Frankreichs Kunstmarkt pendelt gewohnheitsmäßig zwischen „euphorisch“ und „depressiv“. Doch Messen werden gern bereits vorab mit Lob bedacht. Der diesjährige Pariser Salon du Dessin, die internationale Messe für Handzeichnungen, deren 21. Ausgabe heute für das Publikum eröffnet, führt die Experten jedoch auch ohne große Ankündigungen in die Alte Börse. Im Grunde kann man nämlich direkt von Maastricht nach Paris fahren und unterwegs gleich noch einige der Sonderausstellungen mitnehmen, mit denen sich insgesamt 40 Museen an der „Zeichnungswoche“ beteiligen. Mehrere sind schon angelaufen, manche dauern bis in den Sommer.
Auf der Messe teilen sich diesmal 38 Spezialisten, die Mehrheit inzwischen aus dem Ausland, den großen Saal des Palais Brongniart, so benannt nach dem Architekten. Etwa eintausend Zeichnungen, Pastelle, Lithografien – von früher Buchmalerei bis in die Gegenwart – oft sehr eng gehängt, machen ein rasches Erfassen der Messe gar nicht erst möglich. Ein eigener Raum ist anonymen Arbeiten gewidmet, während das Musée Municipal in Bergues aus Nordfrankreich Spitzenexemplare aus seinen Beständen vorstellt. Was zum Verkauf angeboten wird, ist in vielen Fällen nicht unter 200.000 Euro zu haben.
Offensichtlich ist die Präsenz von Gustav Klimt, der gerade mit einer großen Retrospektive in der Wiener Albertina gefeiert wird und so gleich in mehreren Kojen stark vertreten ist. Zudem hat man der zeitgenössischen Kunst mehr Platz eingeräumt. So ist die Kölner Kewenig Galerie zum ersten Mal dabei, aus Berlin ist die Galerie Zink wiedergekommen, unter anderem mit Werken von Marcel van Eeden, Yoshitomo Nara oder Rinus van de Velde. Auch die Klassische Moderne wird zunehmend angeboten – auffälliger Weise vor allem bei Händlern, die bisher in Paris eher für Altmeisterkunst bekannt waren. Zum Beispiel bei Le Claire Kunst: Hier hängt, als Hauptwerk aus dem Jahr 1877, ein famoses Pastell von Gustave Caillebotte, darauf die Mauer eines Gemüsegartens in Yerres.
Doch nicht nur die Moderne und Gegenwart haben sich in der Halle ausgebreitet. Hochwertiges kommt auch aus der Zeit vor dem 16. Jahrhundert. So präsentiert Paul Prouté S.A. die Rötelzeichnung eines Kinderköpfchens von Andrea del Sarto, De Bayser zeigt eine Studie von Fra Bartolomeo, Day & Faber haben Baldassare Peruzzis recto/verso im Gepäck – eine getuschte Federzeichnung mit zwei Szenen aus der Herkules-Sage. Überhaupt ist Italien wie immer omnipräsent, französische Kunst des 17. Jahrhunderts ist ebenfalls nicht rar gesät, wenn auch weniger in der oberen Preisliga. So sticht ein Blatt mit Kopfstudien von François Lemoyne bei Didier Aaron & Cie hervor, dasselbe Thema behandelt hier Michel Corneille der Jüngere in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Bei Eric Coatalem, einer der dynamischsten Pariser Galerien auf ihrem Gebiet, ist man derweil stolz auf mehrere Blätter von Laurent de La Hyre.
Übrigens bietet der Louvre heute und morgen im kleinen Auditorium eine Vortragsreihe mit internationalen Spezialisten an, unter dem Titel „Zeichnung und Stich“ – während das Hotel Drouot Spezial-Auktionen veranstaltet. Ganz klar: Die Zeichnung, sonst meist Nebendarstellerin auf der Kunstbühne, hat in diesen Tagen ihren großen Auftritt.