16. November 2011
Cologne Fine Art & Antiques (Cofaa), Köln. Vom 16. bis 20. November 2011
Gelingt Köln der Sprung zurück zu alter Glorie? Die heute eröffnete
Cologne Fine Art & Antiques trägt jedenfalls ihren Teil dazu bei, dass sich der Kunststandort Köln in neuem Glanz sonnen darf. Dass soeben die Gründung einer neuen Messe für zeitgenössische Kunst parallel zur
Art Cologne im April verkündet wurde
(artnet Magazin), deutet einmal mehr auf den Aufschwung hin. Der dürfte neben der aufgefrischten Art Cologne – deren umtriebiger Direktor Daniel Hug sich nun auch noch die
Nada Art Fair (New Art Dealers Alliance) ins Boot geholt hat - auch dem eingestampften
art forum berlin zu verdanken sein. Stille Vereinbarungen, Ignoranz und Ausgrenzungen in der Galerienlandschaft waren einst der Grund dafür gewesen, dass der Markplatz Köln zeitweilig in die Bedeutungslosigkeit zu verfallen drohte. Und während sich nun Berliner Galeristen so manchen Grabenkampf liefern, entwickelt sich in Köln ein neuer Umschlagplatz für die Kunst – und zwar jenseits der sonst gerne heraufbeschworenen Klüngel- und Karnevalsmentalität.
Somit stehen alle Zeichen auf Erfolg zu Beginn der Cologne Fine Art & Antiques, die mit 110 Ausstellern Werke von der Antike bis zur Moderne präsentiert. Dass Messedirektorin Ulrike Berendson auf der Vernissage eine enthusiastische Rede hielt, wollte ihr manch ein Journalist gar als beginnende Hybris auslegen: Immerhin sprach sie von einer Ausstellerliste, die „ein Spektrum der Jahrhunderte und Stile nach Köln bringt, die es so weder auf dem Pariser Salon du Dessin, noch bei der Londoner Drawing Week oder der New Yorker Print Fair zu sehen“ gäbe. Begeisterung über den gelungenen Auftakt wird man Berendson, die seit 2008 unermüdlich am Erfolg der Messe arbeitet, aber wohl kaum zum Vorwurf machen wollen.
Von den Händlern selbst kommen zu Beginn der Vernissage ebenfalls positive Worte: Petra Maendler von der
HELMRINDERKNECHT contemporary design gallery aus Berlin, diesjährig erstmals mit Gefäßen des Schweizers
Frédéric Dedelley dabei, fühlt sich ebenso gut aufgehoben wie
Klaus Benden aus Köln, der meint, die Messe „befindet sich auf bestem Wege“. Seiner Meinung nach ist es das „einzig richtige, die Epochen zu kombinieren“. Damit meint er das Konzept der Cologne Fine Art & Antiques, die Bereiche Alter, Moderner sowie Angewandter Kunst und Design verbindet - und zwar nicht nur innerhalb einer Veranstaltung, sondern auch mit teils verblüffend gut funktionierenden Gemeinschaftsständen der Galerien.
Zudem hat man diesjährig mit organisatorischer Unterstützung der Händler
Angelika und
Bruce Livie sowie
Fred Jahn aus München und
Klaus Gerrit Friese aus Stuttgart den Bereich „Arbeiten auf Papier“ hinzugefügt. 24 Aussteller vom Altmeisterhandel bis hin zur Moderne stellen dort aus, manche zusätzlich zu ihrem eigentlichen Stand, andere singulär wie beispielsweise
Thole Rotermund aus Hamburg.
Dass sich auf der einst von Handel und Käuferschaft arg geschmähten Westdeutschen Kunst- und Antiquitätenmesse, später Cologne Fine Art, bis hin zur heutigen Cofaa einiges getan hat, vermitteln auch die Besucher der VIP-Eröffnung, die laut hörbar die „neue Gediegenheit“ und „Weite“ der Kunstmesse loben. „Nun müssen allerdings noch die Verkäufe stimmen", sagt etwas nüchterner Ole Koch von der
Galerie Koch aus Hannover. Er hat die Aquarellfassung „eines nie gemalten Gemäldes“ mit der Darstellung zweier Segelboote auf hoher See von
Emil Nolde für 250.000 Euro mitgebracht, das auch dem Düsseldorfer Galeristen
Rainer Ludorff beim Inspektionsgang gefällt, obschon er selbst nicht minder bedeutende Arbeiten des deutschen Expressionisten an seinem Stand zeigt. Das Highlight dort bildet das 1908 entstandene Gemälde
Grabender Bauer von
Heinrich Nauen, das lange als verschollen galt und nun mit 245.000 Euro zu Buche schlägt.
Auch sonst ist der für Köln wesentliche Bereich der Klassischen Moderne gut ausgestattet:
Jörg Maass aus Berlin hat bereits nach wenigen Minuten die großformatige Federzeichnung
Im Zoo von
Jeanne Mammen verkauft, während zu
Michael Haas Rudolf Schlichters Objekt der Begierde lockt – seine Geliebte und spätere Frau Speedy mit Hut, anstatt wie sonst mit Stiefeln: Als Farbstiftzeichnung auf Papier von 1936 kostet sie 58.000 Euro. Schier nicht enden will die Fülle an Zeichnungen jeglicher Art von
George Grosz. Grund dafür könnte seine Ausstellung im Brühler
Max Ernst Museum sein, doch nicht immer überzeugt die Qualität der hier angebotenen Arbeiten. Anders bei
Nolan Judin aus Berlin, die ihre gesamte Koje einem einzigen Thema in Grosz' Schaffen gewidmet haben – nämlich dem „Weg allen Fleisches“. Alle ausgestellten Werke, seien es Zeichnungen, Ölgemälde oder Aquarelle von Anfang der 1920er- bis in die mittleren 1930er-Jahre widmen sich dem Sujet des Schlachtens, das in einer schönen Publikation kunsthistorisch aufgearbeitet wird. Federzeichnungen des Meisters sind hier ab 12.000 Euro (zzgl. MwSt) zu erstehen, für das prachtvolle Porträt des blutbekittelten Fleischers mit verschränkten Armen vor seiner gerade hinweggemetzelten Auslage werden 38.000 Euro (zzgl. MwSt) fällig.
In Sachen Klassische Moderne wird zwar das Beschränkungsdatum auf Arbeiten bis 1980 grob eingehalten. Viele der Werke stünden jedoch auch der Art Cologne nicht schlecht, so etwa
Anna und Bernhard Blumes Magischer Determinismus in fünf Fotografien und einem Textblatt bei
Heinz Holtmann aus Köln, die bereits auf der
documenta 6 im Jahr 1977 ausgestellt waren, ebenso wie
Almut Heises Collage Korridor IV von 1972 für 9.000 Euro bei Michael Haas aus Berlin. Von dort hat auch
Aurel Scheibler Bilder von
Alice Neel mitgebracht (ab 43.000 Euro), während
Galerie Utermann aus Dortmund mit frühen Arbeiten von
Norbert Tadeusz ab 21.000 Euro auftrumpft.
Darüber hinaus ist in diesem Jahr viel zeitgenössisches Design zu erstehen, unter anderem bei
Karena Schuessler aus Berlin, die einen der optisch zeitgemäßesten Stände der Messe gestaltet hat - mit Lichtarbeiten von
Robert Hoffmann,
Max Lamb und
Oskar Zieta. Ebenfalls gewohnt hochwertig präsentiert sich das Angebot von
Gabrielle Ammann aus Köln. Eines ihrer Lieblingsstücke am eigenen Stand ist der 2 Meter 60 lange Tisch
Copper Age vom
Studio Nucleo, erst 2011 gefertigt, für 70.000 Euro. Zwar ist das aufwändige Stück als Esstisch nutzbar, auch wenn sein Pendant
Iron Age bereits in einer französischen Privatbibliothek steht.
An anderen Ständen kann man sich Epochen noch vor der Eisenzeit widmen – und kommt dabei sogar relativ preiswert weg. Fast wie ein Konvolut zeitgenössischer Skulpturen hat der Antikenhändler
Gordian Weber aus Köln eine Faustkeilsammlung inszeniert. 800.000 bis 4.000 v. Chr. sind die vielen verschiedenen Handwerkzeuge aus einer französischen Sammlung des 19. Jahrhunderts entstanden, die preislich schon unter 1.000 Euro beginnen. Auf Messen zeitgenössischer Kunst muss nach einem solchen Einstiegspreis erst einmal suchen.
Als immer noch ausbaufähig präsentiert sich der Bereich der Alten Kunst, vor allem das 19. Jahrhundert ist kaum vertreten. Das dürfte freilich an den gegebenen Strukturen liegen: Händler exquisiter Qualität sind rar gesät und oft bereits Messen anderer Städte verpflichtet. Weitere Überzeugungsarbeit tut hier Not und dürfte auch fruchten. Erstklassige Aussteller wie Katrin Bellinger und Dr. Riedl aus München, Paffrath aus Düsseldorf oder Arnoldi-Livie, ebenfalls aus München, schmücken die Messe bereits in diesem Jahr. Letzterer hat eine zarte Porträtzeichnung einer jungen Dame, entstanden aus der Hand Gottlieb Schicks um 1802, mit auf die Messe gebracht (Preis aus Anfrage).
Die Idee, mit der epochalen Verschmelzung auch ein jüngeres Publikum auf die Messe zu holen, leuchtet ein - doch birgt auch das Risiko, damit der Art Cologne Konkurrenz zu machen. Eine stringenter vorgeschriebene Kopplung einzelner moderner Werke mit älterer Kunst wäre hier vielleicht eine Lösung. Denn dass ein Cross-over der Kategorien ein guter Weg ist, daran lässt die Cofaa keinen Zweifel.